MAN: Neue Motoren

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Ausgezeichneter Wurf: erste
Probefahrten mit den
neuen MAN-Motoren

Neue Power-Triebwerke
Den neuen 6-Zylinder-Reihen-Dieselmotoren hat MAN einen besonders langen Atem in die Wiege gelegt. Die „4“ am Ende der Typbezeichnung (zum Beispiel 18.284) kennzeichnet die neuen MAN-Herzen. Und die zeigten jetzt bei der Fahrvorstellung einen erstaunlich kräftigen Herzschlag.
Völlig neu entwickelt wurde der 6-Zylinder-Reihendiesel D0836 mit einem Hubraum von 6,9 l, elektronisch geregelter Direkteinspritzung, Ab gas turbolader und Ladeluftkühlung. Der Motor leistet 280 PS bei 2.400/min. Sein maximales Drehmoment von 1.100 Nm liegt in einem Drehzahlband zwischen 1.100 und 1.700/min an.

Ein bemerkenswertes Triebwerk, das den Münchnern mit der neuen 280-PS-Spitzmotorisierung für die 6,9-l-Motoren der M-2000-Baureihe gelungen ist. Das waren die ersten Fahreindrücke auf einer relativ kurzen Proberunde mit der Sattelzugmaschine M-2000 18.284, die mit einem 2-Achs-Auflieger einen auf 26 t Gesamtgewicht ausgelasteten Sattelzug bildtete. Daraus ergaben sich ein Leistungsverhältnis von rund 10,8 PS/t und ein maximales Drehmomentniveau von 42,3 Nm/t.

Für einen Motor mit 6,9 l Hubraum war die Anfahrstärke erstaunlich: Schon ab 900/min legte er los. Das erlaubte Gang sprünge, um vom Stand weg schnell und bequem auf Touren zu kommen. Auch die kurzen, jedoch ziemlich steilen Anstiege auf der Proberunde nahm der Motor mit einer für seine Hubraumklasse bemerkenswerten Standfestigkeit. So dürfte der Motor vor allem für Verteiler- und Volumenverkehre bis zu 33 t Gesamtzuggewicht eine ausgezeichnete Wahl sein.

adel.jpg (24614 Byte)Bei ausschließlichem Fernverkehrseinsatz mit hohen Jahreskilometerleistungen kommen die 12-l-Triebwerke D2866 zum Zuge. Hier reicht das Leistungsangebot von 310 bis 410 PS und mit dem 12,8-l-Diesel D2876 bis 460 PS. Aus diesen Neuentwicklungen ragen vor allem der 410 PS starke 12-l-Motor (410 PS bei 1.900/min und maximales Drehmoment 1.850 Nm zwischen 900 und 1.300/min) und der 460 PS starke 12,8-l-Motor (460 PS bei 1.900/min und maximales Drehmoment 2.100 Nm zwischen 900 und 1.300/min) heraus. Beide Motoren der schweren Fernverkehrsbaureihe F-2000 verfügen jetzt über die Vierventil-Technik (je zwei Ein- und Auslaßventile pro Zylinder).

Die Vierventil-Technik ist mit Blick auf die Wettbewerber nichts Neues, doch bei der elektronisch geregelten Direkteinspritzung ging MAN einen interessanten Weg: Die Münchner setzen weder Pumpe-Düse-Elemente noch Pumpe-Leitung-Düse-Systeme ein – sie sind bei der Hochdruck-Reihen-Einspritzpumpe geblieben. Die in der Brennraummitte angeordnete Einspritzdüse ist außen über einen durch den Zylinderkopf geführten Druckstutzenanschluß mit der Druckleitung der Reihen-Einspritzpumpe verbunden. Das ermöglicht auch kurze Leitungsverbindungen.

Die Vierventiler-Aggregate zeigten auf den Proberunden (gefahren wurde mit auf 40 t Gesamtgewicht ausgelasteten Sattelzügen) ein erstaunliches Durchzugsvermögen in den unteren Drehzahlbereichen. Das traf sowohl für die 410 PS starke Sattelzugmaschine 19.414 mit einem Leistungsverhältnis von 10,3 PS/t und einem maximalen Drehmomentniveau von 46,3 Nm/t als auch für die 460 PS starke Sattelzugmaschine 19.464 mit einem Leistungsverhältnis von 11,5 PS/t und einem maximalen Drehmomentniveau von 52,5 Nm/t zu. Beide verfügten – zumindest auf dem gewählten kurzen Streckenabschnitt – über eine ähnliche Fahrcharakteristik. Es war enorm, wie die Motoren praktisch von Leerlaufdrehzahl an loslegten und ab 900/min mit einem ausgezeichnetem Durchzugsvermögen glänzten.

Bei der Antriebsstrangabstimmung mit den neuen Direktganggetrieben von ZF und Eaton wurde die Drehmomentstärke der Motoren in den unteren Drehtzahlbereichen berücksichtigt und insgesamt eine hohe Fahrharmonie erreicht.

Auffällig war hier besonders das leicht schaltbare Eaton-Getriebe. Doch auch ZF hat jetzt aufgeholt: Die mit Servo-Shift (über die Schaltwelle gesteuerte pneumatische Servo-Zylinder) ausgestatteten Getriebe überraschten durch ihre Leichtgängigkeit, exakte Gassenführung und kurzen Schaltwege.

Soweit sich das auf den kurzen Streckenabschnitten feststellen ließ, ist MAN mit den neuen Motoren ein ausgezeichneter Wurf geglückt. Nach der IAA in Hannover steht im Herbst noch ein zweiter Fahrtermin an, der zu einem intensiveren Kontakt der Fahrzeuge mit den neuen Motoren führen wird. Und im nächsten Jahr zeigen dann die MAN-Fahrzeuge auf unserer Teststrecke detailliert, was in ihnen steckt und wie wirtschaftlich die Ausbeute der Kraftstoffenergie ist.

Adelbert Schwarz