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23.05.2022

Lieferketten im Wandel

Foto: stock.adobe.com – jamesteohart
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Nachhaltigkeit ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Welt heute steht, und zugleich eine der komplexesten. Um den aktuellen Stand der Nachhaltigkeit von Lieferketten in ganz Europa zu untersuchen, haben Transport Intelligence (Ti) und Sixfold by Transporeon eine Umfrage durchgeführt.

Diese soll die Nachhaltigkeitsziele, das Monitoring der Nachhaltigkeits-Performance und die eingesetzten Technologien näher bringen.

Im Februar 2022 nahmen 234 Unternehmen, unter anderem aus dem Einzelhandel und der Fertigungsindustrie, aus ganz Europa an der Umfrage teil. Die Ergebnisse zeigen, dass 72 Prozent der befragten Unternehmen über eine Nachhaltigkeitsstrategie verfügen – mehr als die Hälfte der Befragten bereits seit mehr als zwei Jahren. Doch welche Fortschritte wurden erzielt und welche Ziele haben für Verlader auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit Vorrang? Was hält sie noch zurück? Und wie können Technologie, Datenanalyse und mehr Zusammenarbeit dazu beitragen, Wachstum in Zukunft nachhaltiger zu gestalten?

Die meisten Unternehmen haben Nachhaltigkeitsstrategien – aber diese sind unterschiedlich stark ausgereift
Von allen befragten Unternehmen verfügen mehr als 72 Prozent über eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Lieferkette. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten hat eine Nachhaltigkeitsstrategie, die seit mindestens zwei Jahren in Kraft ist. Die anderen 50 Prozent haben entweder keine Nachhaltigkeitsstrategie oder verfolgen diese Strategie seit weniger als zwei Jahren. Je nachdem wie ausgereift die Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens ist, unterscheiden sich die gesetzten Ziele und Vorgaben. Während alle Strategien die Verringerung der Emissionen und des CO2-Fußabdrucks betonen, legen neuere Strategien – wie solche, die in den zwei Jahren der Covid-19-Pandemie umgesetzt wurden – den Schwerpunkt stärker auf Kostensenkungen und betriebliche Effizienz.

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Die Ziele der Strategien: verstärkter Fokus auf Kostensenkungen und betriebliche Effizienz während der Pandemie
Die Verringerung der Emissionen ist das Hauptziel der Nachhaltigkeitsstrategien. Die Tatsache, dass die Verringerung von Treibhausgasemissionen in der Umfrage als Ziel vor der eigentlichen Messung der Emissionen rangiert, scheint darauf hinzudeuten, dass das Monitoring von Nachhaltigkeit langfristig vertieft werden muss. So können Verbesserungen bei der Nachhaltigkeit mit genauen und zuverlässigen Daten erfasst werden.
Monitoring ist auch ein zentraler Bestandteil der Planung und Gestaltung der Lieferkette. Die Daten werden in erster Linie für unternehmensinterne Ziele verwendet, sodass eine genaue Aufzeichnung und ein evidenzbasierter Ansatz entscheidend sind.
Das Ziel, Nachhaltigkeit in einem kohärenten, die gesamte Lieferkette umfassenden Ansatz anzugehen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Antworten der Unternehmen. Dabei vertritt die Mehrheit sowohl einen Top-Down-Ansatz bei der Verringerung der gesamten Umweltauswirkungen als auch einen betrieblich orientierten Ansatz für Verbesserungen auf taktischer Ebene. Es ist also ein gemischter Ansatz zu erkennen, der sowohl „Kostensenkungen“ als auch eine „Steigerung der betrieblichen Effizienz“ beinhaltet. Dieser gemischte Ansatz gilt zwar für alle befragten Unternehmen, doch gibt es Unterschiede bei der Umsetzung: Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen werden von den Unternehmen, die in den letzten zwei Jahren Nachhaltigkeitsstrategien umgesetzt haben, als wichtiger eingestuft als die Verringerung des CO2-Fußabdrucks. Das ist wahrscheinlich auf die Notwendigkeit von mehr Kosteneffizienz aufgrund der Pandemie zurückzuführen.

