Testbericht Hyundai H-1

Transporter zum Discount-Tarif

Enorm viel Auto fürs Geld gibt’s beim koreanischen Hersteller Hyundai, dies gilt auch für den jungen Transporter H-1. Doch ist es auch das richtige Fahrzeug?


Große Hecktüren und eine etwas kurz geratene Schiebetür führen in den Laderaum des langen Asiaten.

 

 


Der Hyundai H-1 ist ein stattlicher
Transporter und macht optisch einiges her.

 

 


Die Instrumentierung des Hyundai ist
sehr schlicht ausgefallen, Drehzahlmesser
und sogar eine Zeituhr fehlen.


Die Bedienung des Hyundai H-1
ist simpel und folgt asiatischem Standard, ein höhenverstellbares Lenkrad gehört dazu.


Diverse elektrische Helfer unterstützen
den Fahrer bei der Arbeit.


Elektrisch verstellbare Außenspiegel
gehören zum hohen Ausstattungs-
standard des H-1.

 

 

 


Die Fahrerkabine offeriert
überraschend viel Platz,
der optische Eindruck des
Innenraums ist jedoch ein wenig trist.

TESTERGEBNIS
Beschleunigung
0 – 50 km/h 6,0 s
0 – 80 km/h 12,9 s
0 – 100 km/h
21,5 s
Elastizität
50 – 80 km/h 4. Gang 7,6 s
50 – 100 km/h 4. Gang 15,1 s
50 – 80 km/h 5. Gang 8,8 s
50 – 100 km/h 5. Gang 17,7 s
Innengeräusche
Stand 57 dB(A)
50/80 km/h 59/65 dB(A)
100/130 km/h 70/73 dB(A)
Kraftstoffverbrauch
Testverbrauch minimal 10,4 l/100 km
Testverbrauch maximal 13,6 l/100 km
Testverbrauch beladen 11,1 l/100 km
Testverbrauch gesamt 11,3 l/100 km

 

Transporter stehen längst an jeder Straßenecke beim Autohändler, beim automobilen Feinkosthandel wie beim Auto-Aldi. Ihre Daseinsberechtigung haben beide, erfüllen Sie doch höchst unterschiedliche Ansprüche.

Beispiel Hyundai: Schlanke 27.490 DM kostet der neue H-1, ein echtes Sonderangebot, das den Geldbeutel schont. Zumal für dieses Geld ein stattlicher Transporter mit Van-artiger Optik, Turbodieselmotor und allerhand Annehmlichkeiten vor der Tür steht. Wer einen vergleichbaren VW Transporter ordert, bezahlt mehr als 40.000 DM, also rund 50 Prozent mehr. Betrachtet der Transporterkäufer allein das eingesetzte Kapital, hat er seine Wahl schnell getroffen. Doch zwischendurch kommt automatisch die Frage hoch: Kann ein VW 50 Prozent besser sein? Oder umgekehrt: Ist der Koreaner womöglich so viel schlechter?

Rein äußerlich steht der Hyundai proper da. Die rundliche Karosserie schaut nicht nur nach einem Van aus, sie stammt von einem, dem Starex, einem Vielsitzer in der Grauzone zwischen Van und Kleinbus. Also fletscht auch der H-1 furchterregend sein Gebiss. Schwarze Höhlen anstelle von Zusatzscheinwerfern links und rechts der Zähne deuten jedoch darauf hin, dass es hier nicht gar so üppig wie beim feinen Van zugeht. Immerhin spendiert Hyundai ein kleines Spoilerchen am linken Scheibenwischer. Ob dies bei einem Transporter mit eher betulicher Gangart nötig ist, sei dahingestellt.

Vom Starex stammen auch die in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger – wer den groben Einsatz von Transportern im Besitz von Handwerkern und anderen Profis mit rustikalem Zuschnitt kennt, wird davon weniger begeistert sein. Amerikanisch mutet das rundliche Hinterteil des H-1 an, freundlicherweise serienmäßig mit Flügeltüren ausgestattet. Abgedunkelte Scheiben und ein tief eingeprägter Halter fürs Nummernschild in der linken Tür machen richtig was her – ein schöner Rücken.

Hyundai hat den Starex nicht einfach durch Weglassen von Ausstattung und Fenstern in einen Transporter verwandelt. Der Radstand des großen H-1 ist auf dem Weg vom Van zum Laster um rund 25 cm gewachsen, ebenso der hintere Überhang. Und um 10 cm in die Höhe gegangen ist der H-1 ebenfalls. So streckt er sich auf etwas mehr als 5 m Länge. 1,98 m Gesamthöhe lassen den Fahrer beim Befahren von Parkhäusern bereits vorsichtig den Kopf einziehen, in der Regel passt’s. Die ebenfalls vorhandene kurze Variante des Transporters bietet Hyundai in Deutschland ebenso wenig an wie einen Benziner oder die Allradausgabe. Passt der H-1 knapp in Garage und Waschanlage, so kneift’s an anderer Stelle. Die seitliche Schiebetür hat der H-1 von seinem kleineren Bruder übernommen. Unten jedoch ist der Türausschnitt eingezogen, oben buchtet sich die Trennwand nach hinten in die Öffnung – auch das Maximum von 800 mm lichter Öffnungsweite ist für einen echten Transporter viel zu wenig. Hinten sieht’s deutlich besser aus. Die Türöffnungsweite beträgt bis zu 1.330 mm und verringert sich oben nicht unter 1.000 mm – da passt ganz schön was durch. Und dank gut 1,2 m Abstand zwischen den Radkästen kann man die Fläche gut ausnutzen. An Höhe jedoch hapert es: Aufgrund des Hinterradantriebs liegt die Ladekante mehr als 60 cm hoch. Deshalb ist die Innenhöhe mit weniger als 1,4 m nicht üppig bemessen.

