Testbericht Fiat Transporter

Ein Riese an Gestalt und Volumen:
Der Fiat Ducato
mit langem Radstand und
superhohem Dach;
Volumen des Laderaums: 14 cbm.
Dreifache Kombination

Aufgefrischt fürs Jahr 2000: die erfolgreichen Fiat-Transporter Ducato und Scudo. Darunter hat Fiat das Pick-up Strada geschoben. Und damit ist in diesem Jahr noch nicht Schluss.


Ganz taufrisch ist er nicht mehr, der Fiat Ducato. Nach sechs Jahren Produktionszeit steht er, gängige Lebenszyklen von Transportern vorausgesetzt, in der Blüte seiner Jahre. Trotzdem ist es passiert: Nach der Neuheitenflut der vergangenen Monate ist der Fiat Ducato (zusammen mit seinen Geschwistern von Citroen und Peugeot) auf einmal der Alterspräsident seiner Klasse. Noch aber zeigt es der Senior den Jungspunden: 800 Transporter produziert das Werk Sevel in Mittelitalien zur Zeit am Tag, etwas mehr als die Hälfte davon segelt unter der Fiat-Flagge. Damit gehören die drei Geschwister zu den auflagenstärksten Transportern Europas.

Fiat Scudo Jahrgang 2000: jetzt wahlweise mit kräftigen und gleichzeitig sehr genügsamen Common-Rail-Motoren zu haben.

FIAT SCUDO
Die neuen JTD-Motoren Modell Kastenwagen / Kombi
Zylinder/Anordnung 4/Reihe
Einspritzung Common Rail
Ventile pro Zylinder 2
Bohrung/Hub (mm) 85/88
Hubraum (cm3) 1.997
Verdichtung 17,1 : 1
Leistung kW (PS)/min 69 (94)/4.000
Leistung kW (PS)/min 80 (109)/4.000
Drehmoment (Nm/min) 210/1.750
Drehmoment (Nm/min) 250/1.750



Alles unter Kontrolle: Multifunktionsanzeige im Tachometer, daneben ein perfekt gekennzeichneter Drehzahlmesser.



Volle Rück-Sicht:
Außenspiegel mit verstellbarem Weitwinkeleinsatz, auf Wunsch elektrisch.
Damit dies so bleibt, haben die Ingenieure den Transporter verfeinert, ihn dezent geliftet. Rein äußerlich ist er ganz der Alte geblieben, das Gesicht mit Augenschlitzen und dem wuchtigen Stoßfänger mit großen Kühllufteinlässen blieb erhalten. Einzig die Außenspiegel machen hier den Unterschied: Seitlich abgerundet und nach unten fast tropfenförmig auslaufend enthalten sie jetzt einen zusätzlichen Weitwinkelspiegel. Der ist sogar verstellbar, was für beste Rück-Sicht sorgt. Clou des Ganzen: Wer die elektrische Spiegelverstellung wählt, kann die Feinjustage aller vier Spiegelgläser von innen vornehmen – vorbildlich. Hier drinnen im Fahrerhaus hat italienisches Design Einzug gehalten. Auch der Ducato hat die bisher übliche Nutzfahrzeug-Nüchternheit weitgehend abgelehnt. Dafür stehen vor allem die neuen Instrumente. Auf kräftigem blauen Grund leuchten weiße Ziffern aus großen runden Armaturen. Ein Drehzahlmesser gehört nun endlich zum Standard. Und der uneingeschränkte Blick durchs große Lenkrad auf die Armaturen könnte schließlich nicht besser sein. Knubbelig-runde Drucktasten in Toffifee-Optik sind nun für Nebenfunktionen zuständig. Die Funktion wird dadurch nicht besser, und die kleinen integrierten Kontrolllämpchen sind funzelig – aber nach sechs Jahren muss manches einfach anders werden, damit Engagement sichtbar wird. Und wer bitte wagt es schon, an italienischem Design zu mäkeln? Wenn schon die Hülle des Fiat Ducato von Starcouturier Giorgio Giugiaru stammt, dann darf auch das Innere selbst eines Transporters einen Hauch Sportlichkeit (Instrumente) und Eigenwilligkeit (Bedienungselemente) zeigen. Und die flotten bunten Stoffe der Sitzbezüge setzen obendrauf ein wenig südeuropäische Munterkeit. Der Ducato ist emotionaler geworden. Das tut gut, liegt im Trend und zählt für ein italienisches Auto ohnehin zum Pflichtprogramm. Vorurteile gegen die Verarbeitung schüren die neuen, in freundlichem Grau gehaltenen Abdeckungen der A-Säulen: Ihre Oberkante wirkt von Hand gesägt nach dem Genuss mehrerer Grappa. Sonst aber findet sich beim schnellen Rundblick im Fahrerhaus kein Anlass für Tadel. Ein wenig ins Hintertreffen geraten ist der Ducato zurzeit beim Antrieb, denn der zu recht beliebte 2,8 l große Turbodiesel-Direkteinspritzer ist inzwischen ein deftiger und temperamentvoller Klassiker von altem Schrot und Korn. Mit 122 PS und 285 Nm Drehmoment zählt er wahrlich nicht zu den Schwächlingen, doch allmählich ziehen die Wettbewerber an ihm vorbei. Eine „bella macchina“ auf neuestem Stand wird der Diesel erst wieder ab der IAA, wenn mit Common Rail moderne Einspritztechnik Einzug hält, die bereits im verwandten Iveco Daily ihre Bewährungsprobe besteht. Und wer zurzeit den rundum überarbeiteten Mercedes Sprinter und den neuen Ford Transit ausprobiert, dem fallen auch die schwergängigere Lenkung, der große Wendekreis und die enge Pedalerie des Fronttrieblers mehr denn je auf. Auch der Längsverstellbereich des Sitzes reicht für lange Nordeuropäer nicht aus. Unverändert vorbildlich: Die Schaltung mit kurzem Hebel im Armaturenbrett; sie hat Nachahmer gefunden.

