TEST DAF 95.XF530

Der 95XF.530 steht bei DAF als 530 PS starkes
Flaggschiff an der Spitze des Euro-3-Motorenprogramms.
Souveräne Stärke  
Die Sattelzugmaschine DAF 95XF.530 beeindruckte beim Test durch exzellenten Fahrkomfort, souveräne Kraft und hohe Transportleistung.  
Satte 530 PS Motorleistung liefert die Sattelzugmaschine 95XF.530 als Flaggschiff des Euro-3-Motorenprogramms von DAF Trucks. Diese mächtige Leistung stammt aus dem Triebwerk XE 390 C, die stärkste Euro-3-Variante des 12,6-l-Motors für die 95XF-Modelle. Gleichzeitig löste DAF mit dem XE 390 C den bisher in der Königsklasse eingesetzten 14-l-Cummins-Motor ab. Ein Zeichen eigenständiger Modell- und Entwicklungspolitik, die von DAF Trucks gegenüber dem amerikanischen Mutterkonzern Paccar vertreten werden. DAF ist mit dem Powertriebwerk XE 390 C ein überaus guter Wurf geglückt. Das für die Königsklasse relativ leichte und kompakte Aggregat bringt die Nennleistung von 530 PS bei 1.900/min und gibt sein kraftvolles maximales Drehmoment von immerhin 2.350 Nm zwischen 1.100 und 1.500/min ab. Diese beeindruckenden Werte sorgten für einen enormen Anzug im unteren Drehzahlbereich und für hohe Leistungsreserven bergauf. Steigungen bis zu zwei Prozent ließen sich in der höchsten Gangstufe ohne Herunterschalten bei konstanter Geschwindigkeit nehmen. In dieser Beziehung zeigte sich die Auslegung des Antriebsstrangs mit einer Motordrehzahl von rund 1.280/min bei 80 km/h (Hinterachsübersetzung: 3,73:1; Reifendimensionen: 315/80 R 22,5 und Getriebeübersetzung: 0,84:1) als sehr gelungen.
Vor allem auf dem schwierigen Abschnitt von Köln bis zum Frankfurter Kreuz mit langgezogenen Steigungen in Größenordnungen von fünf Prozent und teilweise noch darüber zeigte der DAF 95XF.530 souveräne Zugkraft. Selbst auf dem steilsten Autobahn-Steigungsabschnitt zog das Fahrzeug den 40-t-Zug noch mit 56 km/h und 1.500/min im 7. Gang klein weiter nach oben. Ebenso powerte der DAF 95XF.530 auf dem Mischstreckenabschnitt: Ein Beispiel ist eine 3,1 km lange Serpentinenstrecke mit 8-prozentiger Steigung und teilweise engen Kehren, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 46,7 km/h genommen wurde.
Insgesamt ein gelassenes und souveränes Fahren: auf der Autobahn wie auch auf der Landstraße. Da sind das hohe Leistungsverhältnis von rund 13,3 PS/t und das kräftige maximale Drehmomentniveau von 58,8 Nm/t durchaus sinnvoll. Einfach fabelhaft, wie komfortabel sich der DAF 95XF.530 mit wenigen Schaltungen, niedrigen Motordrehzahlen und hoher Transportleistung bewegen ließ. Obendrein zeigte sich das 530 PS starke Euro-3-Powertriebwerk XE 390 C ziemlich sparsam: Es begnügte sich auf dem 377 km langen Autobahn-Testabschnitt mit einem Durchschnittsverbrauch von 33,2 l/100 km bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80,8 km/h (Einzelergebnisse: siehe Kasten).
Das 530 PS starke Power-Aggregat XE 390 C basiert, wie auch die anderen DAF-Euro-3-Motoren mit 12,6-l-Hubraum, auf der im Jahre 1997 eingeführten Euro-2-Motorenbaureihe XF mit Vier-Ventiltechnik (je zwei Aus- und Einlassventile pro Zylinder), Ladeluftkühlung und Abgasturbolader sowie mechanisch geregelter Reihen-Einspritzpumpe.


