Fahrbericht Skoda Vanplus Diesel

Olfaktorisch voll daneben
Skoda versucht sich mit dem Felicia Vanplus im Segment der kleinen Stadtlieferwagen. Sehr speziell: Der Geruch des Innenraumes und der Kunststoffaufbau mit Gittergerüst.


Der Felicia mit Häubchen ist das Gesicht in der Menge. Nicht schön, aber zweckmäßig.

 


Das bietet sonst keiner: Zugang zum Laderaum über die Heckklappe und zwei unverglaste Seitentüren. Neben den extra Zurrpunkten eignet sich der stabile Rohrrahmen zum Festmachen von Ladung. Leider wird die Durchladebreite durch die stark ausladenden Federdome der Hinterachse eingeschränkt.

 

 


Das Armaturenbrett ist optisch gelungen, riechtechnisch aber eine Katastrophe. Das Plastik dampft Düfte der Note „ranziges Altöl“ aus.

 

 


Beregnungstest: Das Gfk-Dach erwies sich als absolut dicht.


Der Verstellbereich der Sitze nach hinten ist auch für Großgewachsene ausreichend. Die Sitzpolster sind für lange Fahrzeiten im Lendenbereich zu weich.

 

 

 

 

 

 

Bei Skoda im tschechischen Mlada Boleslav ist man flexibel: Auf der Plattform des Felicia baut man dort nicht nur Limousine, Kombi und Pick-up. Jüngster Sproß in der Felicia-Familie ist der Vanplus. Bautechnisch gesehen ist er ein Felicia Kombi ohne Blechdach. Stattdessen bedeckt den Vanplus eine große Kunststoffhaube, die mit 1,36 m gut 40 cm mehr Innenhöhe bietet als das Standard-Dach. Befestigt ist die Gfk-Haube an einem Gitterrohrrahmen, der wiederum fest mit dem Chassis des Felicia verbunden ist. Das ganze wirkt ausgesprochen solide und optisch einigermaßen elegant. Den seitlichen Vorsprung hat man leicht angeschrägt. Aerodynamisch scheint der Umbau gelungen – jedenfalls sind keine signifikanten Windgeräusche zu vernehmen. Unsere Skepsis bezüglich der Wasserdichtheit legten wir nach der ersten Automatenwäsche ab: Nicht ein Tropfen Wasser drang in den paßgenau und mit Gummilippen abgedichteten Aufbau ein.

Die ebenfalls aus Kunststoff gefertigte Heckklappe gibt einen am Boden 1,74 m langen und 1,36 m breiten Laderaum frei. Zur Fahrerkabine hin ist das Ladecompartement mit einem robusten Plastikgitter abgetrennt. Es hält zwar fliegende Ladung fern, nicht aber die Lärmeinstrahlung der ungedämmt vibrierenden Kunststoffflächen des Aufbaus. Originell: Den Boden des Laderaums bildet eine in feinster Schreinermanier eingepaßte Sperrholzplatte. Das Reserverad und die Bordwerkzeuge verbergen sich unter einer präzise ausgesägten Klappe.

Eine ähnliche Ladelänge wie der Vanplus bietet nur noch der Ford Fiesta Courier. Anders als Courier und VW Caddy ist der Laderaum des Skoda nicht nur über die Heckklappe zugänglich, sondern auch über die zwei hinteren Seitentüren. Wer schon einmal mit einem Lieferwagen gearbeitet hat, weiß, wie wertvoll der seitliche Zugang zum Laderaum ist: Er schont die geplagten Knie und das Kreuz, das Reinpirschen heckwärts kann man sich so sparen. Schade nur, daß man an den hinteren Türen die Fenster durch undurchsichtige Blechtafeln ersetzt hat. Die Sicht nach rechts beim Abbiegen wird dadurch erschwert.

Das Problem des seitlichen Zugangs haben die Konkurrenten Renault Kangoo und Citroën Berlingo (baugleich mit Peugeot Partner) mit einer Schiebetüre gelöst, allerdings exklusiv für die rechte Seite. Der Fahrerplatz des Vanplus ist ansprechend gestaltet, aber nur mit dem nötigsten ausgestattet: Das Armaturenbrett bietet statt des (hier durchaus verzichtbaren) Drehzahlmessers eine große Uhr, die wenigen Schalter verteilen sich auf die Lenkstockhebel und die Mittelkonsole. Unterm Radio gibt es hier zwei Ablagefächer, weitere große Ablagen finden sich in den Türen. Das Handschuhfach (anstatt Beifahrer-Airbag) ist riesig.

Die Sitze des Vanplus verfügen zwar über einen genügend weiten Verstellbereich nach hinten, eignen sich aber nur eingeschränkt für weitere Strecken. Die zu geringe Unterstützung im Lendenwirbelbereich läßt schon bald Verspannungen aufkommen. Auf Kurzsstrecken fällt dieses Manko jedoch kaum ins Gewicht.

Größere Komforteinbußen sind dem 1,9-l-Saugdiesel aus dem VW-Regal anzulasten: Schon im Golf III und in seiner Version mit Turbolader zeigte sich dieser Vierzylinder äußerst rauhbeinig und laut. Nicht anders die Saugversion im Vanplus. Selbst eingefleischte Diesel-Fans werden bei dieser Lärmkulisse von Zweifeln angenagt. Dieses Triebwerk ist schlicht laut und unkultiviert. Dabei gäbe es im VW-Motorenregal den gleichstarken, gleichgroßen, aber wesentlich ruhiger laufenden Direkt-einspritzer (SDI). Der ist mit 5,9 l/100 km Din-Verbrauch auch noch deutlich sparsamer als der Vorkammer-Diesel im Vanplus. Dessen Dieselkonsum lag im Test über 1.000 Kilometer bei unspektakulären 6,9 l/100 km. Aber nicht nur durch Lärm fällt der Vanplus negativ auf. Mindestens genauso störend empfindet die Nase, was an gasförmigen Stoffen den Poren des Armaturenträgers entfleucht: Bereits bei normalen Temperaturen wabern Düfte wie von Altöl oder ranzigem Hydrauliköl durch den Innenraum. Was hier bisweilen sogar Übelkeit heraufbeschwört ist ein Indiz für billigste Weichmacher im Kunststoff des Armaturenträgers.

So belastet, mit lautem Motor und übelriechendem Innenraum kann der Skoda Vanplus letztlich keinen Blumentopf gewinnen. Auch preislich liegt er nicht so deutlich unterhalb der Wettbewerber, daß man von einem Schnäppchen reden könnte. Interessanter ist der Vanplus mit dem alternativ erhältlichen 68-PS-Benziner. Der ist gut 2.000 Mark billiger und mit Sicherheit leiser als das Dieselangebot. Nur: Riechen tut er damit auch nicht besser.

rod