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26.11.2018

Sauberer Tausendsassa

Kraftvoll, wendig, emissionsarm – Scania schickt mit dem G 410 A4x2NA LNG eine Sattelzugmaschine mit Erdgas-befeuertem Triebwerk ins Rennen. Das umweltfreundliche Fahrzeug mit kompakten Abmessungen eignet sich sowohl für den Einsatz in der City-Logistik als auch auf der Langstrecke.

Das Angebot an Erdgas-betriebenen Nutzfahrzeugen im schweren und mittelschweren LKW-Segment wächst weiter: Nachdem Iveco als europäischer Vorreiter in diesem Bereich bereits seit rund zwei Jahren LNG- und CNG-Trucks im regulären Programm führt und auch Volvo Trucks kürzlich eigene LNG-Motoren für FH und FM vorgestellt hat – Mercedes-Benz Trucks will 2019 mit einer LNG-Serienversion seines neuen Actros folgen –, steigt nun auch Scania in das expandierende Segment ein.
Transport- und Logistikunternehmen können dabei zwischen verschiedenen Fahrerkabinen und unterschiedlichsten Ausstattungs-Optionen wählen – je nach Einsatzzweck. Zur Auswahl stehen drei Gasmotoren in den Leistungsstufen 280, 340 und 410 PS, die sich für zahlreiche Anwendungen eignen. Alle drei Gasaggregate, die Scania auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge in Hannover präsentierte, arbeiten mit einer ottomotorischen Verbrennung und der damit verbundenen Fremdzündung mittels Zündkerzen. Die Abgasnachbehandlung erfolgt durch eine Abgasrückführung (EGR) sowie einen Drei-Wege-Katalysator. Somit kann bei Gasfahrzeugen auf eine aufwändige SCR-Nachbehandlung verzichtet werden. Mit LNG-Tanks ausgestattet ist bei einer Sattelzugmaschine eine Reichweite von bis zu 1.100 km möglich, Fahrgestelle mit Aufbau können Strecken von bis zu 1.600 km zurücklegen.
Neben der CO2-Reduktion zeigen die Scania-Gasmotoren auch bei der Verringerung von Stickoxiden, NOX, und Feinstaub-Emissionen eine durchaus beeindruckende Bilanz. Der Euro-6-Gasmotor von Scania erfüllt zudem den De-Fakto-Standard der Piek-Lärmschutzrichtlinie, die einen maximalen Geräuschpegel in lärmempfindlichen Gebieten wie Innenstädte und Wohngebiete von 72 dB(A) vorgibt.


Kraftvoller Sparmeister
Zum letzten Mal testete unser Redaktions-Team einen Scania G 410 in 4x2-Sattelzugmaschinen-Konfiguration vor vier Jahren. Damals allerdings nicht in der Erdgas-befeuerten Variante, sondern mit konventionellem Diesel-Euro-6-DC13-Aggregat der zweiten Generation. Das durchzugsstarke 12,7-l-Triebwerk im Testfahrzeug brachte anno 2014 in der 410-PS-Version seine Nennleistung bei 1.900/min und stellte ein für diese PS-Klasse recht hohes maximales Drehmoment von immerhin 2.150 Nm schon bei 1.000 bis 1.300/min zur Verfügung – eine beachtliche Leistung. Nun, vier Jahre später, schickten die Schweden aus Söndertälje ihren G 410 mit dem neuentwickelten 13-l-Gasmotor (LNG) zur Testfahrt des KFZ-Anzeiger. Die Modellbezeichnung des emissionsarmen Triebwerks: OC 13 01/410 (Euro 6). Das kräftige Sechszylinder-Aggregat stellt eine Leistung von rund 302 kW (410 PS) bei 1.900/min und ein Drehmoment von 2.000 Nm bei 1.100 bis 1.400 U/min zur Verfügung. Dabei arbeitet der Gasmotor nach dem Prinzip des Ottomotors. Zündkerzen liefern den Funken zur Entzündung des Gemisches aus Erdgas und Luft, wobei beide Komponenten vollständig verbrennen. Die Abgasrückführung (EGR) sowie ein Drei-Wege-Katalysator übernehmen die Abgasnachbehandlung. Da der OC-13-Motor vollständig auf Dieselkraftstoff verzichtet, ist auch kein Adblue zur Abgasnachbehandlung nötig. Ein zusätzlicher Adblue-Tank am Fahrzeug entfällt. Das spart Gewicht und erhöht die Nutzlast. Ein weiterer Pluspunkt. Links und rechts am Fahrzeugrahmen befinden sich die LNG-Tanks mit einem Volumen von jeweils 440 l (links) und 375 l auf der rechten Seite. Damit legt die Zugmaschine im internationalen Fernverkehr rund 1.080 km (Werksangabe) pro Tankfüllung zurück – je nach Einsatzzweck und Topographie versteht sich.