Allerdings kommt DAF jetzt bei den Euro-3-Motoren XE nicht mehr ohne Elektronik aus: So kommt das im eigenen Hause entwickelte 1.500 bar Hochdruck-Einspritzverfahren Upec (Unit Pump Electronically Controlled) zum Einsatz. Dank der neuen Elektronikgeneration lassen sich sowohl der Einspritzbeginn als auch die Einspritzmenge pro Zylinder sehr exakt für einen sparsamen Verbrauch und umweltverträgliche Abgaswerte regeln. Weitere Entwicklungen sind ein neuer, flacher Brennraum sowie modifizierte Einlasskanäle und überarbeitete Kolbenringe. Außerdem konnte der Ölverbrauch weiter reduziert werden. Je geringer der Ölverbrauch, desto geringer ist auch der Partikelausstoß, und das ist bei der Euro-3-Norm von besonderer Bedeutung. Die in das Upec-System integrierte Tempomatfunktion ist auf der Autobahn ebenso ein deutlicher Komfortgewinn wie das Servoshift für das serienmäßige ZF-Getriebe 16 S 221 auf der Landstraße. Die pneumatische Schaltunterstützung Servoshift von ZF sorgt für verkürzte Schaltwege und dank pneumatischer Verstärkung für eine 50-prozentige Reduzierung der Betätigungskräfte. Von Vorteil sind beim Servoshift auch das vertraute Einfach-H-Schaltmuster und die Verbindung von Schalthebel und Getriebe über ein normales Gestänge für ein natürliches Schaltgefühl.
Darüber hinaus beeindruckte der DAF 95XF.530 mit einem hervorragenden Lenkverhalten, einer komfortablen Fahrwerksabstimmung und einer hohen Fahrstabilität. Zu den bekannten Vorzügen der Space-Cab-Kabine zählen in erster Linie der perfekte Arbeitsplatz, das ansprechende Innendesign und das hochwertige Interieur. Dies und die sprichtwörtliche Zuverlässigkeit brachte die Fernverkehrsbaureihe DAF 95XF auf dem europäischen Markt voran. Vor allem in Deutschland gelang eine bedeutende Steigerung des Marktanteils, in Verbindung mit einem flächendeckenden Ausbau des Vertriebs- und Service-Netzes. Im Vergleich zu den Wettbewerbern kam der DAF 95XF.530 noch mit konventioneller Bremsentechnik daher. So wurde die mächtige Motorleistung des DAF-Flaggschiffs über ein konventionelles Druckluft-Betriebsbremssystem mit Trommelbremsen an Vorder- und Hinterachse gezügelt und nicht über Hightech wie Rundumscheibenbremsen mit EBS.
Die Power des DAF 95XF.530 ließ sich auch mit konventioneller Bremsentechnik hervorragend zügeln.  



Doch es wird nicht mehr lange dauern, bis auch die schwere Baureihe 95XF mit Hightech-Bremsen auf den Markt kommt. Ein sicheres Zeichen ist die neue Mittelklasse CF, die DAF auf der IAA 2000 als Weltneuheit mit serienmäßigen Rundumscheibenbremsen und EBS vorstellte. Dazu kommt noch, dass DAF hier eine neue, zusammen mit Knorr entwickelte Scheibenbremstechnik einsetzt. Dieser Aufwand wurde sicherlich nicht nur für die CF-Baureihe betrieben. Doch der Fahrer des DAF 95XF.530 kommt auch mit der konventionellen Bremsentechnik gut zurecht: Die sehr großzügig dimensionierten Trommelbremsen verfügen über hohe Sicherheitsreserven und setzen gut dosierbar sowie gleichmäßig ein. Außerdem steht mit der DAF-Engine Brake (DEB) mit einem Aufpreis von rund 2.000 DM eine überaus leistungsstarke Motorbremse für Talfahrten zur Verfügung. Bei diesen Brems- und Verzögerungs-Qualitäten braucht sich DAF beim Thema Hightech-Bremsen nicht zur Eile antreiben zu lassen und kann in Ruhe abwarten bis ausgereifte Systeme zum Einsatz kommen können. Mit dieser Einstellung ist DAF stets gut gefahren. Das bedeutet jedoch nicht ein Hinterherhinken in der Entwicklung: Immerhin gehört DAF zu den ersten Unternehmen, die bereits seit 1999 ihren Kunden eine komplette Euro-3-Motorenpalette für die schwere Baureihe 95XF und die Mittelklasse CF offerieren kann. Es beginnt bei der Mittelklasse-Baureihe 75CF mit 9,2-l-Motoren in den Leistungsstufen 249, 288 und 320 PS. Für die schwere Mittelklasse 85CF und die schwere Klasse 95XF stehen alle Leistungsversionen des 12,6-l-Motors in Euro-3-Ausführung zur Verfügung. Beim 85CF sind das die Leistungsstufen 340, 380 und 428 PS sowie für die 95XF-Modelle 380, 428 und 483 PS. DAF verlangt für den jeweiligen Euro-3-Motor einen Aufpreis von 5.890 DM. Der leistungsstärkste 12,6-l-Motor, das 530 PS starke Power-Triebwerk XE 390 C, ist nur in Euro 3 und nur für die schweren 95XF-Modelle zu haben. In der Standardausstattung mit Comfort Cab steht die Sattelzugmaschine DAF FT 95XF.530 mit 266.600 DM in der Nettopreisliste. Im Vergleich zum 483 PS starken FT 95XF.480 in Euro-3-Ausführung bedeutet das einen moderaten Aufpreis von 9.310 DM. Beim Testfahrzeug kamen noch 3.400 DM für das erfreulich umfangreich ausgestattete Fernverkehrs-Fahrerhaus Space Cab hinzu. Es bietet einen angenehmen Langstreckenkomfort mit zwei Schlafliegen, eine Stehhöhe von rund 1,90 m und ein ausreichendes Staufachvolumen. Weitere Sonderausstattungen wie Klimaanlage (2.760 DM), Standheizung (2.580 DM) und ein Super Luxus Fahrersitz (1.250 DM) tragen zur Konditionssicherheit des Fahrers bei. Ausstattungen wie Dach- und Seitenspoilerset für 4.140 DM, Seitenverkleidung für 5.650 DM, Ecas-Hinterachs-Luftfederung für 6.400 DM und DEB sind lohnende Investitionen in die Steigerung der Einsatzeffizienz des Fahrzeugs. So ist schnell ein Netto-Listenpreis von etwa 292.150 DM und mehr erreicht. Dafür erhält der Kunde eine komfortabel ausgestattete Sattelzugmaschine mit einer souveränen Motorleistung von 530 PS bei 1.900/min und einem kräftigen maximalen Drehmoment von 2.350 Nm zwischen 1.100 und 1.500/min. Die rund 7.300 kg Leergewicht, die der DAF FT 95XF.530 4x2 mit vollem 430-l-Aluminium-Tank und Fahrer auf die Waage bringt, sorgen auch in der Königsklasse für ein günstiges Nutzlastverhältnis.

