Fahrbericht Opel Arena

Bild Opel Arena

Opel Arena: Renault Trafic mit neuem Namen

Französische Wurzeln
In der Opel-Geschichte tauchen Transporter in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal auf. Bereits vor nunmehr 99 Jahren beschäftigte sich das Unternehmen erstmals mit diesem Thema. Jetzt schickten die Rüsselsheimer erneut eine Transportergeneration in den Markt.
 

 

 

Ältere Leser werden sich noch gut an ihn erinnern: "Blitz" hieß der erste Kastenwagen der Nachkriegszeit. Bis 1975 wurde diese Transporterversion gebaut und insgesamt 7.841 mal verkauft.

Doch die Transportergeschichte begann bei Opel bereits im vorigen Jahrhundert. 1899 faszinierte der als "Coloss von Rüsselsheim" in die Annalen eingegangene "Opel Patentmotorwagen System Lutzmann" die Branche. Dieses 3,5-PS-Unikat (bestellt von einem hessischen Weinhändler) war die Basis für technisch verfeinerte Modelle, die 1901 produziert wurden. "Es folgten weitere geschlossene Aufbauten, zum Teil auch Sonderproduktionen vieler damals bekannter Karosserieschneider", blickt Opel-Sprecher Wolfgang Scholz zurück. Doch mit dem 1,5 Liter Lieferwagen wurde 1940 zunächst einmal diese Bauart verabschiedet.

Nach der "Blitz"-Ära zogen rund zwei transporterlose Opeljahrzehnte ins Land. Nun stiegen die Rüsselsheimer zu Jahresbeginn wieder in das Nutzfahrzeuggeschäft ein. Diese Rückbesinnung "wird Opel helfen, speziell Flottenkunden noch kompletter zu bedienen. Außerdem haben stetige Kundenanfragen zu dem Entschluß geführt, das Programm in diese Richtung aufzustocken", argumentiert Scholz.

Der jüngste Opel-Transporter heißt "Arena" und stammt von Renault. Im lothringischen "Trafic"-Werk Batilly bei Metz entsteht das Grundmodell. Auf endgültigen Opel-Standard wird der Kastenwagen im elsässischen Forbach umgerüstet. Dafür liefert die GM-Tochter "den kompletten Grilleinsatz inklusive Emblem sowie das Radio", erklärt Scholz.

Durch diese Kooperation kann nun General Motors in Deutschland und Großbritannien – unter dem Markennamen Opel beziehungsweise Vauxhall – einen universell einsetzbaren Transporter im Segment zwischen 2,3 t und 2,8 t anbieten. Noch in diesem Jahr, so erhoffen sich die Manager in Rüsselsheim, sollen hierzulande über ausgewählte Nutzfahrzeugzentren des Opel-Vertragshändlernetzes insgesamt 2.000 Arena verkauft werden.

Die hessische Chefetage ist davon überzeugt, daß sowohl Opel als auch Renault "von dieser gemeinsamen Entwicklungsarbeit" profitieren. "Der Arena ist ein erster Schritt in diese Richtung", betont Wolfgang Scholz. Denn bereits für das kommende Jahr kündigte Opel "die Einführung weiterer gemeinsamer Modelle in der Klasse von 2,8 bis 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht" an. Dann wird der neue Renault Master mit dem Opel-Emblem auf den Markt kommen. Erklärtes Firmenziel ist "ein langfristiges Engagement im Segment der leichten Nutzfahrzeuge".

Der Arena wird mit zwei Dieselmaschinen angeboten. Als Basis dient der 1,9 l (1.870 cm3). Bei 4.000/min. leistet dieses Aggregat 44 kW (61 PS). Das maximale Drehmoment von 120 Nm wird bei 2.250/min erreicht. Durchschnittlich soll diese Version 9,9 l/100 km verbrauchen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 118 km/h angegeben.

Für die Fahreindrücke stellte Opel mir den kraftvollen 2,5er Diesel bereit. Aus den 2.499 cm3 werden 55 kW (75 PS) bei 4.000/min. Sein maximales Drehmoment von 158 Nm erreicht er bei 2.200/min. Einen Drehzahlmesser hat der Kastenwagen jedoch nicht.

