Der CF ist der kleine Bruder des XF. Doch in puncto Fahrerkomfort, Sicherheit und Transporteffizienz steht die mittelschwere Baureihe der neuen Generation dem großen DAF-Flaggschiff in nichts nach.
Der KFZ-Anzeiger hat den kompakten LKW mit leistungsstarkem 6-Zylinder-Dieselmotor getestet.

Wie heißt es so schön: Der erste Eindruck zählt. Und der Letzte bleibt für immer. Zum letzten Eindruck werde ich noch an späterer Stelle kommen, allerdings kann schon vorab festgehalten werden: Der erste Eindruck fiel beim neuen DAF CF 450 auf Anhieb positiv aus, als der mittelschwere Truck aus der neuen DAF-Modellgeneration kürzlich zur großen Testrunde auf der ETC-Strecke bei Northeim antrat.
Die Niederländer schickten ihren 4×2-LKW im stylisch-modernen Outfit mit großzügig geschnittener Space-Cab-Fahrerkabine samt Stoßfänger aus galvanisiertem Stahl. Eine elegante Optik, die auch bei den Kraftfahrer-Kollegen auf dem Northeimer Autohof einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Durch verschiedene Optimierungen am leistungsstarken MX-11-Triebwerk und verbesserte Aerodynamik haben die Eindhovener Ingenieure in den letzten Jahren konsequent an der Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs gearbeitet. Das Ergebnis: der neue CF verbraucht im Vergleich zur Vorgänger-Generation laut Hersteller bis zu sieben Prozent weniger Diesel.
Die leichtere Konstruktion der neuen Generation des mittelschweren Trucks bietet zudem eine höhere Nutzlast, während das aufgewertete Außen- und Innendesign für einen gestiegenen Fahrkomfort und größere Attraktivität sorgt – beste Vorraussetzungen also für eine erkenntnisreiche Fahrt auf unserer hauseigenen Test-Strecke.

Allround-Talent

Der CF aus Eindhoven zielt traditionell auf das alltägliche Geschäft in der Warenverteilung. Man findet ihn bei Lebensmittel-Filialisten ebenso wie in der Entsorgungsbranche, am Bau oder auf dem Speditionshof. Gerade auf kürzeren Strecken mit mehreren Ladestellen schätzt der Fahrer den bequemen Einstieg.
Auch die gute Übersichtlichkeit beim Rangieren, reichlich Ablagen für die Frachtpapiere sowie die hohe Nutzlasten, um beim morgendlichen Ausrücken maximale Ladung auf den Weg zu bringen, machen das Fahrzeug für den Nahverkehrseinsatz attraktiv.
Doch der CF präsentierte sich auf der ETC-Strecke ebenso als echte Alternative für den Fernverkehr. Auch mittlere und lange Distanzen lassen sich mit dem neuen Niederländer komfortabel und problemlos bewältigen.

Komfortabel unterwegs

Lange Zeit wurde das CF-Cockpit von vielen Fahrern als zu knapp geschnitten und unkomfortabel bezeichnet. Die Zeiten sind allerdings längst vorbei. Betritt man in die 2.300 mm breite Fahrerkabine, fallen dem Chauffeur sofort das reichhaltige Platzangebot, der gehobene Stil und die hohe Verarbeitungsqualität des Interieurs ins Auge, die wichtigsten Bedienelemente gehen gut zur Hand. Die Bedienung erfolgt intuitiv, auch für den unerfahrenen DAF-Piloten.
Der Einstieg in den DAF CF erwies sich im Test als sicher und angenehm leicht, der großzügige Innenraum und zahlreiche Neuerungen sorgen für mehr Komfort, Bedienerfreundlichkeit, Attraktivität und Sicherheit. Highlights sind unter anderem eine neue Innenraumverkleidung, aktualisierte Instrumententafel und das neue Dashboard-Layout.
Auch mit den individuell austauschbaren Schaltern haben die Niederländer dem Fahrer mehr Flexibilität an die Hand gegeben.
Neue, warme und geschmackvolle Farben für Armaturenbrett, Sitze, Vorhänge, Matratzen sowie Seiten- und Rückwände werten das Interieur weiter auf. DAF tituliert den gewählten Farbton in unserem Test-Fahrzeug klangvoll als „Dark Sand“. Das kling nobel – und ist es auch. Der CF 4×2 als Sattelzugmaschine wurde eben auch als Fahrzeug für die Mittel- und Langstrecke konzipiert. Da soll sich der Fahrer auch auf weiten Strecken wohl fühlen.
Optional erhältlich für den CF ist zudem die luxuriöse Ausstattungsvariante Exclusive-Line. Sie hebt sich durch eine Armaturentafel und Ledersitze im Farbton Cognac sowie elegant umrahmte Lüftungsschlitze ab.
Weiteres Highlight: Die neuen CF-Modelle sind mit einem völlig neuen, automatischen Hvac-System (Hvac – Heating, Ventilation and Air Conditioning) ausgestattet. Dieses System kann laut Hersteller ebenfalls zur Kraftstoffreduktion beitragen, denn die neue intelligente Klimaanlage verbraucht bedeutend weniger Energie – so die Verantwortlichen aus Eindhoven.