RTV-Technologie entscheidend für die beschleunigte Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien
Die unternehmensinterne Einführung von Schlüsseltechnologien ist der wichtigste Faktor für die Geschwindigkeit, mit der Nachhaltigkeitsstrategien umgesetzt werden können. Unternehmen implementieren Technologien rund um die Lieferketten – und speziell im Bezug auf die Messung von Nachhaltigkeitszielen – im rasanten Tempo ein. Mindestens 60 Prozent der befragten Unternehmen haben technologiegestützte Lösungen wie die Überwachung der Leistung von Spediteuren, Routenoptimierung und die Sendungsverfolgung bereits eingeführt oder planen das in den nächsten zwei Jahren. Etwa 45 Prozent der Befragten haben bereits Real-Time-Visibility (RTV) im Einsatz, wobei etwa elf Prozent die Technologie bereits nutzen, um die Nachhaltigkeit der Prozesse zu verbessern. 36 Prozent planen die Einführung von RTV in den nächsten zwei Jahren. Das bedeutet, dass die Technologie in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

Automatisierung der Dateneingabe und -verarbeitung zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen
Egal wie ausgereift eine Nachhaltigkeitsstrategie ist, es scheint noch keinen Konsens über den besten Ansatz zum Monitoring der Nachhaltigkeits-Performance zu geben. Bei den befragten Unternehmen sind manuelle interne Systeme die am häufigsten verwendete Methode zur Überwachung der Nachhaltigkeits-Performance. Die Tatsache, dass der Anteil dieser Systeme dicht gefolgt wird von automatisierten, ebenfalls internen Systemen, deutet darauf hin, dass es an fertigen Monitoring-Lösungen fehlt. Das heißt externe Lösungen, die direkt auf die Bedürfnisse eines bestimmten Unternehmens zugeschnitten sind. Betrachtet man einmal drei Messgrößen für den Straßengüterverkehr – Emissionshöhe, Gesamtkilometerleistung und Leerkilometerleistung – wird deutlich, dass genaue Daten zum Straßengüterverkehr weiterführende Nachhaltigkeitsziele unterstützen. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass eindeutig ein Bedarf an zeitnahen und zuverlässigen Daten besteht.
Für diejenigen Unternehmen, die externe Logistikdienstleistungen in Anspruch nehmen, sind diese Daten von zentraler Bedeutung für die genaue Berichterstattung über Scope-3-Emissionen. Diese Emissionen dürften bei Einzelhändlern und Unternehmen in der Fertigungsindustrie einen erheblichen Anteil an den gesamten Umweltauswirkungen ausmachen. Scope-3-Emissions-Daten sind auch ein wichtiger externer Indikator im Rahmen von CSR-Strategien von Unternehmen. Die Verfügbarkeit dieser Daten wird sehr hoch bewertet. Das dient auch als Grundlage für unternehmensinterne Planungs- und Beschaffungsentscheidungen, was ebenfalls ein wichtiger Bereich ist, auf den die befragten Unternehmen Wert legen. Dass dieser Aspekt Unternehmen so wichtig ist, ist ein deutlicher Hinweis auf einen faktenbasierten Ansatz bei ihrer Entscheidungsfindung. Dieser stützt sich auf qualitativ hochwertige Daten.
Wichtig ist auch die Fähigkeit, auf Ereignisse, wie Verspätungen und Unterbrechungen, zu reagieren und schnell entsprechende Anpassungen vornehmen zu können – insbesondere in Kombination mit Software zur Routenplanung/-optimierung. Diese Software ist zurzeit die wichtigste technologische Komponente zur Unterstützung von Nachhaltigkeitsstrategien.
Die klare Botschaft ist, dass sich in den nächsten zwei Jahren das Management von Nachhaltigkeit in der Lieferkette in ganz Europa schrittweise verändern wird. RTV wird neben der Leistungsüberwachung von Spediteuren eine der am schnellsten adaptierten Technologien im Rahmen dieses Digitalisierungsprozesses sein. In beiden Fällen geben rund 81 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass die Technologien in den nächsten zwei Jahren eingeführt werden.

Fazit: Technologien machen die Lieferketten grüner
Insgesamt zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Lieferketten in ganz Europa umweltfreundlicher, technologieorientierter und proaktiver werden, wenn es darum geht, Möglichkeiten zur Verbesserung von Nachhaltigkeit zu nutzen. Die befragten Unternehmen zielen auf Emissionsreduzierung ab, vernachlässigen dabei aber nicht Verbesserungen beim alltäglichen operationalen Geschäft, die auch Nachhaltigkeitsfortschritte unterstützen.
Die Teilnehmer der Umfrage gaben an, dass das gegenwärtige Tempo der Technologie-einführung zu einer schrittweisen Veränderung des Managements der Nachhaltigkeit in der Lieferkette in ganz Europa führen wird.
Da jedoch die interne Einführung von Technologien als wichtigster Faktor für die Geschwindigkeit der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien angesehen wird, bleibt das Erreichen des geplanten Fortschritts eine komplexe Herausforderung. 

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Jesper Bennike

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