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29.03.2019

Diesel für Herz und Hirn

Herzstück der feinen V-Klasse ist ein prächtiger Dieselmotor. Er leistet viel und verbraucht wenig – eben ein Diesel für Herz und Hirn.

Der Morgen ist noch kühl, als der 2-l-Diesel gleich nach dem Aufwachen leicht knurrend in den Tag startet. Vor dem Mercedes V 220 d schraubt sich die Ausfallstraße mit leichter Steigung von der Küste ins Landesinnere, der Verkehr hält sich in Grenzen. Alle paar Meter bremsen Schwellen übermütige Fahrer ein. Die V-Klasse bringen sie nicht aus der Ruhe, sie meistert die Hindernisse souverän ohne Nachwippen.
Am Ortsende reihen sich Kreisverkehre aneinander, für manches Automatikgetriebe eine Herausforderung. Hier nicht, kein Zucken oder Rucken, kein falscher Gang. Dabei ist die Auswahl aus neun Stufen üppig, die Technik könnte sich durchaus verheddern. Nicht der Mercedes, dessen Motorklang längst in ein helles Grummeln gewechselt ist. Endlich geht es auf die Landstraße, kann die Maschine durchatmen. Präzise folgt der Van jedem Lenkbefehl, die elektromechanische Lenkung mit variabler Unterstützung trifft genau das benötigte Maß an Hilfskraft. Sie agiert weder übernervös noch teigig, Vorteil Hinterradantrieb. Das Tempo pendelt sich irgendwo zwischen 70 und 100 Sachen ein, der Verbrauch laut Bordrechner bei gut 7 l/100 km. Auch ein Verdienst des feinstufigen Getriebes, dessen Wandlerüberbrückungskupplung spritsparend schon im ersten Gang zufasst.


Bonuskilometer fürs Wohlverhalten
Mitunter heißt es abbremsen, denn Rennradfahrer sind bergauf weniger munter unterwegs als die V-Klasse mit 120 kW (163 PS) und bulligen 380 Nm – was man so Einstiegsmotorisierung nennt. Das maximale Drehmoment liegt bereits bei 1.200 Touren an, das passt zu 2,2 t Leergewicht. Das Getriebe hält die Maschine gekonnt nahe bei 1.500 Touren, jedenfalls in Stufe C wie Comfort. In S wie Sport flutscht es sofort einen Gang hinunter. Das soll Dynamik vermitteln, wirkt bei ruhiger Fahrweise indes etwas hektisch. Also besser reservieren für Einsätze mit Anhänger oder für die Berge.
Trotz Modellpflege verzichtet das Multifunktionslenkrad mit seinem handschmeichelnden Lederbezug auf die komplexen Wisch-und-Weg-Tasten des aktuellen Sprinter, kein Nachteil. Wer sich per Tastendruck durch den Bordrechner klickt, landet bei einer Öko-Anzeige. Zurzeit stehen alle Balken auf grün, so soll es sein. Für Wohlverhalten gibt es Bonuskilometer wie bei der Fluggesellschaft.
Auf einer kurvenreichen Passage steht Fahrspaß und Kunstflug auf dem Programm, muss der Zweiliter zeigen, was er kann. Er kann viel, sehr viel. Dreht munter hinauf bis knapp 5.000 Touren, fühlt sich dabei im Unterschied zur Vorgängermaschine spürbar wohl. Das Fahrwerk hält mit, in der Sportausführung mit dezenter Tieferlegung haben es die Ingenieure sympathisch straff abgestimmt, aber nicht hart. Also tollt der 4,9 m lange Van übermütig durch die Kurven, bis ihn das ESP sanft und fast unmerklich einfängt, spürbar allenfalls am warnenden Geflacker in den Instrumenten. Stufe S heißt Spaß, die Stoßdämpfer reagieren straffer und der Motor bissiger aufs Gas.