„Coole“ Sache

Sie kühlt die Luft nur soweit ab, wie es für die gewünschte Temperatur notwendig ist. Durch einen intelligenten Einsatz des Verdampfers wird ebenfalls übermäßige Kühlung vermieden. Bei Fahrpausen oder Übernachtungen wird das Fahrerhaus mit Restwärme vom Motor geheizt. Weitere Neuheit: Der Fahrer bedient die Temperatur- und Klimaregelung nun auch über eine Konsole mit Temperaturanzeige an der Rückwand.
Die Instrumententafel wurde neu gestaltet. Die neue Schriftart sorgt für einen moderneren und eleganteren Look und bessere Lesbarkeit. Auch die Fahrerinformationsanzeige wurden erweitert. Sie enthält nun eine Fahrtenschreiberanzeige, die dem Fahrer seine verbleibenden Lenk- und Ruhezeiten anzeigt.
Während der Fahrer auch vom neuen Innenraum-Beleuchtungsschalter in der Mitte des Armaturenbretts profitiert, muss er nicht auf die praktische ausziehbare Tischplatte und das komfortable Raumangebot verzichten. Der neue Innenraum-Beleuchtungsschalter ist bedienerfreundlich mit Funktionen wie einem Dimmer oder den Modi „Night Drive“ und „Relax“ ausgestattet.
Auch die Bedienungen der Funktionen zur Geschwindigkeitsregelung – einschließlich Tempomat und Predictive Cruise Control – wurden verbessert: Die Schalter sind nun besser erreichbar und sinnvoll neben dem Lenkrad angeordnet.
Seinen größten Trumpf spielt der CF 450 allerdings als Fahrmaschine aus – so viel wird schnell klar, wenn man die ersten Kilometer abspult. Die überarbeitete CF-Kabine duckt sich jetzt näher an den Rahmen, ist straffer gedämpft. Ohne lästiges Wanken eilt der CF präzise durch schnell gefahrene Kurven, kein Nicken beim Bremsen. Das Fahrwerk wurde renoviert, vorn mit neuen breiteren Federblättern, hinten mit einer Stabilink-Aufhängung.

Effizienter Antriebsstrang

Der optimierte Kraftstoffverbrauch der neuen Fahrzeuggeneration ist das Ergebnis eines vollständig integrierten, innovativen Antriebsstrangs, der eine optimale Interaktion zwischen Motor, Nachbehandlungssystem, Getriebe und Hinterachsen gewährleistet.
Die Steuerung der Luftansaugung des Paccar-MX-11-Motors wurde durch einen effizienteren Turbolader, ein neues EGR-System und eine neu entwickelte Ventilsteuerung aufgewertet.
Zur Verbesserung der thermischen Effizienz wurde ein neues Verbrennungssystem mit neuen Kolben, Einspritzdüsen und Einspritzstrategien entwickelt, während gleichzeitig ein höheres Verdichtungsverhältnis zur Verfügung steht. Zudem wurden variable Lenkungs-, Öl- und Kühlflüssigkeitspumpen entwickelt.
Eines der wichtigsten Ziele bei der Entwicklung des neuen Antriebsstranges war die Reduzierung der Drehzahl. Das maximale Drehmoment (2.300 Nm) des MX-11-Motors wurde deutlich erhöht und steht nun bereits bei 900-1.125 U/min zur Verfügung. Dadurch wird das Fahren bei niedrigen Motorumdrehungen möglich. Seine volle Leistung entfaltet der kraftvolle 6-Zylinder-Dieselmotor mit mehrstufigem Drehmoment bei rund 1.600 U/min. Dann liefert das Euro-6-Triebwerk des CF bis zu 330 kW (449 PS).
Die Hinterachskonstruktionen wurden weiterentwickelt und es können, je nach Antriebsstrangspezifikation, Reduktionen von bis zu 2.05:1 bei Dauergeschwindigkeiten von 85 km/h bei lediglich 1.000 bis 1.040 U/min spezifiziert werden. Für das innovative Hinterachsdifferenzial wurden Tellerrad und Ritzel von Grund auf neu entwickelt, um Langlebigkeit, Effizienz und Geräuschentwicklung zu optimieren.
Zusätzlich sorgen Öle mit niedriger Viskosität und niedrigere Ölstände in den Hinterachsen ebenso für eine erweiterte Kraftstoffeffizienz wie die reibungsarmen Räder und Lager.

