Testbericht Iveco Daily 35 13 V
Die Türen des Laderaums reichen rundum bis hinauf unter das Hochdach des mittelhohen Daily.
Mehrdimensional  
Den frischen Iveco Daily gibt es gleich in drei Baureihen. Mittendrin die S-Baureihe, ein Spezialist für eilige Angelegenheiten unter den 3,5-Tonnern.
Intensive Beschäftigung mit dem Iveco Daily gleicht ein wenig der Archäologie: Wer hier zu graben beginnt, legt Schicht für Schicht frei. Und stößt mit etwas Glück auf eine Reihe von Überraschungen. So ist die Palette des Transporters mehrdimensional angelegt: Unterschiedliche Radstände, Überhänge, Aufbau- und Motorvarianten führen in der Regel zum angepeilten Wunsch-Transporter.
Doch speziell der Daily packt eine weitere Dimension drauf: Er teilt sich in gleich drei Baureihen: L, S und C.
Der Buchstabe L steht für „Light“ und umfasst die leichten Varianten bis 3,2 t Gesamtgewicht.
C ist das Vitamin für die Profis, bedeutet „Commercial“ und beschreibt komplett ausgestattete und besonders robuste Transporter von 3,5 bis zurzeit 5,2 t, bald auch mehr.
Zwischendrin findet sich der Buchstabe S, der nichts mit soft, smart oder spektakulär zu tun hat, sondern „Special“ bedeutet. Darunter versteht die Iveco eine Modellreihe in der Modellreihe, gedacht für Paket- und Kurierdienste, auch für Transporteure größerer Volumina, auf jeden Fall für 3,5-Tonner. Und gedacht für Leute, die die Mark bei der Anschaffung zweimal umdrehen müssen. Der Daily S verbindet L und C, und ist doch etwas Eigenes. Im Vergleich zum C, den es ebenfalls mit 3,5 t Gesamtgewicht und identischer Motorisierung gibt, hat der S zum Beispiel gut 100 kg Nutzlast mehr. Hinter diesem klaren Vorteil verbirgt sich zum Beispiel ein leichterer und gekröpfter Rahmen anstelle des Rahmens mit kerzengerade durchlaufenden Längsträgern wie beim C.
An der Vorderachse gibt es eine Querblattfeder aus Verbundwerkstoff statt längs liegender Drehstabfedern. Und die Hinterachse verfügt über Einzelbereifung und Parabelfedern als Alternative zu Zwillingsbereifung und Trapezfedern in der C-Klasse. Die zulässigen Achslasten liegen beim C deutlich höher (ohne dass der S, mit Ausnahme der Vorderachse, schmalbrüstig erscheint). Dann wirkt die Handbremse direkt auf die Scheibenbremse der Hinterachse statt auf zusätzliche Trommeln; die Bremsscheiben fallen im Durchmesser ein wenig kleiner aus. Aufgrund des stabileren Unterbaus darf die C-Reihe Anhänger mit 3 statt 2 t Gewicht ziehen, wichtig besonders für die Baubranche und manche Handwerksbetriebe. Nicht nur die Technik, auch die Ausstattung fällt beim S spärlicher aus.
Der Einzelsitz für den Beifahrer (C: Doppelsitz) spielt keine nennenswerte Rolle, auch der Entfall der Innenverkleidung des Laderaums ist zu verschmerzen. Als grobes Foul jedoch muss gelten, dass die Iveco zugunsten eines attraktiven Grundpreises Fahrerairbag und Antiblockiersystem aus der Serienausstattung des Daily S gefiltert hat. Ergebnis: Handwerker und Gemüsehändler tuckern im schweren Daily C mit allen Sicherheitsextras durch die Stadt (es sei ihnen gegönnt). Gleichzeitig preschen ausgerechnet die Bleifußartisten der Expressdienste womöglich mit Tempo 150 ohne wesentliche Sicherheitsmerkmale über die Autobahn.
Da nutzt auch der Hinweis der Iveco wenig, es gebe schließlich alles auf Wunsch zu kaufen. Andere Hersteller geben sich da weit weniger knausrig. Zumal sich unter dem Strich auch der Preisunterschied in recht geringen Grenzen hält. Ein 35 S 13 V Kastenwagen mit Hochdach, mittelgroßem Radstand und 125 PS kostet netto 47.050 DM. Der Daily C in identischer Ausführung kommt auf exakt 3.630 DM mehr, davon machen allein ABS und Fahrerairbag 2.250 DM aus.
Wer S und C identisch ausstattet, kommt auf einen identischen Preis – was eher den C als den S zum Sonderangebot stilisiert. Zum Glück hat die Iveco an anderer Stelle nicht den Rotstift angesetzt. Zum Beispiel bei der kraftvollen Elektrik mit 90 A-Generator und einer Batterie mit 110 Ah Kapazität. Oder der gepolsterten und isolierten Trennwand zwischen Fahrerhaus und Laderaum. Ohnehin sind auch bei der S-Baureihe alle Bleche der Karosserie verzinkt – Garant für ein langes Leben.
Daily ist also an vielen Stellen gleich Daily – also ein junger und sehr attraktiver Transporter.

