Testbericht Scania R124 8x4


Einsatz: Auch bei erschwerten Bedingungen im Kiesgrubeneinsatz
machte der R124 8x4 eine gute Figur.
Stärke im Gelände
Scania hat ein variantenreiches Vierachser-Programm auf die Beine gestellt. Zum Test trat der Scania R124 CB8x4HZ 400 an. Mit kraftvollen 400 PS zeigte er Stärke im Gelände, hohen Fahrkomfort und recht günstige Verbrauchswerte.

Sicher: gut gestufter Aufstieg
mit Haltestangen

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Rückschau: Das große Seiten-
fenster erleichtert das millimeter-
genaue Rückwärtsfahren.

Im Baugewerbe sind die Kipperfahrzeuge in der Achskonfiguration 8x4 beliebt. Sie verfügen über hohe Nutzlasten und kommen auch in schwierigem Gelände und auf engen Baustellen zurecht. Speziell für die Baubranche hat Scania ein umfangreiches Programm an 8x4-Fahrzeugen auf die Beine gestellt.

Eine besonders interessante Spezifizierung ist unser Testfahrzeug, der Scania R124 CB8x4HZ 400. Die Typbezeichnung sagt schon viel über das Fahrzeug aus. Da ist zunächst der Buchstabe "R" am Anfang für das hohe R-Fahrerhaus in der kurzen Ausführung. Die Zahl 124 kennzeichnet die Motorisierung mit einem 12-l-Diesel und die Scania-Baureihe "4". Der nachfolgende Buchstabe "C" steht für die C-Klasse (Construction = Bau), und der Buchstabe "B" dahinter bezeichnet das Langchassis.

In der Klasse C sind die Zwei-, Drei- und Vierachser in den Achskonfigurationen 4x2, 4x4, 6x4, 6x6 und 8x4 zusammengefaßt, die für härteste Einsatzbedingungen konzipiert sind. Darunter fallen vor allem mittlere bis sehr schwere Transportaufgaben, die auf Baustellen und in Kiesgruben mit Betonmischer- und Kipperaufbauten bewältigt werden müssen.

Das hohe R-Fahrerhaus verleiht dem Fahrzeug ein beeindruckendes Äußeres: Es drückt überlegende Stärke aus. Und die 400 PS, die unter dem Fahrerhaus werken, sind für ein Solofahrzeug mit 32 t Gesamtgewicht schon eine ganze Menge. Diese Leistung gibt der 6-Zylinder-Reihen-Diesel DSC 1201 zwischen 1.800 und 1.900/min ab, das maximale Drehmoment von 1.810 Nm steht zwischen 1.100 und 1.500/min zur Verfügung. Bei den 32 t Gesamtgewicht des Vierachsers bedeutete das ein Leistungsverhältnis von 12,5 PS/t und ein maximales Drehmomentniveau von 56,6 Nm/t.

Weitere Motordaten sind ein Hubraum von 11,8 l, Vierventiltechnik (jeweils zwei Ein- und Auslaßventile pro Zylinder) und elektronisch gesteuerte Reiheneinspritzpumpe (EDC) sowie Abgasturbolader und Ladeluftkühlung.

In einer Kiesgrube zeigte der Motor seine Stärke im Gelände. Damit ließ sich der Vierachser R124 CB8x4 auch auf etwas schwierigen Abschnitten komfortabel in unteren Drehzahlbereichen fahren. Falls es hart auf hart kommt, stehen beim Scania-Schaltgetriebe GRS 900 neben den Fahrgängen in der Spreizung von 11,27:1 bis 1:1 zwei Kriechgänge mit Übersetzungsverhältnissen von 16,38:1 und 13,28:1 zur Verfügung, die in Verbindung mit der Motorleistung selbst in schwierigen Situationen für ein mächtiges Durchzugsvermögen sorgen.

Für einen ordentlichen Vorschub auch auf unbefestigten Wegen steht das Doppelachs-Aggregat mit seinen zwei Antriebsachsen. Zur Unterstützung der Traktion sind außerdem eine Längs- und zwei Quersperren zuschaltbar. Dazu kommt eine zugkraftbetonte Übersetzung der Antriebsachsen von 3,68:1.