Gut gebremst, sauber geschaltet

Der DAF CF 450 ist serienmäßig mit dem Traxon-12-Gang-Automatikgetriebe ausgestattet. Weniger Reibungsverlust, noch schnelleres Hochschalten und eine erweiterte Nutzung von Eco-Roll tragen dazu bei, dass der Kraftstoffverbrauch sinkt. Zusätzlich wird ein hohes Maß an Fahrkomfort, dank reibungsloser Schaltvorgänge, bei denen sich die Kupplung präzise betätigen lässt, erreicht. Die verbesserte Getriebespreizung sorgt für eine gute Manövrierbarkeit.
Die elektrische und elektronische Architektur des CF 540 wurde vollkommen neu entwickelt. Sie enthält ein neues Fahrzeug-Steuergerät für dezidierte Antriebsstrangintegration einschließlich erweiterter Eco-Roll- und Tempomatfunktionen wie Dynamic-Cruise. Dank dieser neuen Funktion passt sich der Tempomat automatisch an unterschiedliche Fahrbedingungen an.
Durch die engere Verzahnung von vorausschauendem Tempomat (PCC – Predictive Cruise Control) und intelligentem Eco-Roll kann PCC die Eco-Roll-Funktion nun zu einem noch früheren Zeitpunkt aktiveren. Dafür müssen beide Technologien errechnen, dass Fahrzeugmasse und -geschwindigkeit ausreichen, um das Fahrzeug über den höchsten Punkt der Steigung zu „schieben“ (Gang auf neutral), ohne dass die Geschwindigkeit zu stark abnimmt.
Neben der Motorleistung wurde auch die Leistung der Paccar-Motorbremse verbessert. Die maximale Bremsleistung der Motorbremse des MX-11 ist von 320 auf 340 kW angestiegen. Die Bremsleistung ist im Bereich 1.000 bis 1.600 U/min um 20 Prozent gestiegen. Bei den Bremsen setzt DAF vorn und hinten beim CF auf belüftete Scheibenbremsen. Die Zweikreis-Druckluftanlage ist elektronisch gesteuert.

Mehr Nutzlast, weniger Gewicht

Für den neuen CF hat DAF ein kompakteres Abgasnachbehandlungssystem (EAS – Exhaust Gas Aftertreatment System) entwickelt. Der so gewonnene Platz im Fahrgestell kann jetzt für einen größeren Kraftstofftank, Kompressoren, Werkzeugkisten oder Kranstützen genutzt werden.
Durch eine fortschrittliche Substrattechnologie konnte die Größe der EAS-Einheit um 40 Prozent reduziert werden. Dies geschieht ohne Beeinträchtigung des Staudrucks, der Reinigungsintervalle des Partikelfilters oder der DeNOx-Effizienz. Im Gegenteil: Die neue Abgasbox wird schneller erhitzt und der Motor gelangt schneller und dauerhafter in seinen kraftstoffeffizienten Modus.
Durch die kompakte Abmessung der EAS-Einheit müssen nun auch DeNOx-Katalysator und Dieselpartikelfilter bei speziellen Anwendungen nicht mehr getrennt werden, was die Gesamteffizienz deutlich steigern soll.
Außerdem konnte durch die neue, ultra-kompakte EAS-Einheit das Gewicht um knapp 50 kg reduziert werden. Dank zusätzlicher Maßnahmen, wie einer Reduzierung des Motor- und Fahrgestellgewichts, ist das Gesamtgewicht des neuen CF 450 um rund 100 kg gesunken. Daraus resultieren folglich 100 kg mehr Nutzlast.

Fazit

Viele neue Systeme und Komponenten haben die Niederländer aus Eindhoven in ihrem neuen mittelschweren Truck installiert. Damit wurden konkret zwei Ziele verfolgt: die Steigerung des Fahrzeugkomforts und die konsequente Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs. Die DAF-Ingenieure sprechen hier von rund sieben Prozent im Vergleich zur Vorgänger-Generation.
In Sachen Komfort und Interieur lässt sich abschließend festhalten: Der Eindhovener Hersteller hat bei seiner neuen Modell-Generation ganze Arbeit geleistet und einen LKW konstruiert, der nicht nur den hohen Ansprüchen der City- und Verteiler-Logistik entspricht. Auch im nationalen und internationalen Fernverkehr auf mittleren und langen Distanzen kann der neue CF 450 4×2 durchaus mit den schweren Trucks der europäischen Konkurrenz mithalten.
Und was ist nun mit den rund sieben Prozent weniger Kraftstoff, die DAF verspricht? Unsere Messung auf der 188,5 km langen Messstrecke zwischen Northeim und Kassel spricht eine eindeutige Sprache: Im Test kam der CF 450 auf einen Diesel-Verbrauch von rund 25,7 l/100 km. Der Vergleich unserer jetzt erhobenen Verbrauchswerte mit den Resultaten älterer Fahrzeugtests der CF-Vorgängergeneration – natürlich unter vergleichbaren Bedingungen – zeigt: die Sieben-Prozent-Angabe der Niederländer ist korrekt. Der Adblue-Testverbrauch kann mit 1,4 l/100 km beziffert werden – ebenfalls ein gutes Ergebnis.
Sollte der letzte Eindruck also tatsächlich für immer bleiben – so wie einleitend erwähnt –, dann werde ich den neuen DAF CF 450 FT 4×2 aus Eindhoven wohl als einen echten „Sprit-Spar-Champion“ in Erinnerung halten.

Philipp Bönders