Das Fahrerhaus bietet genügend Raum, der aufpreispflichtige Mittelsitz mutet bei Kurierfahrzeugen ungewohnt an.


Designer haben zugeschlagen:
eigenwillig gewölbtes Armaturenbrett mit formschönen Instrumenten und Bedienungselementen.


Das Holzimitat kostet Aufpreis.


Aufgrund von Hinterradantrieb und Rahmenbauweise hilft eine Trittstufe beim Be- und Entladen.



Große Außenspiegel, doch nur ein starrer Weitwinkeleinsatz, mit dem sich mal gerade die Hinterräder beobachten lassen.
Das gilt für die zeitlos glatte Form wie für die Technik. Kunststoffplanken schützen den Italiener rundum vor häßlichen Schrammen und Schrunden bei leichten Berührungen mit Hindernissen. Eine Stufe über dem vorderen Nummernschild hilft beim Eiskratzen und Reinigen der Scheibe. Die seitliche Schiebetür (auf Wunsch zwei) reicht bis hinauf ins Hochdach. Große Spiegel geben gute Sicht nach hinten, auch wenn die starren Weitwinkeleinsätze großen Fahrern nur die Hinterräder zeigen. Je nach Radstand und Dach stellt der Daily enorme Laderäume bereit, die ein Ablagefach über dem Fahrerhaus noch erweitert. Und dass der Einstieg ins Fahrerhaus und den Stauraum vergleichsweise hoch ausfällt, liegt schlicht am Hinterradantrieb und der Rahmenbauweise. Trotz des Rahmens unter dem Aufbau kann der Daily mit seiner Nutzlast durchaus mithalten. Wer die Türen zuschlägt, der bemerkt warum: Das Blech ist offensichtlich recht dünn und wabbelt. Wenn es trotzdem stabil ist, kein Problem. Auf Anhieb muten die auffällig kurzen Radstände des Daily merkwürdig an. 3.300 mm sind bei 6 m Gesamtlänge des Testwagens nicht eben viel. Doch die Iveco beugt mit den langen hinteren Überhängen überladenen Vorderachsen vor, hält sich die zulässige Achslast vorn mit 1.650 kg doch in Grenzen. Das Fahrerhaus ist gerade bei Kurier- und Expressdiensten mehr Lebensraum als woanders und deshalb von besonderer Wichtigkeit. Schließlich reisst so mancher Transporterfahrer dieser Branche im Jahr eine sechsstellige Kilometerzahl ab. Das Platzangebot ist durchaus in Ordnung; wer nicht gerade in Liegesitzhaltung fährt, kommt mit dem Längsverstellbereich des Fahrersitzes zurecht. Der Fahrersitz hat mit zweifacher Höhenverstellung und seiner Polsterung ein ordentliches Niveau. Allerdings fehlt es im unteren Bereich des Rückens an Unterstützung. Ein Beifahrer-Doppelsitz, wie im Testwagen eingebaut, ist wiederum für Expressfahrer eher hinderlich. Ein dritter Mann ist ohnehin nicht an Bord, der Sitz kostet Stauraum, an dem es im Daily fehlt – wohin mit einer größeren Tasche oder anderen raumgreifenden Utensilien? Der Platz unter dem Beifahrersitz ist durch Unterlegkeil, Wagenheber und Bordwerkzeug belegt. Wer einen Beifahrerairbag ordert, findet nicht einmal ein Handschuhfach. Gut also, dass die großen Türfächer selbst einen dicken Atlas schlucken und kleine Fächer sowie ein Netz den täglichen Kleinkram aufnehmen. Für Wohlfühlatmosphäre an Bord sollte beim Testwagen ein Dekor aus Holzimitation am Armaturenbrett sorgen (wahlweise auch in Carbon- oder Aluminiumoptik). Nun, so etwas ist