Vom Diesel nichts zu hören
Überhaupt, die Maschine: Ein Aluminium-Kurbelgehäuse spart Gewicht, Stahlkolben vertragen deftige Zünddrücke, der Einspritzdruck erreicht im Maximum deftige 2.500 bar, eine glatte Beschichtung der Zylinderlaufbahnen reduziert Reibungsverluste, der Brennraum mit Stufenmulde erhöht laut Mercedes die Effizienz und verringert die Rohemissionen. Was übrig bleibt, reinigt ein Geflecht von Katalysatoren und Filtern, unterstützt von 24 l Adblue. Auch bei scharfer Fahrweise schaltet die Wandlerautomatik watteweich, überspringt agil bei Bedarf Gänge. Manuelle Eingriffe per Schaltpaddel? Überflüssig, jetzt hält das vielstufige Getriebe das Triebwerk im Bereich seiner maximalen Leistung. Am Ende der Hatz ist der Gesamtverbrauch auf knapp 12 l/100 km gestiegen. Die grünen Balken der Öko-Anzeige sind verschwunden, Bonuskilometer dahingeschmolzen. Höchste Zeit, dass an Bord wieder Vernunft einkehrt, zumal sich nun Ortsdurchfahrten aneinanderreihen.
Außerhalb schnürt die V-Klasse gelassen dahin, in der Stadt liegen bei Tempo 50 gerade mal 1.500 Touren an. Vor einer Ampel warnt der Notbrems-Assistent lauthals wegen Gefahr im Verzuge. Geht’s gemächlich voran, sackt die Drehzahl bis auf 1.200 Touren, der Motor steckt es ohne Murren weg. Und der Gesamtverbrauch ist auf 9,8 l/100 km gesunken. Fehlt noch ein Autobahnteilstück, verordnet ist Tempo 120. Die V-Klasse gleitet überlegen dahin, vom Diesel ist nichts zu hören, der Wind zischelt leise um die Karosse. Wer es sich bequem machen will, klemmt sich beim Verstellen der Rückenlehne die Hand zwischen Sitz und B-Säule ein.


Cockpit mit Nadelstreifen
Der Drehzahlmesser zeigt bei 100 Sachen erneut sehr moderate 1.500 Touren, das ist gesund und sparsam. Fordert der Fahrer beim Überholen oder an Steigungen mehr Mumm ab, schaltet die Technik flink und unmerklich zurück. Die V-Klasse agiert ausgesprochen wach auf jede Regung.
Zeit, sich umzuschauen: Die geschwungene Armaturentafel ist in der Grundausführung schwarzglänzend eingefärbt, von grauen Wellenlinien überzogen und dezent mit Chrom geschmückt. Das Ganze sieht adrett aus, weder karg noch überladen. Je nach Ausstattung gibt es das Cockpit auch mit eleganten silbrigen Nadelstreifen. Und wer es prächtig mag, ist bei Mercedes-Benz stets willkommen, in diesem Fall glänzt und spiegelt die Oberfläche in Ebenholzoptik. Geschmackssache, Böswilligen denken prompt an vermeintliche Luxusuhren, die es am Rande gewisser Touristenzentren zu verblüffend niedrigen Preisen gibt. So schick die Dekorateure die V-Klasse auch ausstaffiert haben, auf das vielseitige und in jeder Hinsicht unterhaltsame Kommunikationssystem MBUX aus dem Sprinter muss die V-Klasse verzichten. Ebenso auf einen aktiven Spurassistenten, ein Spurwarner muss genügen. Er dürfte ruhig ein paar Meter früher reagieren.
Am Ende der Etappe führt der Weg zurück durch die Stadt zu unserem Ausgangspunkt. An den Ampeln lässt sich die Start/Stopp-Anlage ein wenig Zeit, beim Anspringen schüttelt sich der Mercedes mitunter leicht, als störte man ihn beim Nickerchen in der Mittagspause. Es geht abwärts, auch mit der Verbrauchsanzeige, dafür aber aufwärts mit den Mundwinkeln. Denn die V-Klasse rollt mit einem Schnitt von 8,4 l/100 km zurück auf den Parkplatz. Zwar sind wir entfernt vom Normmix von 6,0 l/100 km, aber zwischendrin sind wir auch weit jenseits der Norm gefahren. Auch die grünen Balken der Öko-Anzeige wagen sich mittlerweile wieder hervor. Leise knirscht der Kies unter den Rädern, die Maschine atmet ein letztes Mal tief durch, bei Zündung aus wechselt die Technik automatisch in die Parkstellung – Komfort à la V-Klasse.

Randolf Unruh

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