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20.03.2019

Mehr Präzision

Bereits 2008 begann Kässbohrer mit der Konstruktion von ersten Tieflader-Modellen, vom Zweiachs-Semitieflader mit starren Achsen bis zum Achtachs-Modell mit hydraulischer Lenkung, um der wachsenden Anfrage gerecht zu werden. Jetzt hat der Trailerhersteller sein Programm erweitert.

Seit den Anfängen der Tieflader-Produktion hat sich beim Gocher Trailer-Hersteller einiges getan. Zwölf Jahre nach dem Start der ersten Modellvarianten gibt es in Adapazari, im Stammwerk von Kässbohrer, eine neue Halle zur Herstellung von Fahrzeugen, die hierzulande unter dem Begriff „Großraum- und Schwertransporte“ zusammengefasst werden. Der Grund ist schlicht: die Kapazität war ausgereizt und mehr ging nicht. Inzwischen schon. Denn die vor einem Jahr eröffnete Tieflader-Fabrik ist auf eine Kapazität von 2.500 Fahrzeugen ausgelegt. Die heutigen Produktions-Fähigkeiten mit ihren Laser-Schneidanlagen, Schweißrobotern und automatisierter Oberflächentechnik bieten viel mehr Möglichkeiten, Fahrzeuge zu konzipieren.
War vor 20 Jahren in der Industrie ein Tieflader ein Einzelstück mit Hunderten von Arbeitsstunden wegen der mechanischen Bearbeitung und entsprechenden Arbeitskosten, ist derselbe Tieflader heute bei Kässbohrer ein Einzelstück aus automatisierten Produktionsprozessen. Deshalb wird die Tieflader-Produkttechnik bei Kässbohrer aufgrund der größeren Möglichkeiten der Produktionstechnik gerade neu installiert, für mehr Präzision, mehr Varianten und damit auch für mehr Kundennutzen. Die Durchführung einer Zink-/Aluminum-Schicht auf den metallischen Körper des Fahrzeugs durch ein sogenanntes „Metallisierungs“-Verfahren schützt vor Durchrostung infolge von Abrieb an der metallischen Oberfläche und beseitigt Korrosion. In diesem Zustand erhöht das Fahrzeug die Haltbarkeit gegenüber Abriebeffekten extrem und erzielt einen höheren Gebrauchtsgegenwert. Die Oberflächenvorbereitung und Lackiererei hat dank automatisierter Kransysteme für die Anhängerfahrwerkstechnik einen hohen Automatisierungsgrad. Zudem werden alle Produktionsdaten wie Betriebszeiten, Ofentemperaturen oder Lackverbrauch von jedem Automatisierungssystem gemeldet, das gemäß der Industrie-4.0-Logik integriert ist.


Produktionsprogramm
Zur Zeit bietet Kässbohrer neun Versionen Semi-Tieflader an – allesamt starre oder teleskopierbare Modelle mit bis zu sechs Achslinien und Nachlauf-Lenkachsen. Dazu gibt es fünf Ausführungen mit drei bis acht Achslinien, die drei bis sechs hydraulisch gelenkte Achsen besitzen.
Die neueste Baureihe – bekannt unter der Modellbezeichnung K.SLL – sind Tieflader mit zwei oder drei achsschenkel-gelenkten luftgefederten Achsen und abfahrbarem Schwanenhals. Diese Modellreihe ist die erste, die einer grundlegenden Produkt- und Produktions-Revision unterzogen wurde. Denn die Nachfrage nach diesen zwei- oder dreiachsigen Tiefladern ist groß. Und weitere Achslinien sind kein Problem, da das Fahrwerk im Heck als Modul konzipiert wurde.