Der kräftige Anzug und die flexible Beschleunigung überzeugten im Großstadtverkehr und auf flachländischen Fernstrecken. Doch in den Bergen wirkt der Arena eher schwachbrüstig. Da geht ihm schnell die Puste aus. Vor allem wenn dann noch am Anstieg erneut beschleunigt werden muß, gibt sich der 2,6 Tonner (zulässiges Gesamtgewicht) schwerfällig. Selbst bei Vollgas kommt der umbeschilderte Trafic nur mühsam wieder in Fahrt. Bei leicht hügligem Terrain machen sich diese
Symptome jedoch kaum bemerkbar.

Auf flachen Autobahnstrecken sind 120 km/h als Dauertempo durchaus locker realistisch. Die Höchstgeschwindigkeit liegt nur knapp darüber. Bei längeren oder kräftigen Anstiegen sinkt die Tachonadel trotz Vollgas dann zusehends in den zweistelligen Bereich ab.

Der 2,5er Arena wird mit einem Durchschnittsverbrauch von 11,3 l/100 km angegeben. Im Realbetrieb begnügte sich das Modell sogar mit nur knapp 10 l/100 km. Damit reichte die Tankfüllung immer für rund 500 km. Eine Tankkontrolleuchte warnt rechtzeitig vor dem Kraftstoffende.

Die Kabine verfügt über drei bequeme Sitze und viel Beinfreiheit. Der Fahrer kann seinen Platz recht individuell einstellen. Unpraktisch ist jedoch die Position des Kupplungspedals. Es befindet sich zu nahe am Radkasten, so daß gerade männliche Fahrer mit ihren meist breiteren Schuhen stets Bedienprobleme hatten. Der Schuhsohlenrand stößt beim Kuppeln immer an die Verkleidung, so daß die Gefahr besteht, daß das Pedal nicht weit genug durchgetreten wird oder wegrutscht.

Relativ lang sind die Schaltwege. Vor allem für den 1., den 3. und den 5. Gang muß der Fahrer einen recht langen Arm machen. Ansonsten lassen sich die Gänge sauber einlegen. Und trotz des langstiligen Schaltknüppels kann der Fahrer rasch auf die Beifahrerseite gelangen.

Dem Arena ist seine französische Herkunft anzumerken. Denn die Gallier gehören schon seit langer Zeit zu jenen Fahrzeugbauern, die auch die Transporter wohldurchdacht konzipieren. Dazu zähle ich vor allem sehr viele und äußerst praktische Ablage- und Verstaumöglichkeiten rund um den Fahrerplatz. Damit ist der Opelneuling reichlich gesegnet.

Sehr praktisch ist das Mittelfach im Armaturenträger. Hinter einer Klappe mit Magnetkontakten befindet sich auch das Radio. Handy, Stifte und etliche Papiere können dort deponiert werden. Eine Klemme sorgt dafür, daß Zettel oder größere Bögen an ihrem Platz bleiben. Für allerlei anfallenden Kleinkram verschiedener Art eignen sich das Handschuhfach auf der Beifahrerseite sowie die Vertiefung im unteren Mittelteil des Instrumententrägers. Als praktisch erwiesen sich gleichfalls die Türtaschen mit separaten Flaschen- und Dosenhaltern. Dort verstaute Mappen, Karten und dergleichen behindern auch nicht die jeweilige Fensterkurbel. Derartige Papiere nimmt aber notfalls auch die recht breite Armaturverkleidung auf.

Über der Gurtverankerung sind auf der Fahrer- und der Beifahrerseite Kleiderhaken montiert. Die dort aufgehängten Kleidungsstücke behindern weder die Insassen selbst noch beeinträchtigen sie die Fahrersicht.

Durch die speziellen Außenspiegel wird der tote Winkel äußerst minimiert. Flache Panoramaspiegel im unteren Teil und großflächige Normalspiegel bieten eine fantastische Rücksicht. Allerdings sind die Gläser nicht von innen verstellbar.

Unterstützt durch die serienmäßige Servolenkung kann der Kastenwagen unproblematisch manövriert werden. Diese Vorzüge (Lenkung, Spiegel) machen sich vor allem im innerstädtischen Verteilerverkehr bemerkbar.

Die Kabinenausstattung ist zweckmäßig sachlich. Ins Lenkrad ist der Fahrerairbag integriert. Übersichtliche Armaturen und vorwiegend griffgünstige Bedienelemente bestimmen den Arbeitsplatz im Cockpit. Ungünstig ist, daß sich Lüftung und/oder Heizung im Dunkeln nur schwer einstellen lassen. Denn dieser Bereich ist nicht beleuchtet. Gut ist die Heizung, die rasch für angenehme Wärme sorgt.