Der Ducato ist emotionaler geworden. Das tut gut, liegt im Trend und zählt für ein italienisches Auto ohnehin zum Pflichtprogramm.

Ausgebaut hat Fiat das ohnehin schon üppige Modellprogramm. Über das Fahrgestell mit superlangem Radstand von 4.050 mm freuen sich die Aufbauer. Mit diesem Maß bietet der Ducato dem längsten Sprinter und dem konzerninternen Gegner Daily Paroli. Auch einen ellenlangen Kastenwagen mit diesem Achsabstand hat sich Fiat für Deutschland gewünscht, um ebenfalls auf diesem Feld gegen diese beiden Wettbewerber antreten zu können. Statt dessen jedoch kam ein langer Radstand mit superhohem Dach – eine andere Möglichkeit für reichlich Volumen. Der wuchtige Fiat ist 2,7 m hoch und schluckt stattliche 14 m3 Fracht. Die Höhe unter dem Kunststoffdach beträgt 2,28 m. Das Dach selbst allerdings wirkt arg improvisiert. Die Oberfläche ist rau, die einzig lieferbare Farbe weiß, und vorn sitzt es wie eine mäßig angepasste Mütze auf der Stirn der Originalkarosserie des Fiat. Da wirkt das gleich hohe Blechdach des Ducato mit etwas kürzerem Radstand weitaus professioneller. Dem gegenüber steht ein attraktiver Preis von nur 44.000 DM für den Riesen-Ducato als 3,5-Tonner.


Klein, schick und rot wie ein Ferrari: Der schnittige Fiat Strada tritt gegen den VW Caddy im kleinen Markt der Bonsai-Pritschenwagen an.

FIAT STRADA
Maße und Gewichte
Gesamtlänge 4/Reihe
Gesamtbreite Common Rail
Gesamthöhe 2
Radstand 85/88
Länge Laderaum 1.997
Breite Laderaum 17,1 : 1
Leergewicht 69 (94)/4.000
Nutzlast 80 (109)/4.000
Motor Strada 75
4-Zylinder-Benziner, Multipoint-Einspritzung, Hubraum: 1.242 cm3, Leistung: 54 kW (74 PS), Drehmoment: 104 Nm.

Motor Strada TD 70
4-Zylinder-Dieselmotor, Vorkammer-Einspritzung, Hubraum: 1.698 cm3, Leistung: 51 kW (69 PS), Drehmoment: 134 Nm.


Strada-Fahrerhaus: knapp bemessen und ebenfalls knapp ausgestattet.


Gut versteckt: Die neuen Dieselmotoren des Scudo ducken sich tief im Motorraum unter allerhand Geschläuch und Leitungen.

