Fahrbericht Eurotech Cursor 8

Mit Turbokraft


Sparsam und leistungsstark zeigte sich der Eurotech Cursor
MH 260 E 31 Y/PS mit dem neuen 310-PS-Hightech-Herz.

Der Eurotech Cursor MH 260 E 31 Y/PS ging als Dreiachser mit 26 t Gesamtgewicht und 310 PS Leistung an den Start. Das Hightech-Herz Cursor 8 zeigte ein starke Leistung mit Sparwerten.



Der Cursor-8-Motor wirkt im Eurotech ziemlich unscheinbar, doch ein Blick unter den Ventildeckel offenbart Hightech pur.

 



Die gut ausgestattete Kabine des Eurotech bietet einen tadellosen Arbeitsplatz für den Fahrer. Auf der Autobahn lässt sich die Motorbremse in idealer Weise mit der Bremsomatfunktion automatisch regeln.

 



Dank günstiger Stufeneinteilung mit niedrigem Antritt ist der dreistufige Aufstieg für den Verteilerverkehr noch akzeptabel.

 



Etwas klein geraten ist die Stehfläche beim Scheibenreinigen, doch die neue Haltestange an der Sonnenblende erhöht die Sicherheit.

 

 

TESTERGEBNIS
Autobahn
gefahrene Kilometer 133,4 km
Durchschnittsverbrauch 25,4 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit 81,8 km/h
davon einfache Strecke A 61
gefahrene Kilometer 81,6 km
Durchschnittsverbrauch 19,0 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit 83,6 km/h
Landstraße
gefahrene Kilometer 71,4 km
Durchschnittsverbrauch 26,7 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit 57,9 km/h
Testverbrauch gesamt
gefahrene Kilometer 204,8 km
Durchschnittsverbrauch 25,8 l/100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit 71,5 km/h
Wetter sonnig/bewölkt; leicht windig; +15 bis +22° C

 

 

 

Der Turbolader mit variabler Geometrie (VGT) in den neuen Cursor-Motoren von Iveco ist zur Zeit das Hightech-Thema. Und nicht nur das: Vierventil-Technik (je zwei Ein- und Auslassventile pro Zylinder) und EDC-gesteuerte Direkteinspritzung mit 1.500 bar über Pumpe-Düse-Element pro Zylinder zeichnen den ladeluftgekühlten 6-Zylinder-Reihen-Viertakt-Dieselmotor weiter aus. Iveco hat das Leistungsspektrum der Motorenbaureihe Cursor 8 mit einem Hubraum von nur 7,8 l in vier Stufen von 245 PS bis 352 PS in maximale Drehmomentwerte von 950 Nm bis 1.280 Nm gegliedert. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das Hightech-Herz Cursor 8, das im Testfahrzeug Eurotech Cursor MH 260 E 31 schlug. Der Cursor-Motor im Testfahrzeug leistet 310 PS zwischen 1.950 und 2.400/min. Das maximale Drehmoment von 1.115 Nm steht über ein breites Drehzahlband zwischen 1.000 und 1.950/min zur Verfügung.

So ist der Eurotech MH 260 E 31 nicht mit der möglichen Spitzenmotorisierung von 352 PS, sondern mit 310 PS angetreten. Eine völlig ausreichende Power, zumal der Dreiachser als Solofahrzeug und auf das zulässige Gesamtgewicht von 26 t ausgelastet an den Start ging. So ergab sich ein angenehmes Leistungsverhältnis von 11,9 PS/t bei einem Drehmoment-Niveau von rund 42,9 Nm/t.

Entsprechend war auch die Fahrzeugspezifizierung als Getränke-Verteilerfahrzeug im Solo-Einsatz. Die Bestückung des Antriebsstrangs mit dem Getriebe ZF 16 S 109 berücksichtigte jedoch in der Auslegung auch einen Anhängerbetrieb mit einem Zuggesamtgewicht von 32 t. Im alltäglichen Einsatz sollte das Leistungsverhältnis von 10 PS/t beim Cursor-8-Motor nicht wesentlich unterschritten werden, dann würden sich die Transportleistung und Fahrbarkeit deutlich verschlechtern.

