Fahrbericht Mercedes Benz Atego 1823


Als Debütant legte der „Atego schwer“ 1823 ein flottes Solo
mit 231 PS und 18 t Gesamtgewicht beim Verteilertest hin.
Flotter Solist
Der Atego 1823 gab sein Debüt auf der Verteiler-Teststrecke. Der neue „Atego schwer“ zeigte sich bei 18 t Gesamtgewicht dank einer Motorleistung von 231 PS als flotter Solist und überzeugtedurch einfaches Handling und hohen Fahrkomfort.

Neben der Nahverkehrskabine (S), die es noch in einer um 180 mm verlängerten Variante gibt, stehen noch das lange Fahrerhaus (L) und das hier gezeigte lange Hochdach-Fahrerhaus zur Wahl.

 

 

 

 

 

 

 

Innenansicht
Das PKW-artig geschlossene Armaturenbrett ist im Atego elegant und übersichtlich gelungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der leistungsstarke 6,4-l-Diesel und die neue, einfach übersetzte Hypoid-Antriebsachse zählen zu den Highlights im Antriebsstrang.

Im September feierte der neue Mercedes-Benz "Atego schwer" seine Prämiere auf der IAA in Hannover. Damals firmierte der Hersteller noch als Daimler-Benz, inzwischen müssen wir uns nach der Fusion mit dem amerikanischen Hersteller Chrysler an den neuen Namen Daimler-Chrysler gewöhnen, die entsprechenden Firmenschilder sind bereits an die Fabriken angeschraubt.

Als erster Vertreter des neuen Atego-Baumusters ab 18 t Gesamtgewicht trat jetzt der 1823 L4x2/45 auf der Verteilerstrecke zum Test an. Der zweiachsige 18tonner war mit einer Motorleistung von 231 PS gut bestückt. Schon bei den ersten Vorstellungen ist das überaus ansprechende Design der Atego-Kabine aufgefallen. Auf den ersten Blick ist durchaus eine Verwechselung mit dem großen Bruder Actros möglich. Doch bei genauer Betrachtung zeigen sich deutliche Unterschiede: Die Atego-Kabine ist mit einer Außenbreite von 2,30 m um einiges schmaler und besitzt ausladende Kotflügel, die geschickt in die äußere Formgebung integriert sind.

Im Vergleich zum Actros besitzt der Atego eine pfiffigere Ausstrahlung, die auf den ersten Blick Sympathien weckt. Auf Sympathien dürfte vor allem im Verteilereinsatz auch der überaus gelungene Einstieg stoßen: Drei breite Stufen mit einer bequemen Antrittshöhe von 28 cm und einer ziemlich gleichmäßigen Aufteilung bis zum 1,12 m hohen Fahrerhausboden erleichtern das Ein- und Aussteigen wesentlich. Dazu kommen noch weit öffnende Türen und günstig plazierte Haltegriffe. Mit einigen Einschränkungen ist auch ein Durchstieg zur Beifahrertür möglich.

Schon fast eine elegante Lösung ist das PKW-artig geschlossene Armaturenbrett am vorbildlichen Arbeitsplatz. Alle Bedienschalter sind mit erklärenden Symbolen versehen, einfach erreichbar plaziert sowie bei Nacht gut ausgeleuchtet. Ein wichtiger Punkt sind auch die in die Sitze integrierten Automatik-Dreipunkt-Sicherheitsgurte, die besonders beim Fahrer-Schwingsitz für einen hohen Tragekomfort sorgen.

Der eingebaute 6-Zylinder-Reihen-Viertakt-Diesel im Atego besitzt einen Hubraum von 6,4 l, leistet 231 PS bei 2.300/min und gibt ein maximales Drehmoment von 810 Nm zwischen 1.250 und 1.500/min ab. Das High-Tech-Herz, das es auch noch in einer 279-PS-Version gibt, ist mit Abgasturbolader, Ladeluftkühlung, Drei-Ventil-Technik (je zwei Einlaßventile und ein Auslaßventil pro Zylinder) und einer vollelektronisch geregelten Direkteinspritzung über Pumpe-Leitung-Düse-System ausgestattet. So stehen dem Fahrer bei 18 t Gesamtgewicht und 231 PS ein Leistungsverhältnis von rund 12,8 PS/t und ein maximales Drehmomentniveau von 45 Nm/t zur Verfügung. Zusammen mit dem synchronisierten 6-Gang-Schaltgetriebe ließ sich der Atego einfach und flott bewegen. Dabei standen einerseits die exakte Gassenführung und die geringen Schaltkräfte am Hebel und andererseits die für den 6,4-l-Motor bemerkenswerte Elastizität im Vordergrund. Dazu paßte die Antriebsstrang-Auslegung: im 6. Gang bei 80 km/h drehte der Motormit knapp 1.570/min, bei 60 km/h waren es rund 1.180/min.

Unter Last nahm die Maschine noch klaglos Drehzahlen bis 1.100/min hin. Bei einem Schaltpunkt von etwa 2.000/min in den unteren und rund 1.800/min in den oberen Gängen ließ sich der Motor mit Drehzahleinstiegen im Bereich von 1.200/min bequem und drehmomentbetont auf Tour bringen und fahren, was sich für wirtschaftliche Verbrauchswerte auch empfiehlt.