Scudo holt auf
Der Preis lockt auch beim kompakten Scudo: Ab 26.200 DM gibt es diesen Transporter, abgeleitet von einer Van-Baureihe um den Fiat Ulysse. Er ist mit 700 bis 800 kg Nutzlast und 4,44 m Länge ursprünglich eine halbe Klasse unterhalb des VW T4 angesiedelt. Jetzt aber holt der Fiat auf: Nach Vorbild des baugleichen Pendants von Peugeot gibt es nun eine zusätzliche Variante mit langem Radstand. Um exakt 40 cm hat der Fiat zugelegt, ergibt einen knapp 2,5 m langen Laderaum mit fünf m3 Volumen. Ab 29.000 DM ist der Lange zu haben. Konsequenterweise gibt es ihn nur in der aufgelasteten Version mit rund 800 kg Nutzlast. Ein Makel sei nicht verschwiegen: Der Wendekreis des Riesen-Scudo fällt mit 13,8 m gewaltig aus, 3,2 m Radstand bringen eben auch Nachteile mit sich. Unter der kurzen Motorhaube des Scudo steckt wahlweise ein neuer Dieselmotor. Was bei den Kollegen Peugeot HDi heißt, nennt Fiat bei der identischen Maschine JTD: den Turbodiesel-Direkteinspritzer mit Common-Rail-Einspritztechnik. Der Zweiventiler ist ein sehr sympathischer Bursche, knurrt mehr als er nagelt, kennt kein Turboloch und stemmt sein maximales Drehmoment bereits bei 1.750 Umdrehungen auf die Kurbelwelle. Ein wenig kurios muten die Leistungsangaben an: Bei absolut identischer Technik leistet das Triebwerk im Kastenwagen 69 kW (94 PS), im Kombi 80 kW (109 PS); gleichzeitig fällt der Aufpreis gegenüber der Basismotorisierung unterschiedlich aus. Eine Erklärung dafür konnte Fiat bislang nicht liefern.
Schon in der schwächeren Variante im Kastenwagen gebärdet sich der Zweilitermotor nicht als Schlappmann – 210 Nm maximales Drehmoment sind schließlich ein Wort für einen Transporter, der nicht einmal 2,5 t Gesamtgewicht erreicht. Entsprechend temperamentvoll tritt der noch einmal kräftigere Kombi an: Mit 250 Nm bietet er für diese Wagenklasse ungewöhnlich viel Dampf und kann die Muskeln spielen lassen. Der Drehmomentwert entspricht exakt dem beliebten VW T4 TDI mit 75 kW (102 PS) trotz nur 2 Liter Hubraum – Kompliment. Wenn’s sein muss, rennt der Scudo mit dem stärksten JTD-Motor 165 km/h schnell und beschleunigt in nur 14,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Ein flotter Bursche also, der trotzdem sehr genügsam arbeitet: Im Schnitt schluckt der Scudo laut Norm nur 6,4 l/100 km (städtisch 7,9, außerstädtisch 5,4 l/100 km) – in Anbetracht von Format und Gewicht ein prima Wert. Auch der Scudo hat nun Instrumente mit blauem Hintergrund. Die Dieselmotoren verfügen jetzt über einen Drehzahlmesser. Und im Tacho findet sich anstelle des herkömmlichen Tageskilometerzählers das kleine Display einer Multifunktionsanzeige. Das Mäusekino nennt auf Knopfdruck Gesamt- und Tageskilometer, die Uhrzeit, zeigt den Ölstand an und die Kilometer bis zur nächsten Wartung. Sie ist bei den JTD-Maschinen nur noch alle 20.000 km fällig – neben dem niedrigen Verbrauch ebenfalls ein wichtiger Faktor für mehr Wirtschaftlichkeit.