Zu beachten ist auch, dass die Cursor-Motoren von Iveco nach einem erhöhten Drehzahlniveau verlangen. Hier heisst es, sich weniger auf das maximale Drehmoment in den unteren Drehzahlbereichen, sondern mehr auf die Leistung und Zugkraft des Motors in den mittleren bis oberen Drehzahlbereichen konzentrieren, wenn vom Motor Leistung verlangt wird. Am Anfang ist es deshalb etwas ungewohnt, den Motor in Steigungen auf der Autobahn nicht bis in den unteren Drehzahlbereich ziehen zu lassen. Hier ist es günstig, schon frühzeitig bei 1.500 /min zu schalten und dann, je nach Schwierigkeit der Steigung, beim Schalten eines halben Ganges mit 1.800 /min oder eines ganzen Ganges mit Drehzahlen um 2.100/min weiter nach oben zu steigen.

Das Fahren im oberen Drehzahlbereich stellt sich ziemlich schnell ein. Der Cursor-Motor quittiert das mit turbinenartig ruhigem Lauf. Dabei war die Zähigkeit, die der Motor auf Steigungen an den Tag legte, für einen Hubraum von 7,8 l schon recht beachtlich. Der Cursor 8 sank nur langsam in den Drehzahlen ab, was eine bequeme und gelassene Gangwahl zuließ. Der Fahrer kann auf ziemlich einfache Weise über den Drehzahlmesser abschätzen, wie und wann er schalten muss. Er braucht den Zeiger nur in den entsprechend gekennzeichneten Feldern halten: der Sparbereich erstreckt sich von 1.200 bis rund 2.100/min und ist hellgrün gekennzeichnet. Dazu kommt mit dunkelgrüner Kennung der Supersparbereich, der etwa zwischen 1.300 und 1.900/min liegt.

Ebenso erstaunlich wie die Zähigkeit am Berg ist für die relativ hubraumkleine Maschine die starke Motorbremsleistung, auch wenn der Fahrer sie beim Einsatz kaum hört. Allerdings muss hier der Motor auf Drehzahlen getrieben werden: die maximale Leistung von immerhin 340 PS kann kurzzeitig in einem Drehzahlbereich zwischen 2.800 und maximal 3.000/min genutzt werden. Der wirkungsvolle Dauerbremseinsatz liegt bei Drehzahlen zwischen 2.400 und 2.800 /min.

Iveco hat sich beim Thema Motorbremse mit der ITB (Iveco Turbo-Brake), die ohne Auspuff-Stauklappe funktioniert, etwas Besonderes einfallen lassen: zunächst kommt eine Dekompressions-Motorbremse über eine spezielle Steuerung der Auslassventile zum Einsatz. Und dazu füllt jetzt der Turbolader mit variabler Geometrie den Zylinder mit Ladeluft. Der Fahrer verfügt gleich über vier unterschiedliche Möglichkeiten, die Motorbremse in Betrieb zu nehmen: • über Boden-Fußschalter links neben dem Kupplungspedal; • Bremspedal-Koppelung mit vorgeschalteter Betätigung; • Fahrpedal-Koppelung mit automatischer Motorbremsschaltung bei unbetätigtem Fahrpedal; • und Integration in die Tempomat/Bremsomatfunktion mit Betätigung am Lenkstockhebel.

Bei der integrierten Bremsomat-Funktion wird die Motorbremsleistung zur Maximalleistung sogar stufenlos geregelt. Hier setzt zunächst die Dekompressions-Motorbremse ein, die 50 Prozent der Gesamtleistung bringt. Bei Bedarf wird jetzt in der zweiten Stufe mit dem VGT auf 100 Prozent hochgeregelt. Falls vorhanden kommt bei erhöhtem Leistungsbedarf noch ein hydrostatischer Retarder hinzu. Andernfalls muss der Fahrer jetzt zu Intervallbremsungen übergehen oder einen entsprechenden Gang herunterschalten.

Die Bremsomatfunktion ist einfach ideal auf der Autobahn. Nachteilig ist nur, dass nach jedem Schaltvorgang die Bremsomatfunktion neu gesetzt werden muss. Bei den zur Verfügung stehenden Regelstrategien dürfte es kein Problem sein, die gewünschte Bremsomatfunktion auch nach dem Schalten wieder einzusetzen.