Allerdings ist die Achskonfiguration 8x4 nicht für Off-Road-Einsätze im Gelände gedacht, da muß man schon mit einem 8x8-Fahrzeug antreten. Derartige Fahrzeuge und auch die Achskonfiguration 8x6 sind jedoch nicht im Programm der Schweden zu finden. Diese Geländespezialisten bringen nur kleine Stückzahlen, da es in der Baubranche selten so extreme Bedingungen gibt, die diese aufwendigen Fahrzeuge erfordern würden. Doch mit dem 8x4-Antrieb kommt der Fahrer auch unter erschwerten Bedingungen zurecht, was Kiesgruben- und auch Straßenbau-Verhältnisse anbetrifft.

Besonders gut gelungen ist die Fahrwerksabstimmung. Die Parabelfedern an Vorder- und Hinterachsen dämpften auch grobe Fahrbahnunebenheiten im Gelände. Dabei war der Unterschied zwischen leerem und beladenem Fahrzeug ziemlich gering. Gleichzeitig wurden Wankbewegungen straff abgefangen, was auch einer hohen Kippstabilität zugute kommt. Darüber hinaus zeigte sich das Fahrzeug besonders wendig im Gelände. Das ist eine Eigenschaft, die alle Vierachser besitzen. Dank der zwei gelenkten Vorderachsen gibt es hier bei eingeschlagenen Vorderrädern kaum ein Hinausschieben durch das Hinterachs-Antriebsaggregat.

Auf der Straße ließ sich der vierachsige Scania bequem bewegen. Dabei waren die schon angesprochene komfortable Fahrwerksabstimmung und die hohe Fahrstabilität ausschlaggebend. Dazu kamen noch eine exakte, leichtgängige Lenkung und ein ausgezeichnetes Geradeauslauf-Verhalten.

Sowohl im Gelände als auch auf der Straße zeigte sich der Antriebsstrang sehr gut auf die Motorcharakteristik abgestimmt. Bei einer Auslegung der Gesamt übersetzung auf eine rechnerische Höchstgeschwindigkeit von 102 km/h bei 1.900/min in der höchsten Getriebestufe ergab sich bei 80 km/h eine wirtschaftliche Motordrehzahl von 1.490/min. Auch auf der Landstraße bei Tempo 60 km/h war mit 1.117/min im höchsten Gang noch ein gu tes Durchzugsvermögen vorhanden. Entsprechend günstig ist dann auch das Gesamtergebnis (Einzelereignisse siehe Kasten) mit einem Durchschnittsverbrauch von 31,7 l/100 km und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 66,1 km/h ausgefallen.

Für ein Baufahrzeug bietet der Scania R124 8x4 400 mit dem hohen Frontlenker-Fahrerhaus in der kurzen Ausführung einen überdurchschnittlich hohen Komfort und ist erfreulich komplett ausgestattet. Zur Serienausstattung gehören beispielsweise eine Zweipunkt-Luftfederung für die Kabine, elektrische Fensterheber, Fahrersitz-Sitzheizung, Außentemperatur-Anzeige und Tageskilometerzähler sowie eine getönte Windschutzscheibe und das Scania-"Alert", das durch Warngeräusche den Fahrer wachhalten soll. Gegen Aufpreis von 4.335 DM ist auch, wie beim Testfahrzeug, eine Klimaanlage mit elektronischer Temperatursteuerung zu haben. Außerdem steht auch noch das integrierte Bremssystem mit Scania-Retarder im Sonderausstattungsprogramm.

Ein weiterer Punkt ist das BWA (Body Work Adaption): Unter diesem Begriff haben sich die Schweden eine besondere Fahrzeugspezifizierung einfallen lassen. So besitzt das Scania 8x4-Fahrgestell bereits ab Werk eine Kippervorbereitung. Das verkürzt die Montagezeiten beim Aufbauhersteller, wie für den Meiller Dreiseitenkipper-Aufbau, erheblich und reduziert so auch die Kosten.

Darüber hinaus bietet der LKW-Baukasten von Scania eine der umfangreichsten Typenauswahl und Fahrzeugspezifizierungen an 8x4-Modellen. Sie umfassen die Klasse "C" der Baufahrzeuge und die Klasse "G" (General Purpose) für Transporte auf kurzen Entfernungen, unbefestigten Wegen, mit hohen Beanspruchungen und Tonnage-Klassen. Die Palette reicht von parabel- und trapezgefederten Fahrwerken mit Außenplaneten-Antriebsachsen in der Klasse C bis zu volluftgefederten Vierachsern mit einfach übersetzten Hinterachsen in der Klasse G.