Geschmackssache, und kann beim Daily den Eindruck billiger und wenig griffsympathischer Plastikverkleidungen für Türen und Armaturenbrett nicht wettmachen. Da wirkt der Transporter arg lieblos. Was um so mehr verwundert, als sich die Designer des Armaturenbretts besondere Mühe gegeben haben. Die Instrumente mit schwarzer Schrift auf weißem Grund tragen Chronometer-Optik und sitzen in sportlich-tiefen Höhlen. In der Mitte des etwas unorganisch gewölbten Instrumententrägers finden sich schick aussehende und gut zu bedienende Lüftdüsen und Regler für die Klimatisierung. Die runden Tasten für die Nebenfunktionen sehen gut aus und lassen sich ebenso bedienen; ein Münzfach nimmt das Geld für die Parkuhr auf. Nicht zuletzt gucken den Fahrer aus einer Leiste oberhalb der Armaturen und zwei runden Höhlen neben den Instrumenten beim Einschalten der Zündung nicht weniger als 32 Kontrollleuchten an. Die Ausführung der Instrumente jedoch kann nicht recht zufriedenstellen. Beim Einschalten des Fahrlichts sind die hellgrün hinterleuchteten Ziffern der Instrumente kaum noch abzulesen. Der dicke Pralltopf des Airbag-Lenkrads verdeckt bei kleinen Fahrern das Mäusekino für Kilometerzähler und andere Anzeigen unterhalb von Tacho und Drehzahlmesser; bei Sonneneinstrahlung können auch andere Daily-Lenker die Digitalanzeigen kaum mehr erkennen. Hier stand offensichtlich Form über Funktion. Schade drum, denn auf den ersten Blick wirkt das Armaturenbrett des Daily ausgesprochen attraktiv. Die positiven Seiten sollen dabei nicht in Vergessenheit geraten: Alle Schalter und Tasten sitzen perfekt in Reichweite. Und beim Druck auf den Blinkerhebel ertönt ein fesches Zweiklanghorn, wie es sich für ein italienisches Auto gehört.

Zu einem temperamentvollen Italiener gehört auch eine bella macchina, eine schöne Maschine. Unter der rundlichen Haube verbirgt sich unter allerhand Geschläuch die zurzeit aktuellste und stärkste Variante des Sofim-Dieselmotors mit 2,8 l Hubraum. Er hat inzwischen eine lange Karriere hinter sich, verfügt aber andererseits immer noch über Entwicklungspotential, wie eine künftige Variante mit gut 140 PS zeigt. Die Maschine im Testwagen ist mit 92 kW (125 PS) auch nicht von schlechten Eltern, zumal auch das Potenzial von 290 Nm Drehmoment bei 1.800/min überzeugt. Mit Common-Rail-Technik und elektronischer Regelung ist der Diesel durchaus auf aktuellem Stand. Mit seiner Leistungs-Charakteristik zählt die Maschine zu den Temperamentsbündeln unter den kleinen Dieselmotoren: Unterhalb des maximalen Drehmoments bricht der Motor regelrecht ein und beweist wenig Stehvermögen. Ab 1.800 Touren jedoch zieht er vehement los und kennt so schnell kein Halten mehr. Das Triebwerk ist bei all dem akustisch recht präsent, ohne jedoch ungebührlich zu lärmen. Ebenfalls positiv: Dröhnfrequenzen kennt der Motor nicht, überraschend laufruhig und vibrationsfrei zieht er durch den ganzen Drehzahlbereich, der mit einer Nenndrehzahl von 3.600 Umdrehungen und der erwähnten Schwäche bei niedrigen Touren allerdings nicht sehr üppig ausfällt.