Komfortabel und sicher
Beim Getriebe des neuen G 410 LNG setzt Scania auf das synchronisierte 12-Gang-Automatikgetriebe GRS895R. Im Test erwies sich dabei vor allem die Interaktion mit Opticruise (mit den drei Fahrmodi Standard, Economy, Leistung sowie Kickdown-Funktion) und GPS-gestütztem Tempomat CCAP (Cruise Control with Active Prediction, ohne Ecoroll) als überaus gelungen. So hält der Fahrer beim Erdgas-Scania die Zügel zwar in der Hand, doch Opticruise übernimmt eigentlich schon vom Stand weg die Regie bei Gangwahl, Kupplung und Schaltung.
Bei Autobahnfahrten arbeitet das System besonders effizient. Denn dann wird CCAP aktiviert. Der intelligente Tempomat erkennt mit Hilfe von GPS-Navigation und Geländedaten die Straßentopographie etwa 3 km im Voraus und kann Steigungen dank zuvor geringfügig erhöhtem Tempo mit vollem Ladedruck angehen. Das spart in der Regel einen Schaltvorgang. Außerdem nutzt CCAP kurz vor der Bergkuppe den Schwung der Gewichtskraft und lässt das Fahrzeug im Schubbetrieb ins nachfolgende Gefälle rollen. Ein zusätzliches Sicherheits-Feature im LNG-Truck ist das Scania-AiCC-System – eine geschwindigkeitsabhängige Abstandsregelung bis 0 km/h.


Bremsen, Achsen, Reifen
Für das verschleißfreie Bremsen kommt im G 410 ein R4100D-Retarder mit Freilauf-Funktion und einer Leistung von 500 kW (4.100 Nm) zum Einsatz. Die Betriebsbremse ist eine Zweikreis-Druckluftanlage mit Scheibenbremsen vorn und hinten.
Zudem ist das Fahrzeug serienmäßig mit dem neuen EPB-System ausgerüstet – eine elektronische Parkbremse mit Autohold. Eine parabelgefederte Vorderachse (2x32 mm) vom Typ AM420S (8 t) samt Teleskopstoßdämpfer und Stabilisator sorgt für ein komfortables Fahrverhalten. Bei der Hinterachse (Zweibalg) setzen die Schweden auf eine einfach-untersetzte luftgefederte Variante mit Teleskopstoßdämpfer. Sie stemmt bis zu 11,5 t.
Für das Testfahrzeug wählte der LKW-Hersteller aus Södertälje Michelin-X-Line-Energy-Z-Reifen in der Konfiguration 315/70 R22,5 auf der Vorderachse und eine Michelin-X-Line-Energy-D-Bereifung in der Konfiguration 315/70 R22,5 auf der Hinterachse.


Wohnlicher Arbeitsplatz
Die neue Scania-Fahrerkabine CG 20N hat mit einer Stehhöhe von knapp unter 2 m vor den Sitzen und immerhin noch fast 1,80 m auf dem Motortunnel einen überaus zeitgemäßen Fernverkehrs-Komfort mit gutem Überstieg zur Ruhezone oder Beifahrertür zu bieten. Hinzu kommen ein vorbildlicher Arbeitsplatz, eine rund 800 mm breite Liege sowie ein wohnliches Interieur und ein komfortables Kabinenvolumen.
Lobenswert auch die verschließbaren Ablagefächer über der Windschutzscheibe und die von außen zugänglichen Großfächer unter der Liege sowie geschickt platzierte Ablagen, Schubladen, Flaschen- und Becherhalter im direkten Fahrerumfeld.
Ein Airbag im Lenkrad sowie der Seiten-Airbag sorgen – neben den zahlreichen Assistenz-Systemen wie LDW-Spurassistent (Lane Departure Warning), AEB-Notbremsassistent und elektronisches Stabilisierungsprogramm ESP – für einen hohen Sicherheitsstandard. Das abgeflachte Leder-Lenkrad verleiht dem Innenraum zusätzlich ein hochwertiges Ambiente. Hinzukommen Ausstattungsmerkmale wie eine elektrische Fahrerhaus-Kippeinrichtung, Klima-Automatik und Standheizung, die dem Fahrer während seiner Arbeits- und Ruhezeit einen angenehmen Aufenthalt in der Kabine ermöglichen.


Fazit
Und, lohnt sich das ganze für den Transportunternehmer? Mit einem rund 30 Prozent höheren Anschaffungspreis scheinen die Kosten gegenüber einem vergleichbaren Diesel-Fahrzeug auf den ersten Blick zwar um einiges deftiger auszufallen, allerdings spielen hier dem Spediteur einige deutliche Vorteile in die Karten. So sind schwere Erdgas-Nutzfahrzeuge für zwei Jahre mautbefreit unterwegs – ein deutlicher finanzieller Vorteil gegenüber konventionellen Trucks.
Hinzu kommt die De-minimis-Beihilfe-Regelung, die der Bund den Unternehmen bei der Anschaffung eines LNG-LKW gewährt. Seit 2009 wird ein Teil der Mauteinnahmen an die Unternehmen des Transportgewerbes gezahlt, wenn sie Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr oder zum Schutz der Umwelt ergreifen. Das umfangreiche Scania-LNG-Portfolio (410 PS) umfasst die Fahrerhäuser CG und CR als 4x2-Sattelzugmaschinen-, 4x2-LKW- und 6x2/4-LKW-Konfiguration. Zudem stehen dem Transportunternehmer Fahrzeuge in ADR-Konfektionierung sowie LKW-Chassis mit 2x550-l-Tanks (220 kg) für rund 1.600 km Reichweite zur Verfügung.

Philipp Bönders

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