Bei einem Vorderachsabstand von 1.940 mm stehen neun unterschiedliche Radstände von 4.100 mm bis 5.900 mm zur Wahl. Dazu kommen spezielle Kippermodelle und Betonmischer-Chassis mit einem Vorderachsabstand von 1.795 mm. In der Klasse C gibt es zunächst die parabelgefederten Vorderachsen mit einer zulässigen Traglast von jeweils 7,1 t und das parabelgefederte Doppelachsaggregat mit einem Achsabstand von 1.355 mm mit 21 t technisch möglicher Traglast. Weiterhin stehen an parabelgefederten Vorderachsen technische Traglasten von jeweils 7,5 t, 8,0 t, 8,5 t und 9,0 t sowie trapezgefederte Doppel achsaggregate mit einer technischen Tragfähigkeit von 26,0 und 30,0 t zur Verfügung.

Groß sind auch die Auswahlmöglichkeiten bei der Motorisierung der Vierachser. Neben dem 11,8-l-Diesel mit einer Leistung von 400 PS lassen sich gegen Minder- beziehungsweise Aufpreis die 360 PS-Version des 11,8-l-Motors oder die V8-Motoren mit 14,2 l Hubraum und Leistungen von 460 PS und 530 PS ordern. Im Programm ist außerdem der in diesem Jahr neu vorgestellte 10,6-l-Dieselmotor mit Pumpe-Düse-Technik in den Leistungsversionen 340 PS und 380 PS sowie der 11,8-l-Diesel in der 420-PS-Leistungsversion.

Entsprechend breit ist die Getriebeauswahl mit dem GRS 900 (12 Fahrgänge und 2 Crawler), dem GR 900 (12 Fahrgänge und 1 Crawler) sowie dem GRS 890, das 12 Fahrgänge besitzt. Bei den Außenplaneten-Antriebsachsen stehen drei Übersetzungen – 3,68:1; 3,95:1 und 4.24:1 – zur Wahl. Auf Wunsch gibt es noch für besonders hohe Gewichte das Achsaggregat 2xAD 1500 P mit Nebenvorgelege in den Übersetzungen 3.91:1 und 4.24:1.

An Kabinen stehen das niedrige Frontlenkerfahrerhaus CP in kurzer und langer Ausführung und das hohe Frontlenkerfahrerhaus CR in kurzer und langer Ausführung zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch die langen CP- und CR-Ausführungen mit flachem Dach.

Das Testfahrzeug stammt aus der Typenfamilie CB8x4Z und ist auf hohe Nutzlasten ausgelegt. Diese Auslegung bietet in der serienmäßigen Spezifikation

  • einen hohen, 9,5 mm starken Einschleifen-Rahmen,
  • einen Vorderachsabstand von 1.795 mm,
  • einen Radstand von 4.300 mm und
  • ein parabelgefedertes Fahrwerk mit 2x7,5-t-Vorderachsen und einem 19-t-Doppelachs-Hinterachsaggregat für den Antrieb mit einer technischen Traglast von 21 t.

Laut Standardspezifikation ergibt sich mit vollem Tank und Fahrer ein Eigengewicht von 9.250 kg. Mit dem Meiller-Dreiseiten-Kipper-Aufbau waren es mit vollem 300-l-Tank 13.600 kg. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 32 t steht so für den öffentlichen Straßenverkehr eine Nutzlast von 18,4 t zur Verfügung – bei einer Auslegung auf ein technisch mögliches Gesamtgewicht von 36 t und einer entsprechenden Nutzlast von 22,4 t.

Die Spezifizierung und Auslegung des Scania R124 CB8x4HZ 400 zeigte sich für die Baubranche überaus gelungen – kräftig in der Motorisierung, günstig im Verbrauch sowie komfortabel in der Kabinenausstattung und in der Fahrwerksabstimmung. Insgesamt eine gelungene Abstimmung für den überwiegenden Straßeneinsatz, die zudem eine gute Fahrbarkeit im Gelände – auch unter erschwerten Bedingungen – zuließ.

Adelbert Schwarz

 


Praktisch: die ausklappbare
Trittfläche


Bequem: das geräumige R-Fahrer-
haus in der kurzen Ausführung

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Vortrieb: Das parabelgefederte
Doppelachs-Aggregat mit Außenplaneten-Antriebsachsen,
Längs- und Quersperren