Nun braucht der Fahrer den Cursor-Motor nicht in jeder Situation hochjubelnd betreiben. Die hohe Motorelastizität des kleinen Cursor-8-Motors ist für seine Hubraumklasse schon sehr bemerkenswert. Der Motor im Eurotech Cursor MH 260 E 31 6x2 besaß schon ab 800/min einen spürbaren Anzug in den unteren Gängen, und ab 1.000/min legte er schon kräftigen los. So ließen sich die 26 t Gesamtgewicht des Testfahrzeugs flott und mit wenigen Schaltvorgängen auf Tour bringen.

Bei halbwegs ebener Topographie reichten im Teillastbetrieb Drehzahlen zwischen etwa 1.200 und 1.300/min aus, um die Geschwindigkeit zu halten – zum Beispiel auf der Landstraße bei 60 km/h in der höchsten Gangstufe. Trotzdem stand noch einiges an Power zur Verfügung, um einfache Anstiege zu nehmen. Auch Ortschaften ließen sich mit 50 km/h und etwa 1.000/min durchfahren und am Ortsausgang konnte mit merklichem Anzug beschleunigt werden. Auch für diese angenehme Motorcharakteristik des Cursor 8 zeichnet die Hightech-Komponente VGT, der Turbolader mit variabler Geometrie, verantwortlich. Bei herkömmlichen Turboladern mit Wastegate-Technik wird der Ladedruck höher ausgelegt und der Überschuss ab einen gewissen Wert abgeregelt. Der VGT baut dagegen einen elektronisch geregelten Ladedruck auf und arbeitet verlustfrei. So benötigt der VGT gerade 0,5 Sekunden bis der Motor bei Vollast rund 75 Prozent des maximalen Drehmomentwertes abgibt – die konventionelle Aufladetechnik braucht dazu lange 2,0 Sekunden.

Der Zeitvorsprung und die verlustfreie Aufladung spiegelt die Überlegenheit der VGT-Technik wider. Das bedeutet in der Fahrpraxis eine enorme Motorelastizität mit hohen Drehmomentwerten für einen starken Antritt im unteren Drehzahlbereich und eine hohe Leistung für ein sehr gutes Beschleunigungsvermögen im oberen Drehzahlbereich.

Insgesamt besitzt der Cursor-Motor für die 8-l-Klasse eine erstaunliche Charakteristik mit ausgezeichnetem Ansprechverhalten und hoher Elastizität. Iveco ist obendrein mit dem ZF-Getriebe 16 S 109 (Spreizung von 13,31:1 bis 1:1) eine auf diese Motorcharakteristik sehr gute Antriebsstrangabstimmung gelungen. Dazu kam noch in Verbindung mit der Hinterachsübersetzung 4,1:1 und den Reifendimensionen 315/80 R 22,5 eine passen Auslegung auf eine Motordrehzahl von 1.666/min bei Autobahntempo 80 km/h.

Daraus ergab sich nicht nur eine hervorragende Fahrbarkeit des Eurotech Cursor, sondern es wurden auch günstige Verbrauchswerte erzielt. Das Gesamtergebnis (Einzelergebnisse siehe Kasten) mit einem Durchschnittsverbrauch von 25,8 l/100 km und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 71,5 km/h kann sich aus wirtschaftlicher Sicht für den schwierigen Verteilertest sehen lassen.

Bei all der Wundertechnik des Cursor-8-Motors wird fast vergessen, dass Iveco den Eurotech-Cursor-8-Modellen auch noch wesentliche Fahrwerks- und Fahrgestelländerungen für höhere Nutzlasten, größere Sicherheit, mehr Komfort sowie eine verbesserte Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit in die Wiege gelegt hat.

So war das Testfahrzeug Eurotech Cursor 260 E 31 Y/PS 6x2 mit der zwangsgelenkten einfachbereiften Nachlaufachse der neuen Generation ausgestattet. Gegenüber der 1992 eingeführten Vorgängergeneration wurde das hydraulische Liftsystem durch eine neue, einfachere und zuverlässigere pneumatische Vorrichtung ersetzt. Dazu kommt die neue, einfach untersetzte Meritor-Antriebs-Hinterachse. Gegenüber den Vorgängermodellen spart sie trotz einer technischen Achslast von 13 t zwischen 70 und 80 kg an Gewicht ein. An der Vorderachse kommen die neuen Scheibenbremsen SB 7000 von Knorr zum Einsatz. Trotz größerer Bremsflächen und erhöhte Fading-Sicherheit konnten hier weitere 22 kg Gewicht eingespart werden. Und das Aggregat Cursor 8 bringt im Vergleich zum bisherigen 9,5-l-Motor 8460 rund 167 kg weniger auf die Waage.


