Fahrbericht Scania Euro-3-Motoren

Grüne Welle

Erste Fahreindrücke: Scania bietet bereits sechs Euro-3-Motoren an. Außerdem gibt es eine Vielzahl von Verbesserungen – von der zweiten EBS-Generation bis zu leichteren Kabinen.

Andere Fahrweise: Die Euro-3-Motoren haben mehr Kraft im unteren Drehzahlbereich.


 

Hohe Standfestigkeit am Berg: Die 380-PS-Version zieht sich an Steigungen bis hinter zur 1.000-er Drehzahlmarke.

 

Abgespeckt: Die Kabine ist durch Leichtbauweise um insgesamt 60 kg leichter geworden. Am Rahmen wurden bis zu 300 kg eingespart.

 

Immer dabei: Scania hält auch weiterhin am Haubenmodell fest.

 

 

 

Grüne Welle für Euro 3 heißt es bei Scania. Der schwedische Hersteller leitet konsequent den Übergang auf den neuen Emissionsstandard im Programm der 6-Zylinder-Reihendiesel ein. Doch damit nicht genug: Scania stellte kurz vor dem Jahreswechsel auch das EBS der zweiten Generation, eine Schnittstelle für Flottenmanagementsysteme sowie Gewichtseinsparungen bei Kabine und Fahrgestell vor. Darüber hinaus wird es das automatisierte Schaltsystem Opticruise für alle Euro-3-Motoren geben.

Als erster Hersteller stellte Scania bereits im April Euro-3-Motoren mit Leistungen von 230, 340 und 420 PS zur Verfügung. Jetzt wurde das Euro-3-Programm um die Leistungsstufen 260, 300 und 380 PS erweitert. Damit hat Scania, parallel zu den Euro-2-Motoren, bereits ein ziemlich komplettes Euro-3-Programm mit sechs Leistungsstufen aufgestellt. So steht jetzt dem Kunden für den Verteiler-, Baustellen- und Fernverkehr jeweils eine schadstoffarme Alternative zur Verfügung.

Schon der erste Test mit dem Euro-3-bestückten Scania hat ergeben, dass bei der Wahl für die schadstoffarmen Aggregate nicht mit dem Nachteil höherer Verbrauchswerte zu rechnen ist. Im Gegenteil, die Motoren dürften in der Tendenz sogar etwas sparsamer liegen, wenn sie richtig gefahren werden. In diesem Fall zahlt sich die Mehrinvestition (laut Bruttopreisliste: je nach Motortyp von etwa 5.000 bis rund 5.500 DM) in die schadstoffarmen Motoren nicht nur für die Umwelt aus, sondern der Aufpreis für Euro 3 dürfte beim Wiederverkauf mindestens im Verhältnis 1:1 wieder herauskommen.

Bei den ersten Fahrten mit den neuen Leistungsklassen zeigte sich, dass die Motoren vor allem im unteren Drehzahlbereich mehr Kraft besitzen. Bei den Neuen mit elektronisch geregelter Einspritzung (EDC) liegt das maximale Drehmoment bereits ab etwa 1.000/min an. Da heißt es im Vergleich zu den Euro-2-Aggregaten, die Motoren in Steigungen noch weiter ziehen lassen, denn sie bieten bis zur 1.000er Drehzahlmarke eine hohe Standfestigkeit. Das zeigte sich vor allem beim neuen 380-PS-Aggregat; und die 420 PS starke Euro-3-Maschine setzte in dieser Beziehung noch eins drauf.

Gefallen hatte auch der neue 300 PS starke 9-l-Euro-3-Motor. Er zeigte in Steigungen eine bemerkenswerte Standfestigkeit, allerdings ging dieser Sattelzug mit einem Gesamtgewicht von nur 32 t an den Start – und nicht mit 40 t, wie die PS-stärkeren Modelle mit 10,6 l Hubraum (340 PS) und 11,7 l Hubraum (380 PS). Beeindruckend war vor allem der satte und dezente Klang des 9-l-Aggregats, das fast die Klangqualität der hubraumgrößeren Motoren erreichte. Das automatisierte Schaltsystem Opticruise setzt ein elektronisch geregeltes Einspritzsystem vorraus, das für alle Euro-3-Motoren (Euro-3-Leistungsklassen 260, 300 und 380 PS erst ab Februar 2000) sowie für alle Anwendungen vom Verteiler- und Bauverkehr bis zum Fernverkehr und sogar für Schwertransporte zur Verfügung steht. Das ausgereifte System Opticruies ist mit das Beste, das es auf dem Markt gibt. Und auch das Preis/Leistungsverhältnis mit einem Aufpreis von 4.570 DM stimmt. Inzwischen ordern in Europa rund 11 Prozent aller Scania-Fernverkehrskunden und in Deutschland 20 Prozent aller Kunden die Fahrzeuge mit Opticruise.

