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11.02.2019

Jenseits der Strasse

Mit dem XT hat Scania eine neue LKW-Reihe mit zahlreichen Features speziell für die Baubranche vorgestellt. Der starke Schwede zeichnet sich dabei vor allem durch sein robustes Design aus – entwickelt für härteste Aufgaben. Davon konnte sich der KFZ-Anzeiger in einer Kiesgrube selber überzeugen.

Kalt, matschig, grau, nass. Und Schlamm. Sehr viel Schlamm. Nein, das war nun wirklich kein Schönwetter-Termin Anfang Februar in einer Sand- und Kiesgrube im niedersächsischen Negenborn. Das Test-Team war zu Gast im Kieswerk der Günter Papenburg AG. Und wir kamen nicht alleine.
Mit an unserer Seite: eine Scania-R-500-XT-Sattelzugmaschine in 4x2-Achskonfiguration samt 3-Achs-Sattelkipper im Schlepptau. Genau der richtige Ort also, um die viel besungenen Bau- und Offroad-Qualitäten der XT-Baureihe einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Eine spannende Besonderheit des Sattelzugs: die hydraulisch angetriebene dritte Trailer-Achse beim Muldensattel. Die stammt vom Achsenspezialist SAF-Holland, der seinen Hilfsantrieb Intra CD Trak ab sofort in Serie bringt und damit die Baulogistik- und Offroadtransport-Branche revolutionieren könnte.


Raubeiniges Multitalent
In der „Brust“ des R 500 XT schlagen zwei Herzen. Denn der leistungsstarke DC-13-Motor mit 368kW (500 PS) vereint gleich mehrere Eigenschaften in sich. Zum einen bietet das gut bestückte Schweden-Triebwerk alles, was eine moderne Sattelzugmaschine für den Einsatz auf der Straße benötigt. Effizienz, Sparsamkeit, Leistung und Wirtschaftlichkeit – es ist unverkennbar: der DC 13 hat seine Wurzeln tief im Straßengüterverkehr verankert. Und diesen Trumpf spielt er aus sobald der XT wieder festen Boden unter den Rädern hat. In der Grube oder auf der Baustelle entpuppen sich dann seine Offroad-Qualitäten. Hier kann der Motor seine ganze Kraft und Robustheit ausspielen und in wohl dosierten Dosen auf die Antriebsachse übertragen. Die Abgasnachbehandlung erfolgt beim sauberen D-13-Euro-6-Triebwerk über hochmoderne SCR-Technologie mittels Adblue.


Komfortabel unterwegs
Beim Fahren sowohl im Onroad- wie auch im Offroad-Bereich erwies sich das fein säuberlich abgestimmte GRS905R-Getriebe als ein echtes Highlight. Die 12+2-Gang-Range-Split-Schaltung greift auch bei schwierigen Fahrmanövern schnell und kaum spürbar ins Geschehen ein, zwei Kriechgängen und zwei Rückwärtsgängen erlauben das behutsame Rangieren nach vorne und nach hinten – auch auf losem und schlammigem Untergrund. Der leistungsstarke Retarder ergänzt die vorgeschaltete Motorbremse, die mit einer Kraft von 256 kW bei 2.400 U/min den Zug auch auf abschüssigem Terrain auf der gewünschten Geschwindigkeit hält. Auf der Vorderachse arbeitet eine speziell für den Offroad-Einsatz konzipierte 3x29-mm-Parabelfeder, hinten kommt eine Zwei-Balg-Luftfederung zum Einsatz. Eine gute Lösung, die die Fahrerkabine ruhig und Erschütterungsfrei hält. Nach Negenborn schickte Scania seine Sattelzugmaschine in der CR20-Version mit mittellangem R-Fahrerhaus und dem Scania-Normal-Roof mit Ruheausstattung für kürzere bis mittlere Distanzen. Eine Kabinen-Lösung, die gut geeignet ist für Verkehre zwischen Kieswerk und Baustelle. Denn das sind meist Strecken mit rauen Offroad-Bedingungen, aber zugleich auch mit einem hohem Straßenanteil. Hier brauch der Fahrer durchaus auch einmal etwas mehr Lebensraum sowie ausreichend Abstell- und Staumöglichkeiten für Getränke, Laptop oder Aktenmappe. Bedingungen, die er in der CR20-Kabine vorfindet. Für hohen Komfort auch in der Grube sorgten in unserem Test-Truck unter anderem eine Klimaanlage mit automatischer Temperaturregelung, USB- und Bluetooth-Anschlüsse, der Scania-Kommunikator C 300 sowie der Fahrersitz Medium Plus mit in die Kopfstütze eingewebtem XT-Logo. Die hellen LED-Hauptscheinwerfer sorgten für beste Sicht – auch bei schlechten Witterungsbedingungen. Einen weiteren Pluspunkt erhält der Offroad-Schwede für die perfekte Übersicht, die die hohe R-Kabine mit intelligent geformter Glasfront über den Straßen- und Baustellenverkehr ermöglicht. Besonders komfortabel ist zudem die neue elek­trische Feststellbremse, die Scania auch für die XT-Reihe anbietet. Die Positionierung bleibt rechts in der Instrumententafel vor dem Fahrer unverändert, das Bedienelement hingegen erinnert an das moderner PKW. Das Bedienelement reagiert auf Druck, sodass eine stufenweise Betätigung möglich ist. Da die Betätigung der Feststellbremse elektrisch erfolgt, kann sie auch mit weiteren innovativen Funktionen versehen werden. Die Berganfahrhilfe wurde ebenfalls verbessert. Wenn die Position Autohold (Position, bei der die Betriebsbremse verwendet wird und ein grünes Feststellbremssymbol aufleuchtet) der elektrischen Feststellbremse aktiviert ist, gilt keine Zeitbeschränkung mehr für das Halten des Fahrzeugs. Beim erneuten Anhalten des LKW wird sie automatisch erneut betätigt. Steht das Fahrzeug etwas länger, wechselt das System automatisch von Autohold zu Feststellbremse.