Als Getränke-Verteilerfahrzeug zeigte sich der Eurotech-Cursor
mit Keppler-Aufbau und Bär-Ladebordwand gut gerüstet.

Schon allein diese Maßnahmen brachten im Vergleich zum Eurotech-Vorgängermodell einen Nutzlastgewinn von rund 269 kg. Eine weitere Gewichtsverminderung bei gleichzeitiger Erhöhung des Fahrkomforts brachten an der Vorderachse (jetzt 7,5 t zulässige Achslast) die neuen Doppelblatt-Parabelfedern, neue Stoßdämpfer und ein neuer Stabilisator. Auch die Federung des Fahrerhauses wurde überarbeitet. Iveco hat dem Eurotech-Fahrer auch neue Stoffe für die Sitzbezüge und Türverkleidungen spendiert. So wirkte das Interieur zwar etwas freundlicher, doch nach meinem Geschmack herrscht hier immer noch eine unterkühlte Atmosphäre vor, die sich aus dem überwiegend glattflächigen Plastik-Material des Innenausschlags ergibt.

Doch insgesamt zeigten die Maßnahmen von Iveco beim Test eine positive Wirkung: Der Eurotech Cursor 260 E 31 nahm Fahrbahnunebenheiten überaus komfortabel bei guter Fahrstabilität und nur geringen Wankneigungen. Überdurchschnittlich auch das Lenkverhalten mit gut betonter Mittelstellung, ausreichenden Rückstellkräften und treuem Geradeauslauf.

Dazu präsentierte sich der Eurotech Cursor 260 E31 Y/PS 6x2 in Verbindung mit der zwangsgelenkten 3. Achse als ein agiler und gut motorisierter Verteiler-Typ mit einem relativ geringen Wendkreisdurchmesser von 17,60 m. Bemerkenswert auch das einfache Handling beim Rangieren und wenn es eng wurde: Der Fahrer kann hier eine leichtgängige Lenkung nutzen und die Vorteile der zwangsgelenkten Nachlaufachse ausspielen. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt sind die überdurchschnittliche Rundsicht auf das Verkehrsgeschehen und die guten Sichtmöglichkeiten in den ausreichend dimensionierten Außenspiegeln.

Der Brutto-Listenpreis für den runderneuerten Eurotech Cursor MH 260 E 31 Y/PS mit erfreulich umfangreicher Ausstattung beträgt 203.410 DM. Beim Testfahrzeug kommt noch ein Sonderausstattungs-Anteil von 8.050 DM für Details wie beheizbarer und luftgefederter Fahrersitz, Differenzial-Sperre und Sonnenblende außen hinzu. Der Brutto-Gesamtpreis von 211.460 DM versteht sich ohne Keppler-Aufbau und Ladebordwand.

Das komplette Fahrzeugs bringt mit Keppler-Getränke-Koffer Typ 7418 und Ladebordwand Bär Cargolift Typ RC 2000S-C-/2409 sowie vollem 285-l-Tank jedoch ohne Fahrer und Beifahrer rund 10.400 kg auf die Waage. Daraus ergibt sich mit einer möglichen Zuladung von 15,6 t ein überdurchschnittlich hohes Nutzlastverhältnis.

Darüber hinaus bieten der relativ geringe Verbrauch des Cursor-8-Aggregats, die hohe Motorbremsleistung und der auf 80.000 km verlängerte Ölwechselintervall sowie ein schneller Elektronik-Check bei Wartung und Fehlerdiagnose günstige Vorraussetzungen für niedrige Betriebskosten.

So gesehen hat Iveco mit dem Testfahrzeug Eurotech Cursor MH 260 E 31 Y/PS 6x2 ein wirtschaftlich überaus ansprechendes Verteilerkonzept auf die Beine gestellt, das sowohl hohe Nutzlasten als auch gute Transportleistungen bei niedrigen Betriebskosten ermöglicht.

Adelbert Schwarz