Ein manueller Eingriff ist nur da notwendig, wo es auf eine vorausschauende Fahrweise ankommt, denn das kann Opticruise noch nicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Elektronik bei Motorbremsbetätigung automatisch einen Gang einlegt, der für effektive Drehzahlen sorgt. So wird die Leistung der Motorbremse bestmöglich genutzt, und die Bremsbeläge werden geschont. Als weltweit erster Hersteller hat Scania eine Umwelterklärung entwickelt. Sie liefert dem Unternehmer Daten über die Umweltcharakteristik eines Scania-LKW während seines gesamten Lebenszyklus: von der Herstellung über den Betrieb bis zur endgültigen Entsorgung. Die Emissionsfaktoren enthalten detaillierte Angaben der Grenzwerte der Euro-1-, Euro-2- und Euro-3-Norm.

In Zukunft wird der Einsatz intelligenter Transportdienstleistungen (ITS) noch weiter expandieren. Die Datenübertragung aus dem LKW ermöglicht eine verbesserte Fahrzeug-, Routen- und Logistikplanung für einen effektiven und umweltverträglichen LKW-Einsatz und weniger Leerfahrten. Ab Februar 2000 bietet Scania eine Datenschnittstelle an, um beim Einsatz verschiedener peripherer Systeme Dritter die standardisierten Informationen vom Datenbus des LKW für Flottenmanagementsysteme nutzen zu können. Im Jahre 1996 stellte Scania als erster Hersteller die Kombination zwischen druckluftbetätigten Rundum-Scheibenbremsen und dem elektronisch gesteuerten Bremssystem (EBS) für schwere LKW vor. Inzwischen werden in Europa rund 45 Prozent aller Scania-LKW damit ausgeliefert – im Fernverkehr liegt die Quote bei etwa 60 Prozent. Jetzt steht die zweite Generation der EBS-Software kurz vor der Einführung. Dazu gehört auf Wunsch ein System mit Anhänger/Aufliegermodul. Es gleicht bei einem Lastzug automatisch und mit hoher Präzision die Bremskraft zwischen Zugfahrzeug und gezogenem Fahrzeug aus, je nach Belastung der einzelnen Achsen.

Unter dem Strich um 60 kg hat die neue Scania-Generation abgespeckt, dank leichterer Komponenten bei den Fahrerhaus- und Fahrgestellneuheiten. Neu sind auch ein Radio mit CD-Player, eine externe Leiter, ein Luftvorreiniger und ein Insektenschutz für den Kühler. Dazu kommt noch beim Fahrgestell das neue Subframesystem mit genieteten Karosseriehalterungen, das, je nach Radstand, Gewichtseinsparungen zwischen 200 und 300 kg ermöglicht. Außerdem konnten beim neuen 21-t-Tandem-Achsaggregat gegenüber dem Vorgängermodell rund 30 kg eingespart werden. Die Konstruktion ist für Scheibenbremsen vorbereitet.

Zu den Fahrgestellneuheiten gehören es weiteren eine neue Sattelkupplung und ein Laufsteg bei den T-Modellen. Außerdem gibt es ein überarbeitetes, niedriges Fahrgestell, das die bisherige Low-Version um weitere 30 mm und die normal hohe Fahrgestellausführung um 60 mm unterbietet. Mit Ausnahme des neuen 21-t-Tandem-Achsaggregates, das im Februar 2000 kommen soll, stehen alle Kabinen und Fahrgestellneuheiten bereits ab November zur Verfügung.

Auch auf dem Gebiet der alternativen Antriebe zeigt Scania mit dem Gasmotor für LKW Flagge. Der Motor lässt sich mit CNG-Erdgas oder Biogas betreiben und ist für den Verteilerverkehr gedacht. Darüber hinaus steht für den 9-l-Dieselmotor ein CRT-Partikelfilter für den Stadtverkehrseinsatz zur Verfügung. Für diesen Katalysator ist jedoch ein Kraftstoff mit niedrigem Schwefelgehalt (Scania-Empfehlung: Maximalwert 10 ppm) notwendig. Und schließlich hat Scania auch noch die Wartungsintervalle verlängert.

Es ist also ein ziemlicher Rundumschlag, den Scania kurz vor dem Jahreswechsel ausführt. Noch fehlt die Euro-3-Version des mächtigen V8-530-PS-Triebwerkes. Doch insgesamt tritt Scania in der Umwelttechnologie mit einem ziemlich komplexen Werk für eine grüne Zukunft an.

Adelbert Schwarz

Euro-3-Motoren von Scania: sechs Versionen
Von 230 bis 420 PS
Leistungsklasse 230 PS 260 PS 300 PS 340 PS 380 PS 420 PS
Hubraum 9,0 l 9,0 l 9,0 l 10,6 l 10,6 l 11,7 l
Einspritzung EDC EDC EDC PDE* PDE PDE
Max. Leistung
bei /min
230 PS
1.900
260 PS
1.900-2.000
300 PS
1.900-2.000
340 PS
1.900
380 PS
1.900
420 PS
1.900
Max. Drehmoment
bei /min
1.100 Nm
1.100-1.200
1.250 Nm
1.100-1.300
1.400 Nm
1.100-1.300
1.600 Nm
1.100-1.300
1.800 Nm
1.100-1.300
2.000 Nm
1.100-1.300
Min. spez. Kraftstoff-
verbrauch im grünen
Drehzahlband
198 g/kWh 200 g/kWh 199 g/kWh 196 g/kWh 195 g/kWh 194 g/kWh
*PDE = Pumpe-Düse-Elemente