Innovativer Pfundskerl
Das Fundament des R 500 XT ist ein robuster Stoßfänger, der vorn am Fahrerhaus einen Überstand von 150 mm aufweist. Er verleiht dem Fahrzeug eine unverkennbare Optik, die – so der Gedanke der Scania-Ingenieure – sowohl Stärke als auch Robustheit ausstrahlen soll. Kunden können zwischen verschiedenen lokalen Ausstattungspaketen für Interieur und Exterieur wählen, die zu einer Steigerung der Fahrzeug-Produktivität beitragen können und den Eindruck von solider Kraft weiter verstärken.
Der Stoßfänger ermöglicht, je nach Reifen- und Fahrgestellkonfiguration, einen Böschungswinkel von rund 25 Grad.
Die Kombination aus Stoßfänger, Unterbodenschutzplatte und Scheinwerferschutz sorgt für eine robuste und widerstandsfähige Fahrzeugfront, sodass die Karosserie auch bei Kollisionen mit anderen Objekten keinen Schaden nimmt – was gerade bei unserem Test in der Kiesgrube öfter einmal vorgekommen ist. Die leicht zugängliche Abschleppvorrichtung ist für 40 t ausgelegt. So können andere Fahrzeuge oder Maschinen bewegt oder gegebenenfalls das eigene Fahrzeug mit Ladung abgeschleppt werden.
Und auf der Straße? Hier zeigte der XT im Test beste Manieren. Seine saubere Lenkung hielt das Fahrzeug in allen Situationen sicher auf Kurs. Die rundum straff arbeitenden Scheibenbremsen agieren schnell und sauber, machten ihren Job sowohl beladen als auch bei Leerfahrt bestens. Einen Anteil daran hat sicher auch der vorgeschaltete Retarder vom Typ R4100D. Er packt auch bei geringeren Geschwindigkeiten kräftig zu. Obwohl die Antriebsachse an 3x29-mm-Parabelfedern geführt wird, teilte der Scania nicht unwirsch aus oder hüpfte bei Leerfahrt wild umher. Was das Fahrwerk nicht schafft, eliminiert die fein abgestimmte Luftfederung des Fahrerhauses. Voll oder beladen zeigte sich der R 500 XT auf den Autobahn- und Landstraßenabschnitten zu jederzeit flink und wendig – und stets gut beherrschbar. Ein Allrounder also mit zahlreichen Talenten. Egal ob für den Baustofftransport, für den Aushub oder Abbruch, beim Transport auf der Straße oder in der Grube – für den Schweden kein Problem.


Partnerschaftlich
Baustellenfahrzeuge stellen nicht nur besondere Anforderungen an Konfiguration und Fahreigenschaften, sondern auch an Services, Wartung und Reparatur, die ebenfalls hohen Ansprüchen gerecht werden müssen.
Die Fahrzeuge werden unter schwierigen Bedingungen wie in Kiesgruben und auf Baustellen eingesetzt und müssen einiges aushalten können. Gleichzeitig legen sie häufig mehr als 80.000 km pro Jahr auf normalen Straßen zurück. Der Fokus auf Kraftstoffeffizienz ist somit ebenfalls elementar.
Hinzu kommt, dass sich Baustellen häufig im innerstädtischen Bereich befinden, sodass gute Sicht und Wendigkeit gefragt sind und entsprechende Anforderungen an permanente Starts und Stopps gelten. Die Ansprüche an diese Fahrzeuge sind somit vielfältig. Um den verschiedenen Anforderungen gerecht werden zu können, bieten die Schweden zu ihren XT-Fahrzeugen auch eine Reihe verschiedener Services und Dienstleistungen für Transportunternehmen in der Baubranche an. Für Baustoff-Transportunternehmer mit mehreren Fahrzeugen wird Scania Fleet Care angeboten, eine Fuhrpark-Dienstleistung, die die Vernetzung aller Scania-Fahrzeuge nutzt. Sie ermöglicht eine optimierte Verfügbarkeit, bessere Auslastung und einen guten Überblick über Kosten, Erträge und Abläufe des kompletten Fuhrparks. Zudem wurde das Scania-Service-Angebot nun auch um ein speziell für den Baustellenbetrieb konzipiertes Fahrtraining erweitert.