Messwerte
Innengeräusche 69/76 dB(A)
130 km/h/Vmax   
Kraftstoffverbrauch   
Teststrecke beladen 11,7 l/100 km
Höchstgeschwindigkeit 152 km/h

TECHNISCHE DATEN: IVECO DAILY 35 13 V
Maße und Gewichte
Gesamtlänge 5.997 mm
Gesamtbreite 1.996 mm
Gesamthöhe 2.640 mm
Radstand 3.300 mm
Wendekreisdurchmesser 12.400 mm
Länge Laderaum 3.520 mm
Breite Laderaum 1.800 mm
Höhe Laderaum 1.900 mm
Höhe/Breite Schiebetür 1.780/1.250 mm
Höhe/Breite Hecktür 1.780/1.540 mm
Laderaum über Fahrbahn 695 mm
Spurweite vorn/hinten 1.724/1.690 mm
Leergewicht Testwagen 2.320 kg
Nutzlast Testwagen 1.180 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 3.500 kg
Zul. Achslast vorn/hinten 1.650/2.240 kg
Anhängelast 12 % Steigung 2.000 kg
Zul. Zuggesamtgewicht 5.500 kg

Antriebsstrang
Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung, vorn längs eingebaut. Direkteinspritzung mit Common-Rail-Technik. Elektronisch Steuerung der Einspritzung. Obenliegende Nockenwelle mit Zahnriemenantrieb, zwei Ventile pro Zylinder. Bohrung/Hub 94,4/100 mm, Hubraum 2.798 cm3, Leistung 92 kW (125 PS) bei 3.600/min, maximales Drehmoment 290 Nm bei 1.800/min. Antrieb: Sechsgang-Schaltgetriebe mit Mittelschaltung, Übersetzungen 6,77 - 1,0:1, Achsübersetzung 3,15:1, Antrieb auf Hinterräder. Schlupfreduzierung mit automatischem Bremsdifferenzial (Aufpreis).
Fahrwerk
Federung: Vorn Einzelradaufhängung mit trapezförmigen doppelten Dreieckslenkern, Querblattfeder aus Verbundwerkstoff, Teleskop-Stoßdämpfer, Stabilisator. hinten Starrachse mit Parabelfedern, Teleskop-Stoßdämpfer, Stabilisator.
Bremsen: Vorn und hinten Scheibenbremsen, elektronisch geregelter lastabhängiger Bremskraftregler (Aufpreis), ABS (Aufpreis). Mechanisch auf die hinteren Bremsscheiben wirkende Feststellbremse.
Reifen/Räder: Reifen 225/70 R 15 C auf Rädern 6 JK x 15.
Lenkung: Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung.
Füllmengen
Motoröl mit Filter: 7,0 l. Tankinhalt: 70 l.
Elektrik
Batterie: 12 V/110 Ah. Lichtmaschine: 90 A (1.260 W).
Wartung/Garantie

Wartung: Ölwechsel alle 30.000 km, Inspektion alle 60.000 km. Garantie: Ein Jahr ohne Kilometerbegrenzung. Zwei Jahre auf den Antriebsstrang.
Ausstattung und Preise
Grundpreis Iveco Daily 35 S 13 V: 47.050 DM Serienausstattung: Drehzahlmesser, Fahrersitz höhenverstellbar, Handschuhfach mit Deckel, Heckflügeltüren, Innenbeleuchtung mit separater Leselampe, Laderaum mit Zurrösen, Laderaum-Seitenverkleidung halbhoch, Seitenschutzleisten, Trenngitter hinter Fahrer, Türablage Fahrer und Beifahrer, Wärmeschutzverglasung Fahrerhaus, Zeituhr. Sonderausstattungen: ABS 1.600 DM, Außenspiegel elektrisch und beheizt 340 DM, Beifahrer-Doppelsitz 410 DM, Radiovorbereitung 270 DM, Fahrerairbag 650 DM, Beifahrerairbag 650 DM, Fahrtenschreiber 890 DM, Fensterheber elektrisch 560 DM, Heckflügeltüren 270 Grad 690 DM, Hecktüren verglast 240 DM, Klimaanlage 2.200 DM, Laderaum mit Holzboden 800 DM, Laderaum-Schiebetür links 790 DM, Trenngitter hinter Fahrer und Beifahrer 110 DM, Trennwand mit Fenster 340 DM, Zentralverriegelung 710 DM. Weder vorhanden noch als Sonderausstattung möglich: Automatikgetriebe, Federn verstärkt, Lenkrad in Höhe und Neigung verstellbar, Sitzbezüge aus Kunstleder, Trennwand geschlossen, Vollverglasung Aufbau.