Schnell, hydraulisch, innovativ
Die Basis des K.SLL ist ein hydraulisch gelenktes zwei- oder dreiachsiges Heckfahrwerk mit Luftfederung. Es ist so ausgelegt, dass auch vom Heck her über Anlege-Rampen Maschinen aufgefahren werden können. Das ist für viele Nutzer ein Zeitvorteil. Der Nachteil dieser Verladung ist natürlich die Verwendung von Rampen, die anschließend gelagert und gesichert werden müssen. In der Standard-Ausführung ist der K.SLL eingerichtet auf die Beladung von der Vorderseite, also mit abgefahrenem Schwanenhals. Als Auffahrhilfe gibt es Keile. Die werden aber nur nötig, wenn die Durchmesser der Räder oder Ketten klein sind. Das Tiefbett ist fast 7 m lang und lässt in 50-cm-Schritten um 5,5 m teleskopieren. Bestellt man vier ISO-Twistlocks dazu, ist der Tieflader auch als Transporter für 40 ft Container einzusetzen. In der Standartkonfiguration ist die Plattform 200 mm dick und an den Achswagen geschweißt. Als zusätzliche Option für unterschiedliche Ladeanforderungen bietet Kässbohrer Plattformhöhen von 225 mm und 250 mm an. Neben der Schweißverbindung ist auch eine Bolzen-Verbindung für Kunden verfügbar, die die Verwendung von Add-On-Plattformen bevorzugen.


Multifunktionelles
Mit einem Zwischentisch (oder zwei) kann auch Langmaterial gefahren werden. Der Tisch ist auf 15 t Ladungsdruck ausgelegt. Gesteckt wird er jeweils in eins der 50x100 mm Rungentaschen-Paare außen am Hauptrahmen. Von denen gibt es sechs im Tiefbett und drei auf dem Fahrwerk. Auf dem Fahrwerk haben die Taschen auch die Aufgabe, die Markierungsschilder und –leuchten stecken zu können. In Sachen Ladungssicherung ist der K.SLL sehr detailliert ausgerüstet: Auf dem Hochbett sind ein Paar Zurringe mit einer Lastkapazität von je 13.400 DaN eingeschweißt. Im Tiefbett befinden sich sieben Reihen mit 13.400 und vier mit 8.000 DaN. In das Fahrwerk sind zwei Reihen mit 13.400 und drei mit 10.000 DaN integriert.
Damit dürfte das Thema „fehlende Ankerpunkte“, das früher bei Tiefladern oft diskutiert wurde, auf dieses Fahrzeug bestimmt nicht zutreffen. Zudem ist es mit ausklappbaren Traversen ausgerüstet, welches die Ladebreite auf 3 m erweitert. Beim Testfahrzeug werden diese Traversen in Ruheposition noch mit Feder-Spangen gesichert. In der Serie wird es eine einfache Kulisse im Drehmechanismus geben. Ein Vorteil des Tiefbetts ist der Holzboden. Der ist in drei Segmente aufgeteilt und lässt sich mit je vier Zurringen aus- und einbauen. Das ist ein großer Vorteil, wenn man Rohre oder Boote fahren muss.Mit dieser Ausrüstung ist der Tieflader multifunktionell einsetzbar. Als Maschinentransporter, für Langmaterial oder auch für kleinteilige Baustellen-Ausrüstungen bis hin zum Baucontainer.


Details
Wichtig für Tieflader-Fahrzeuge ist vor allem die Funktionssicherheit, denn das Tiefbett des SLL fährt mit 300 bis 340 mm über Straßen oder unbefestigte Wege. Die acht Hydraulikzylinder für das Hub- und das Lenksystem sind nach US-Norm ASTM B117 zertifiziert. Dementsprechend sind die Kolbenstangen 1.000 Stunden gegen Korrosion geschützt. Zudem sind die auf 250 bar Betriebsdruck ausgelegten hydraulischen Leitungen und Zylinder mit Spitzendrücken von 1.000 bar geprüft. Die Hydraulikleitungen des Schwanenhalses werden mit dem Tiefbett mittels der üblichen Schnellkupplung verbunden, Die Pneumatik besitzt eine Duomatik und für Beleuchtung und EBS-System sind die ISO 7638 und 12098-Steckverbindungen vorgesehen. Vorne am Sattelhals ist der Kupplungsträger konventionell mit 7N/7S, alternativ 12098, und Standard-Luftverbindungen (gelb/rot) nach ISO 1726 ausgerüstet. Dazu kommt eine „Nato“-Kupplung zum Antrieb der Hydraulik.