Da die flotte gerundete Karosserie überdies im Laderaum ebenso Platz kostet wie der längs eingebaute Motor, sind weder Ladelänge noch das Volumen des H-1 großzügig bemessen. Ein deutlich kleinerer VW T4 mit kurzem Radstand fasst kaum weniger, der äußerlich vergleichbare lange T4 erheblich mehr. Raumausnutzung zählt nicht gerade zu den Stärken des Koreaners.

Bessere Haltungsnoten gibt’s fürs Gewicht. Gut 1,8 t brachte der Testwagen leer auf die Waage. Bei einem Gesamtgewicht von 3.050 kg macht dies nahezu exakt 1,2 t Nutzlast - ein attraktiver Wert. Weniger reichlich fällt die Anhängelast aus, 1,5 t gebremst bei 12 Prozent Steigung – da muten andere Hersteller ihren Transportern größere Massen zu. Wichtiger als ein Zentimeter oder Kilo hin oder her ist mitunter die Praxistauglichkeit. Sechs kräftig aussehende Zurrösen dienen als Verankerung, eine Trennwand mit Fenster sowie allerhand Metallbügel vor deren Öffnung und den Fensterausschnitten im Laderaum, eine halbhohe Verkleidung aus Faserplatten als Schutz – so ist’s Recht. Weniger attraktiv wirken ungeschützte Kontakte an den heizbaren Heckscheiben sowie zwei Kabelführungen, die links und rechts an den Flügeltüren baumeln. Doch das sind Kleinigkeiten.

Und wie geht’s dem Fahrer? Der Einstieg könnte komfortabler sein, der Mix aus hohem Boden und vergleichsweise flacher Sitzposition zwingt fast zum Hineinschwingen mit Hilfe des Haltegriffs an der A-Säule. Die niedrige, eher PKW-ähnliche Höhe der Sitzfläche führt andererseits zu großzügigem Kopfraum. Und da auch Langbeiner ihre Haxen gut unterbringen, lässt es sich im H-1 durchaus leben. Weniger großzügig ist die Innenbreite, die Armlehnen schränken die Bewegungsfreiheit deutlich ein. Weil der Schalthebel in klassischer Position direkt ins Getriebe ragt, wird’s bei voller Besetzung der Zweiersitzbank rechts ganz schön eng. Auch hält sich der Sitzkomfort in Grenzen. Der Mittelsitz übernimmt mangels Kopfstütze und wegen der Ausrüstung mit einem altmodischen Zweipunkt-Statikgurt ohnehin nur die Rolle eines Notsitzes. Moderne Transporter haben an dieser Stelle mehr zu bieten.

Sympathisch fasst sich wiederum die Armauflage mit ihrem gepolsterten, lederähnlichen Bezug an; ein Detail, mit dem sich der Hyundai vom üblichen Hartplastikambiente unterscheidet. Der Asiate ist eben nicht nur optisch ein wenig Van geblieben. Dies betrifft sowieso die Komfortausstattung. elektrische Fensterheber, elektrische Spiegelverstellung, Zentralverriegelung (wenn auch nur von der Fahrertür aus), Scheibenwischer mit verstellbarem Intervall – H-1-Fahrer haben’s richtig gut, vor allem in Relation zum Kaufpreis des Hyundai. Zumal sich Kleinigkeiten wie eine von innen zu öffnende Tankklappe und das höhenverstellbare Lenkrad hinzu addieren. ABS wiederum kostet Aufpreis, ein Fahrerairbag ist an Bord.

Ohne Makel kommt selbst diese reichhaltige Ausstattung nicht aus. Es hapert an Ablagen, die auch mal einen Atlas oder Papierkram im Format DIN A4 fassen. Es fehlen so unterschiedliche Dinge wie der Kleiderhaken, die Gurthöhenverstellung und eine Uhr – wo gibt’s denn so was? Die Instrumentierung ist ebenfalls spärlich – der Drehzahlmesser fehlt.

Extras zur individuellen Ausstattung des H-1 liefert Hyundai kaum. Die Aufpreisliste führt allein Metallic-Lackierung, ABS sowie eine lange Liste von preiswerten Radios auf. Das Thema Lack erinnert an den alten Henry Ford, der sein Model T nur in schwarz lieferte: Bei Hyundai gibt es nur die Transporter-Standardfarbe weiß, alternativ dazu gegen Aufpreis Blaumetallic. Mit dem warnenden Hinweis auf vier Monate Lieferzeit empfiehlt die Preisliste außerdem im Kleingedruckten Silbermetallic und eine nicht näher spezifizierte Farbe mit der interessanten Bezeichnung „Solid Poppy XM“ an – das war’s.