Gut versteckt: Der temperamentvolle Turbodiesel mit Common-Rail-Technik. Im Verbrauch schneidet er allenfalls durchschnittlich ab.




Die verwendeten Kunststoffe wirken billig. Das Türfach ist groß und schluckt selbst voluminöse Getränkeflaschen.

Dieser Motor will also bei Laune gehalten werden, und zu diesem Verhalten passt bestens das mechanische Sechsganggetriebe. Eng gestuft und mit einem gleichzeitig weit gespreizten Übersetzungsbereich vom kurzen ersten Gang für den Anhängerbetrieb bis zum sechsten Gang für Dampf auf der Autobahn steht stets genug Dampf zur Verfügung; der 3,5-Tonner scheut vor keiner Steigung und vor keiner Langstrecke. Schaltung und Getriebe geben jedoch Anlass zu Verbesserungen. Der Gangwechsel erfolgt zwar leichtgängig über eine Mittelschaltung mit einem platzsparenden kurzen Hebelchen auf einer Konsole rechts vom Fahrer über Seilzüge. Doch es gibt präzisere Schaltungen. Und das ZF-Getriebe kennt bei niedriger Drehzahl und Vollgas ein leicht asthmatisch klingendes Rasseln, ein sogenanntes Zugrasseln. Da rächt sich, dass die Iveco auf ein Zweimassenschwungrad verzichtet hat, wie es andere Hersteller dieses Genres verwenden. Ebenfalls fiel die im Vergleich recht schwergängige Kupplung auf.

Trotz moderner Technik konnte der Verbrauch des Motors nicht ganz zufriedenstellen. Die anspruchsvolle standardisierte Teststrecke führte den voll ausgeladenen Daily über Berg und Tal, durch Stadt und Land sowie über die Autobahn. Im Schnitt konsumierte der Transporter auf diesem deftigen Parcours exakt 11,7 l/100 km, obwohl er auf der Kurzstrecke verbrauchsbetont bewegt wurde. Einschränkend sei erwähnt, dass der Testwagen noch mit Winterbesohlung unterwegs war. Andererseits unterstreicht der Verbrauch die These, dass manche Motoren der ersten Generation von Common Rail zwar gute Verbräuche erreichen können, aber nicht für Wunderdinge taugen. Trotzdem überzeugt die Wirtschaftlichkeit, dafür stehen extrem lange Ölwechselintervalle von 30.000 km und der günstige Preis.

Bei fix bewegten und gut motorisierten Kurierfahrzeugen spielt auch das Fahrverhalten eine große Rolle. Nun, kurze Fahrbahnstöße gibt der Daily deutlich an Fahrer und Beifahrer weiter, auch kennt man noch von der Vorgängergeneration das typische Wippen des Vorderwagens beim Anfahren mit beladenem Fahrzeug. Im Schnitt benimmt er sich jedoch recht kommod. Ebenfalls typisch für den Daily ist das leichte Ausschwenken des Hecks bei sehr zügiger Kurvenfahrt – hier macht sich der lange hintere Überhang speziell beim beladenen Fahrzeug bemerkbar.

Fazit zum Daily mit der komplizierten Bezeichnung 35 S 13 V: Er ist, obwohl rund gestaltet, ein Transporter mit Ecken und Kanten. Mit Charakter sozusagen. Und ist es nicht genau das, was an vielen Autos heute vermisst wird?

Randolf Unruh