Richtig nervend war das eingebaute Radio. Bei jedem Schlüsseldreh wurde der Stromkontakt unterbrochen – und jedesmal war anschließend der ursprünglich eingestellte Sender "verschwunden". Das Radio suchte sich jeweils selbständig ein neues Programm. Auch durch die mitgelieferte Beschreibung ließ sich dieses Phänomen nicht korrigieren.

Mit der Zentralverriegelung, die per Infrarot-Fernbedienung funktioniert, ist die Wegfahrsperre gekoppelt. Der Daumendruck auf den Schlüsselgriff sorgt für das Ver- oder Entriegeln aller Türen. Denselben Effekt erzielt eine Taste im Fahrzeug. Wenn jedoch die Verriegelung zu lange "offen" ist, ohne daß gestartet wird, rastet die Wegfahrsperre wieder ein. Dann muß der Wagen über eine der verfügbaren Tasten erneut ver- und entriegelt werden, um die Zündung entsprechend freizuschalten.

Zwischen Fahrerkabine und Laderaum gibt es keine Trennung. Lediglich ein Metallschutzgitter befindet sich hinter dem Fahrersitz. Durch die drei Sitze ist ein Durchstieg in den Laderaum nicht möglich.

Rechts verfügt der Arena über eine Schiebetür. Aufgeschoben ergibt sich eine 74 cm breite und 1,34 m hohe Öffnung. 46 cm über der Fahrbahn befindet sich die seitliche Ladekante. Der gesamte Laderaum (einschließlich des Bodens) ist in Wagenfarbe lackiert, aber nicht verkleidet. Die maximale Ladelänge beträgt 2,36 m. Komplett ist der Kasten innen 1,66 m (zwischen den Radkästen: 1,10 m) breit. Für die Stehhöhe ergibt sich ein Maß von 1,52 m.

Wie der komplette Laderaum ist auch der hintere Türbereich nahezu rechteckig. Die symmetrischen Flügeltüren geben eine Ladeöffnung von 1,36 m (hoch) und 1,23 m (breit) frei. Die Heckladekante befindet sich 49 cm über der Fahrbahn. Eine schmale Trittstufe (in 39 cm Höhe) erleichtert das Beladen und das Einsteigen. Die Hecktüren rasten in 90-Gradstellung ein, sind jedoch bis auf 180 Grad aufschwenkbar.

Das gesamte Ladevolumen beträgt 5,3 m3. Und bis zu insgesamt 925 kg können dem Arena aufgelastet werden. Sechs kräftige Verzurrösen im Ladeboden sowie zahlreiche Löcher in den Verstrebungen ermöglichen, das Ladegut entsprechend abzusichern.

Der Opel-Transporter ist komplett 4,54 m lang. Auch mit seiner Breite von 1,91 m paßt er auch noch in eine PKW-Parkbox. Allerdings ist seine Kompletthöhe von 2,05 m nicht für jede (Park-)Durch- oder Einfahrt geeignet. Durch den recht kurzen Radstand (2,80 m) wirkt der Kastenwagen handlich agil.

Während des mehrtägigen Einsatzes lernte ich den Opel Arena als ideales Verteilerfahrzeug sowie guten und durchaus flotten Ferntransporter kennen und schätzen. Selbst lange Touren waren mit dem Rüsselsheimer Neuling angenehm.

Herbert Schadewald

 

Bild Opel Arena Rückseite

Türen und beheizbare Heckscheiben kennzeichnen die Rückseite.

 

Bild Opel Arena Türen

In 90-Gradstellung rasten die Türen ein.Sie lassen sich bis 180 Grad aufschwenken.

Bild Opel Arena Laderaum

Unverkleidet, aber lackiert: der Laderaum. Sein Volumen beträgt über 5 m3. Links an der Wand ist das Reserverad montiert.

Bild Opel Arena Kabine

Viel Platz in der dreisitzigen Kabine. Trotz des Schalthebels ist der Kabinendurchstieg möglich.

Bild Opel Arena Schalthebel

Die Schaltwege sind recht lang und liegen weit vorn. Doch auch das geöffnete Mittelfach behindert den Schaltvorgang nicht.