Elektrik
Die Lichtanlage liefert Aspöck, wobei die Steckverbinder der Kabelsätze im IP69k-Niveau geprüft sind. Diese „Aspöck-Nordic“ oder ASS3 genannten vorkonfektionierten elektrischen Kupplungen werden nicht nur von Kässbohrer verwendet. Auch andere Fahrzeughersteller haben verstanden, dass die Zeit der handverlegten Kabelschuh- und Leitungs-Abisoliererung vorbei ist. Zudem sparen diese System Zeit bei der Montage. Andererseits gilt die Spielregel: Wer Sonderfunktionen einrichten will, zum Beispiel mehr Rundumleuchten, der sollte sie ab Werk bestellen. Oder aus dem System-Katalog nachrüsten, um die Funktionssicherheit zu behalten.Was es am K.SLL nicht gibt, sind Glühlampen. Die Beleuchtung erfolgt komplett mit LED.


Bremsanlage
Bremsentechnisch verlässt sich Kässbohrer auf eine Anlage von Wabco. Weil zwangsgelenkte Achsen in EBS-Bremssystemen als starre Achsen gelten, genügt die einfache 2S/2M-Ausrüstung. Eine Erweiterung auf 4S/2M würde bei einem technischen Radstand von über 9 m keinen Vorteil bringen, wie es bei Sattelaufliegern mit kurzem Radstand wegen des oft hohen Schwerpunktes sinnvoll ist. Der K.SLL besitzt eine Reset-to-ride-Regelung, wenn die Luftfederung beim Be- und Entladen verstellt wurde. Die wird ab der Geschwindigkeitsschwelle von 15 km/h aktiv. Empfehlenswert ist auch die einkreisige Wabco-ECAS-Ausrüstung, um eine zweite Fahrhöhe von 340 statt 300 mm einzurichten. Denn gerade bei schweren Transportgütern im Tiefbett, welche die 3.700 mm Ladehöhe nicht benötigen, ist jeder Zentimeter zusätzlich Federweg sehr willkommen.


Lenksystem
Die übliche Nachlenkung des Achsaggregats erfolgt in der Standardausführung mittels einer intuitiv bedienbaren Kabel-Fernbedienung. Als Option ist die hauseigene Funkfernbedienung verfügbar. Die ist immer dann sinnvoll, wenn der Fahrer von der Kabine aus – schneller – lenken soll.
Für das Einspuren ist auf der Spurstange der ersten Achse eine Kontrolle mittels zweier Keile eingerichtet. Links an der Stirnwand sind zwei Leuchten montiert, die das Einspuren und das Nachlenken signalisieren. Der Lenkeinschlag der Achsschenkelachsen beträgt maximal 42 Grad und 38 Grad bei SAF Achsen. Der Lieferant der Achsen ist BPW.


Hochbett
Das vorne seitlich angeschrägte Hochbett wird mit sechs Eckrungen aufgebaut. Die sind geschraubt, um bei Bedarf komplett demontiert zu werden. Für Kleinteile wird an der linken Seite eine Werkzeugkiste montiert. Als Wunschausstattung gibt es diese Kiste auch auf voller Breite.
Ein Reserverad kann entweder vor der Stirnwand oder an einer Winde im Hochbett montiert werden. Die Seitenlänge des Hochbetts ist dann 1,9 m, was für die Aufbewahrung von Rungen und Bohlen genügen sollte.
Falls das nicht reicht, lässt sich die Sammlung der hinteren Querplanken ausbauen.

Philipp Bönders

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