Für schwierigstes Gelände
Zum Test in der Negenborner Kiesgrube schickte Scania seine 4x2-Sattelzugmaschine nicht alleine. Im Schlepptau hatte sie einen 3-achsigen Muldensattelkipper aus dem Hause Schwarzmüller. Soweit so gut. Doch bei dem Trailer handelte es sich keineswegs um Standard-Ware von der Stange.
Passend zum Offroad-Thema rollte der Sattelanhänger mit dem in die dritte Trailerachse integrierten hydraulischen Hilfsantrieb Intra CD Trak von SAF-Holland an.
Mit einem hydraulisch angetriebenen Motor unterstützt das SAF-System Zugmaschinen an Steigungen und auf schwierigem Untergrund. Von ihrer zusätzlichen Leistung profitieren besonders Sattelkipper und Fahrzeuge, die onroad und offroad im Baustellen- oder Deponie-Bereich unterwegs sind. Die Achse ist optimiert für Trailer im 9-t-Standard-Bereich. Das gesamte System besteht aus dem bewährten SAF-Intra-CD-Fahrwerk mit Integraltechnologie und ist mit einer Steuerung ausgestattet, die auf den integrierten Motor abgestimmt ist.
Bei Bedarf aktiviert der Fahrer den Hilfsantrieb einfach per Knopfdruck im Zugfahrzeug, und erhöht so die Traktion. Intra CD Trak erkennt die Fahrtrichtung automatisch und reagiert selbstständig auf die Anforderungen: Wird das Fahrzeug abgebremst oder die von der Zugmaschinen-Hydraulik abhängige, maximale Geschwindigkeit überschritten, aktiviert die Achse automatisch den Free-Wheeling-Modus. Reduziert sich die Geschwindigkeit, etwa durch mangelnde Traktion, schaltet sich der Antrieb selbst wieder zu.


Einfache Nachrüstung
Von der hydraulisch angetriebenen Achse können auch Trailer, die bereits im Einsatz waren, profitieren, da ihr Einbauraum dem der Standard-Trailer-Achsen von SAF entspricht. Verschleißteile wie Bremsbeläge und -scheiben, Luftfederbälge und Radlager sind identisch zur Intra-Reihe. So können Werkstätten Ersatzteile für beide Achstypen verwenden. Der Fokus der Intra-CD-Trak-Baureihe, die mit dem Trailer-Innovationspreis 2017 ausgezeichnet wurde und nun den Sprung zur Serienreife geschafft hat, liegt dabei klar auf Offroad-Einsätzen mit spezifischen Transportanforderungen im Baugewerbe.
Durch deutlich verstärkte Stoßdämpfer und einen integrierten Zusatzantrieb bewältigt das System auch anspruchsvolle Verkehrswege mühelos – wie sich auch im Test des KFZ-Anzeiger gezeigt hat.

 

Unser Fazit
Der R 500 XT wurde speziell für die verschiedenen Anwendungen von Baustellenfahrzeugen, die häufig abseits der Straße unter härtesten Bedingungen eingesetzt werden, konstruiert. Durch eine geschickte Kombination verschiedener Komponenten und Systeme meisterte er im Test alle Herausforderungen im Kieswerk mit Bravour. Und wir haben ihn nicht geschont. Egal ob das Auffahren auf steile Sandhügel mit Steigungen von fast 30 Grad oder tiefe, wassergefüllte Schlammlöcher. Wir wollten es wissen, trieben das Gespann durch alle Unwegsamkeiten. Alles kein Problem für den raubeinigen Schweden. Und stieß das Fahrwerk des Zweiachsers dann doch einmal an seine Grenzen, konnte die hydraulisch angetriebene dritte Trailerachse von SAF-Holland zeigen, wofür sie konzipiert wurde – nämlich für härteste Offroad-Einsätze. Ein Handgriff des Fahrers vorne in der Kabine reicht, und das System ist aktiviert. Und schon kann er sich aus einer schwierigen Situation befreien. Auf diese Weise lässt sich sicherlich auch der eine oder andere Rettungseinsatz in der Grube vermeiden. Denn der Sattelzug kommt aus eigener Kraft wieder frei. Auf der Straße gab der Zweiachser dann den Ehrenmann, denn seine Ahnen stammen nun einmal unverkennbar aus zwei Welten – aus der Welt des rauen Baustellen- und Offroadalltags und aus der Welt des gepflegten Straßengütertransportes mit hoher Laufleistung.

Philipp Bönders

 

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