Beim Verteilertest kam der Atego 1823 mit einem Gesamtergebnis von 22,9 l/100 km (Einzelergebnisse siehe Kasten) über die Runde. Auch wenn keine Vergleichswerte vorliegen, so ist das gewiß kein schlechter Wert für die schwierige Verteilerteststrecke, und auch die schlechten Witterungsbedingungen sind noch zu berücksichtigen. Übrigens wurde der Land straßenabschnitt wegen einer Dauer-Umleitung neu abgesteckt.

Gerade auf der Landstraße zeigten sich die Vorteile der serienmäßig eingebauten Konstantdrossel-Motorbremse und der Rund um-Scheibenbremsen. Da ging es teilweise ziemlich steil auf langgezogenen Strecken ins Tal. Schon bei 2.000/min zeigte die Motorbremse bei 8 Prozent Gefälle eine ansprechende Wirkung, und die Leistung steigerte sich entsprechend bis zu den im Motorbremsbetrieb erlaubten 2.700/min. Kurzfristig verträgt der Motor auch bis 3.000/min im Schubbetrieb. So blieben auf Gefällefahrten die Scheibenbremsen kalt in Reserve. Doch wenn sie gefordert waren, dann zeichneten sie sich durch eine hervorragende Abstufbarkeit und einen absolut gleichmäßigen Einsatz aus.

Der rechte Kombischalter an der Lenk säule hebt sich hier besonders hervor. Damit läßt sich die Konstantdrossel-Motorbremse in zwei Stufen (1. Stauklappenbremse und 2. Dekompressionsstufe) einschalten. Darüber hinaus wird mit diesem Schalter auch der Tempomat bedient. So ist für die Geschwindigkeitsregelung alles an einem Platz vorhanden.

Den Ingenieuren ist beim Atego ein überdurchschnittlich einfaches Handling gelungen. Das gilt vor allem für die schwierigen Einsatzbedingungen im Verteilerverkehr. Hier sind nochmals die schon angesprochenen Punkte wie die günstige Einstiegssituation, die hohe Motor elastizität und das exakt schaltbare Getriebe sowie rechter Kombischalter, Konstantdrossel, Tempomat und Rundum-Scheibenbremsen zu nennen. Wichtig sind auch der sehr gute Rundblick aus der Kabine heraus und die Blickwinkel in den Rückblickspiegeln.

Zum Thema einfaches Handling zählt auch das exakte Lenkverhalten: Die Lenkmittelstellung spricht direkt an, und nach dem Einschlag unterstützen ausreichende Rückstellkräfte die Rückführung. Dazu kommt noch ein erstklassiges Geradeauslaufverhalten. Allerdings ist die Lenkung mit sechs Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag etwas indirekt ausgelegt, was jedoch durch die dafür sehr hohe Leichtgängigkeit wieder ausgeglichen wird. Die Vorteile der leichtgängigen Lenkung sind nun einmal im Verteilerverkehr gefragt: Einige Beispiele dafür sind häufiges Rangieren sowie das Umfahren verkehrsberuhigender Schikanen und das Einfahren in enge Kreisverkehre.

Das Fahrwerk und der aufbaufreundliche Rahmen des Atego stammen aus dem Actros-Baukasten. Zusammen mit dem Spier-Kofferaufbau einschließlich Sörensen-Ladebordwand bringt der Test-Atego mit vollem Tank und Fahrer ein Leergewicht von rund 7.735 kg auf die Waage. So verbleibt bei 18 t Gesamtgewicht noch eine respektable Nutzlast von 10.265 kg, die für den Test aufgeladen wurden.

Angenehm fiel das gut abgestimmte Zusammenspiel zwischen der stahlblatt-parabelgefederten Vorder- und der luftgefederten Hinterachse auf, das für eine angenehme Gangart bei hoher Fahrstabilität sorgt. Die Feinabstimmung, die einen überdurchschnittlichen Fahrkomfort ermöglicht, wurde dabei von der mechanisch gefederten Kabinenaufhängung und dem Fahrer schwing sitz übernommen.

Das kurze Fahrerhaus bietet mit den Innenmaßen von rund 1,50 m Länge, 2,0 m Breite und 1,54 m Höhe für den Nahverkehr ausreichend Raum. Die Kabine besitzt ein freundlich gestaltetes Interieur und ist ziemlich komplett ausgestattet. Auffällig ist auch das in dieser Klasse sehr niedrige Geräuschniveau, mit dem sich der Motor in allen Betriebssituationen dem Fahrer noch mitteilt.

Insgesamt gesehen zeigte sich der Atego 1823 als ein rundum gelungenes Verteilerfahrzeug. Dabei sorgte die 231-PS-Motorisierung bei 18 t Gesamtgewicht für hohe Transportleistungen und wirtschaftliche Verbrauchswerte. Dank der gut getroffenen Einsatzspezifizierung kam noch ein bemerkenswert bequemes Handling hinzu, das den Fahrer in seiner Arbeit deutlich unterstützt.

Adelbert Schwarz