Adelbert Schwarz

technische Daten: Scania P94 DB4x2LB 230
Maße und Gewichte
Gesamtlänge:
6.160 mm
Gesamtbreite:
2.450 mm
Gesamthöhe:
3.380 mm
Radstand:
3.600 mm
Wendekreisdurchmesser:
14.300 mm
Zulässige Achslast vorn
7.100 kg
Zulässige Achslast hinten
11.500 kg
Zulässiges Gesamtgewicht:
18.000 kg
Leergewicht
Testfahrzeug mit Fahrer und vollem Tank
7.300 kg
Zulässiges Zuggesamtgewicht
40.000 kg
Gesamtzuglänge
16,50 m
Gesamtzugbreite
2,50 m
Gesamtzughöhe
3,98 m
Test-Zuggesamtgewicht
ca. 40 t
Sattelanhänger: Kofferauflieger; Luftfederung; starres 3-Achs-Aggregat  
Antriebsstrang
Motor: DAF XE 390 C: Euro-3-Motor; flüssigkeitsgekühlter 6-Zylinder-Reihen-Viertakt-Dieselmotor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung; Direkteinspritzung über elektronisch geregeltes Einspritzsystem UPEC; Vierventiltechnik; Bohrung/Hub: 130/1358 mm;
Hubraum: 12,6 l; Leistung: 530 PS (390 kW) bei 1.900/min; maximales
Drehmoment: 2.350 Nm zwischen 1.100 und 1.500/min Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung; Servo-Betätigung; selbstnachstellend
Getriebe: ZF 16 S 221 plus Servoshift (Sonderausstattung): synchronisiertes Schaltgetriebe mit Range- und Splittgruppe: 16 Fahrgängen (Übersetzungsverhältnisse von 13,68:1 bis 0,84:1) Antriebs-Hinterachse: SR1347; einfach übersetzte Hypoidachse mit Differenzialsperre; Übersetzung 3,73:1; Gesamtauslegung: 1.280/min bei 80 km/h in höchster Getriebestufe
Fahrwerk
Federung: starre 7,1-t-Vorderachse: Blatt-Parabelfederung, Stoßdämpfer; hinten: starre Antriebsachse: ECAS-Luftfederung mit Hebe- und Senkeinrichtung, Stoßdämpfer Bremsen: 2-Kreis-Druckluft-Betriebsbremsanlage mit ABS; druckluftbetätigte Rundum-Trommelbremsen; Stauklappen-Motorbremse und DAF Engine Brake (DEB) und ASR (DEB und ASR als Sonderausstattung); Hilfs- und
Feststellbremse: über Federspeicher-Bremszylinder auf Hinterräder wirkend;
Reifen: Zugfahrzeug: vorn und hinten: 315/80 R 22.5 Goodyear G 391 E; Auflieger: 385/65 R 22.5 Goodyear G 465 E
TESTERGEBNIS
Autobahn
gefahrene Kilometer
377,0 km
Durchschnittsverbrauch
33,2 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit
80,8 km/h
davon einfache Strecke A 61
gefahrene Kilometer
34,2 km
Durchschnittsverbrauch
22,5 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit
74,0 km/h
Landstraße
gefahrene Kilometer
70,4 km
Durchschnittsverbrauch
39,1 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit
63,7 km/h
Bergwertung
Steigung 8 Prozent,
Länge 3,1 km
Durchschnittsverbrauch
149,8 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit
46,7 km/h
Testverbrauch gesamt
gefahrene Kilometer
447,4 km
Durchschnittsverbrauch
34,1 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit
77,5 km/h
Wetter
sonnig/bewölkt; windig; +12 bis +24°C