Schöner laden
Pick-ups sind Autos fürs Grobe. Dass sie trotzdem Pfiff haben können, zeigt ein kompakter neuer Fiat mit dem klangvollen Namen Strada. Sein Auftritt ist bestechend: schnittige Frontpartie, sportlich-schräge Frontscheibe, dazu ein Heck mit allerhand Zierrat für Sport und Gewerbe. Der hübsche Fiat stammt aus Brasilien und ist ein Abkömmling des Weltautos Palio, in Deutschland als Kombi Palio Weekend bekannt. Während der Palio brav und bieder auftritt, überzeugt der Strada durch seine sympathisch-freche Gestaltung. Dabei steckt in ihm ein echtes Nutzfahrzeug, wie die starre, blattgefederte Hinterachse beweist. Und weiter geht’s: Ein Gitter schützt die Heckscheibe, dient dank seitlicher Bügel als Leiterhalterung. Die Pritsche ist knapp 1,8 m lang, kommt insgesamt auf 2,4 m2. Der Zugang erfolgt über eine Trittstufe am Heck. Der Pritschenboden verfügt über Holzleisten als Schutz sowie Zurrösen. 600 kg Nutzlast sollten für zahlreiche Anwendungsfälle ausreichen. Und 1 t Anhängelast darf der Fiat ebenfalls ziehen. Mit 1,8 t Gesamtgewicht und 4,4 m Länge ist er eben größer, als es die zierliche Karosserie vermuten lässt. Das Fahrerhaus ist eher knapp geschnitten. Reicht die Innenlänge aus, so wird es mit dem Kopfraum für große Fahrer schon sehr knapp. Auch die Ausstattung ist eher kärglich bemessen. Einzig das höhenverstellbare Lenkrad liegt außerhalb des automobilen Minimums. Wer will, kann den Strada jedoch zu einem kleinen Schmuckstück ausstaffieren: Mit Zentralverriegelung und elektrischen Helfern für Außenspiegel und Fensterheber bis hin zu Aluminiumrädern finden sich in der Aufpreisliste zahlreiche Komfortextras. Sehr schlank ist das Angebot der Motoren. Billigste Variante ist ein Benziner mit 54 kW (74 PS). Doch das schmalbrüstige Maschinchen verfügt mit einem maximalen Drehmoment von nur 104 Nm über keinerlei Mumm. Die bessere Wahl ist der Turbodiesel mit 1,7 l Hubraum und 51 kW (69 PS). Auch damit ist der Strada kein Renner, doch gut 150 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 15,5 Sekunden reichen allemal. Einzig der Preis schmerzt beim Diesel: Er kostet gegenüber dem Benziner (Grundpreis: 15.700 DM) einen Mehrpreis von 2.600 DM, da langt Fiat ordentlich hin. Mit seinen Außenmaßen einschließlich der Ladefläche übertrifft der Fiat Strada deutlich seinen Wettbewerber VW Caddy. Der stammt vom baugleichen Skoda Felicia ab und spielte bisher die Rolle als Platzhirsch unter den Bonsai-Pritschenwagen. Der Fiat ist zwar eine halbe Klasse üppiger gewachsen, jedoch nicht im Preis. Da liegt der günstigste Fiat netto mehr als 2.000 DM unter dem VW, in dieser Region eine halbe Welt. Anders sieht’s beim Diesel aus: Da hocken die beiden Wettbewerber dicht aufeinander.

Randolf Unruh

NACHGEFRAGT

„Hervorragendes Ergebnis“

Fiat-Neuheiten von heute und morgen: Hans-Peter Linder, Transporter-Vertrieb Großkunden in der deutschen Fiat-Zentrale in Frankfurt, bezieht Stellung.

KFZ-Anzeiger: Warum starten Sie mit dem Pick-up Strada in Deutschland; ist das nicht womöglich die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat?
Linder: Es gibt einen kleinen Markt für kompakte Pick-up in Deutschland. Wir haben noch im vergangenen Jahr mehr als 500 Strada in Deutschland verkauft, in diesem Jahr werden es 1.000 Einheiten. Wir bekommen jetzt übrigens für den Strada ein sehr schickes Hardtop, das sein Einsatzgebiet deutlich verbreitert.
KFZ-Anzeiger: Wäre ein moderner neuer Fiorino als Lieferwagen nicht wichtiger gewesen?
Linder: Der kommt auch.
KFZ-Anzeiger: Und wann?
Linder: Wir werden ihn im kommenden Jahr in Deutschland einführen. Nach heutigem Stand der Dinge präsentieren wir den Fiorino-Nachfolger auf der IAA. Der Arbeitstitel lautet zur Zeit Scudino. Das wird ein völlig neues Auto auf einer anderen Plattform als der Strada.
KFZ-Anzeiger: Der Fiat Ducato ist nach den Neuvorstellungen zum Frühjahr inzwischen der älteste Transporter unter den 3,5-Tonnern. Fahren ihm die anderen inzwischen um die Ohren?
Linder: Nein, bestimmt nicht. Wir haben im vergangenen Jahr 27.000 Ducato in Deutschland verkauft, ein hervorragendes Ergebnis. Wir werden bei den Reisemobilen in diesem Jahr voraussichtlich einen neuen Rekord erzielen, dort haben wir in Deutschland einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Bei den Verkaufsfahrzeugen liegen wir bei mehr als 50 Prozent, dort halten wir das Volumen.
KFZ-Anzeiger: Und die Kastenwagen und Kombis?
Linder: Dort werden wir unser Ergebnis von 1999 halten oder leicht steigern.
KFZ-Anzeiger: Der Ducato-Kollege namens Iveco Daily verfügt bereits über eine neue Generation der gemeinsamen Motoren mit Common Rail. Wann geht’s im Ducato los?
Linder: Wir werden damit zur IAA kommen und produzieren die ersten Fahrzeuge im September.
KFZ-Anzeiger: Präsentieren Sie dann auch eine Variante mit rund 140 PS, wie sie für den Daily angekündigt ist?
Linder: Nein, die Leistung wird knapp unter 130 PS liegen und das Drehmoment an die 300 Nm betragen. Leistung steht bei den Änderungen für uns nicht im Vordergrund. Die Ziele heißen niedrigeres Geräuschniveau, weniger Verbrauch und Abgasstandard Euro 3.