Der Hyundai entschädigt mit anderen Dingen. Er empfängt den Fahrer im Dunkeln mit einem beleuchteten Zündschloss. Und die wirkungsvolle Heizung schaufelt bald nach dem Kaltstart Warmluft in die Kabine. Hingegen hapert es an der Entlüftung: Bereits bei einer Zweierbesatzung wird’s schnell miefig an Bord.

Die gute Heizleistung liegt am Motor: Hier handelt es sich um einen alten Bekannten aus den Regalen von Mitsubishi. Statt moderner Direkteinspritzung gibt es hier Wirbelkammern. Elektronische Regelung? Unbekannt. Immerhin handelt es sich um einen Turbodiesel, wenn auch extrem mild mit einem leichten Hauch von 0,25 bar aufgeladen. 59 kW (80 PS) aus 2,5 l Hubraum – das ginge mühelos auch ohne Abgasturbolader. Allerdings käme der Diesel dann bei weitem nicht auf ein maximales Drehmoment von 210 Nm bei niedrigen 1.800/min.

So aber entpuppt sich die Maschine als weitaus kräftiger, als der Fahrer ihr zugetraut hätte. Der Motor zieht ohne spürbares Turboloch aus dem Drehzahlkeller nach oben, gleichmäßig und mit herausragend guten Elastizitätswerten für seine Leistungsklasse. Ergebnis ist eine entspannte und schaltfaule Fahrweise. Dies gilt selbst bei zügiger Fahrt auf der Autobahn: Der kurz übersetzte fünfte Gang führt bei voller Fahrt nicht zu überschäumendem, aber doch überraschend viel Temperament. Ohne dass sich der Hyundai dabei etwa als Schreihals entpuppen würde.

Ohnehin überrascht der angegraute Diesel als laufruhiger und leiser Vertreter seiner Zunft. Zwei gegenläufig rotierende Ausgleichswellen zähmen den Motor erfolgreich. Und an derart niedrige Innengeräusche kommt ein Direkteinspritzer nicht heran. Selbst der Mercedes Vito mit vergleichsweise ruhigem Common-Rail-Diesel hält in diesem Punkt respektvoll Abstand vom schlichten Hyundai – Kompliment für den Koreaner.

Als weit weniger komfortabel als der Motor entpuppt sich das Fahrwerk. Kurze Fahrbahnstöße mag es gar nicht, gibt sie direkt an den Fahrer weiter. Bei Belastung sinkt das Heck stark ein. Und Reifen des raren Formats 195 R 14 C sind nicht gerade ein Garant höchster Kurvengeschwindigkeiten. Die Lenkung wiederum agiert leichtgängig und doch zielgenau und direkt.

Zu den dunklen Seiten des Hyundai zählt der Verbrauch. Der alte Motor legt im großen Transporter völlig unzeitgemäße Trinksitten an den Tag. Unter einen Wert von 10 l/100 km ist er, wenn überhaupt, dann höchstens leer und unter Aufbietung aller Sparkünste zu bringen. Im gut gemischten Testbetrieb aus Kurz- und Langstrecke pendelte der Hyundai zwischen 10,4 und 13,6 l/100 km – deutlich zuviel. Die gut durchwachsene, standardisierte Teststrecke überstand er voll ausgeladen mit 11,1 l/100 km. Kein Ruhmesblatt also, und für Vielfahrer bei den derzeitigen Spritpreisen ein Kostenfaktor, der im direkten Kontrast zum niedrigen Anschaffungspreis steht.

Auf der Soll-Seite der Kostentabelle summiert sich ohnehin einiges. Ölwechselintervalle von 7.500 km oder alle halbe Jahre zum Beispiel sind inzwischen indiskutabel. Das Ventilspiel des H-1 ist alle 15.000 km einzustellen. Nach 45.000 km verlangen Getriebe und Hinterachse nach frischem Öl; der Antriebsriemen für Lichtmaschine und Wasserpumpe ist nach 60.000 km fällig, der Zahnriemen nach 90.000 km. Unter erschwerten Einsatzbedingungen schickt Hyundai den Transporter sogar deutlich früher in die Werkstatt.

Entsprechende Unterhaltskosten sind nicht zeitgemäß, auch wenn die lobenswerte Dreijahres-Vollgarantie (alternativ 100.000 km) die Nerven beruhigt.

Der Anschaffungspreis allein zählt also nicht – schließlich kann der Käufer, so die Weisheit eines englischen Philosophen, nicht nur zuviel, sondern auch zuwenig ausgeben. Nicht zuletzt sind die Qualitäten als Transporter und als Auto gefragt. Hier trägt der Hyundai keine durchgehend weiße Weste. Zwar kann er tatsächlich der Wunschtransporter sein, doch die Anschaffung will trotz des verlockenden Superpreises gründlich überlegt werden. Gut also, wenn Sie verglichen haben.

Randolf Unruh