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08.11.2018

Spezialist mit Spezialitäten

Kraftvolle 460 PS, komfortable Globetrotter-Kabine, ein modernes I-Shift-Getriebe und ein feinfühliger Geradeauslauf dank „Dynamic Steering“: Der neue Volvo FH 460 LNG ist ein Spezialist für den Fernverkehr – und dank effizientem Erdgas-Triebwerk eine echte Alternative zum Diesel.

Ist das der Beginn einer neuen Ära – der Post-Diesel-Ära? Eine Frage, die angesichts der vielen neuen dieselfreien LKW-Variationen, die die Hersteller nun nach und nach präsentieren, durchaus berechtigt erscheint. Es scheint einen regelrecht zu verfolgen – der E-Truck ist derzeit in aller Munde. Fragt man allerdings nach dem Start der Serienprodukion, wird gerne um den heißen Brei geredet. Da ist eine andere Technologie bereits wesentlich weiter.
Ob Iveco, Scania, Daimler oder Volvo Trucks: Die großen europäischen LKW-Hersteller setzen immer stärker auf den gasbetriebenen Brummi als Alternative zum Diesel. Und das mit Erfolg. Alle Fahrzeugvarianten sind mehr oder weniger bereit für den Start der Serienfertigung. Im Hause Iveco produziert man gar bereits die Erdgas-betriebenen Trucks vom Fließband – und das Kundeninteresse spricht für sich.
Dass CNG- und LNG-LKW ein wichtiger Baustein auf dem Weg in eine emissions- und dieselfreie Zukunft sind, haben nun auch die Schweden aus Göteborg erkannt – und präsentieren mit dem Volvo FH 460 LNG eine seriennahe Variante ihres Fernverkehr-Flaggschiffs auf Gasbasis.
Auf der rund 250 km langen Test-Strecke vom oberpfälzischen Barbing zum Münchner Flughafen und wieder zurück hatte der KFZ-Anzeiger Ende Oktober die Gelegenheit, den schweren Volvo-Truck ausgiebig zu testen – und sammelte dabei einige spannende Erkenntnisse zum aktuellen Stand der LNG-Fahrzeugtechnik „Made in Göteborg“.


Innovative Motorentechnologie
Rund zwei Jahre ist es her, dass unsere Test-Redaktion einem Volvo FH mit 460-PS-Triebwerk auf den Zahn fühlen konnte. Damals hinterließ der Truck mit kräftigem 6-Zylinder-Reihendiesel aus der D13-Motorengeneration einen überaus positiven Eindruck. Dabei überzeugten vor allem die niedrigen Verbrauchswerte, ein hoher Fahrwerkskomfort und die hochwertige Globetrotter-Kabine das Test-Team von den Qualitäten des Trucks.
Jetzt hatten wir erneut die Gelegenheit uns den FH in 460-PS-Ausführung genauer anzuschauen. Diesmal allerdings als Erdgas-Version mit LNG-betriebenem Verbrennungsmotor.
Befeuert wird der Erdgas-FH von einem leistungsstarken G13C460-Aggregat mit einer maximalen Leistung von 338 kW (460 PS) bei 1.700 bis 1.800 U/min. Dabei arbeitet der Motor – ähnlich wie sein Diesel-Äquivalent – als 6-Zylinder-Reihentriebwerk mit 12,8-l-Hubraum und Common-Rail-Einspritzsystem.
Allerdings agiert das Volvo-Gastriebwerk nicht nach dem klassischen Selbstzündungsprinzip (durch Verdichtung) konventioneller LKW-Dieselmotoren. Vielmehr orientierten sich die schwedischen Ingenieure bei der Entwicklung am Ottomotor, der mit Fremdzündung arbei-
tet. Dabei kommen bei Volvo Trucks – im Gegensatz zu Benzin-betriebenen Motoren im PKW-Bereich oder bei anderen LNG-Motoren der Konkurrenz – jedoch keine Zündkerzen zum Einsatz. Stattdessen nutzt das Aggregat Dieselkraftstoff um das verflüchtigte Gas im Motor zu entzünden. Dazu führt der LNG-LH einen eigenen kleinen 170-l-Dieseltank mit, der das Triebwerk mit dem nötigen Kraftstoff versorgt.
Eine weitere Besonderheit beim Antriebskonzept: Bei unserem Test-Gas-LH verzichtet Volvo Trucks bewuss auf den Einsatz eines Retarders. Stattdessen favorisieren die Schweden eine Ausstattung mit der leistungsstarken Motorbremse „VEB+“, die immerhin für sichere Fahrten ins Tal eine Dauerbremsleistung von 375 kW (510 PS) bei 2.300/min mit perfekter Einbindung in die Software von Motorregelung, I-Shift und I-See zu bieten hat.


Wirtschaftlich unterwegs
Die Testfahrt mit dem Volvo FH 460 LNG lieferte zahlreiche Erkenntnisse zur Fahrleistung und Funktionsweise des Gas-Trucks. Startpunkt der Fahrzeug-Exkursion war der Autohof Rosenhof bei Regensburg. Von hier aus ging es vom Stand weg zügig und dank Gangsprüngen mit wenigen, kaum spürbaren Zugkraftunterbrechungen auf Tour in Richtung München. Schon nach den ersten Kilometern zur und auf der Autobahn wurde eins deutlich: der durchzugsstarke G13C460-Motor leistet ganze Arbeit. Selbst auf der anspruchsvollen Teststrecke mit wechselnder Topographie ließ sich das Triebwerk in praktisch allen Lebenslagen im wirtschaftlichen Drehzahlbereich bei 1.000 bis 1.400/min, in dem das volle maximale Drehmoment anliegt, bezie- hungsweise im verbrauchsgünstigen Bereich bei 1.050 bis 1.300/min betreiben.
Weiterer Pluspunkt des neuen Triebwerks: das Common-Rail-Hochdruckeinspritzsystem, das mit Einspritzdrücken von bis zu 2.400 bar arbeitet.
Als durchweg gelungen präsentierte sich beim G13-Euro-Motoren zudem auch die Integration des I-Shift-Getriebes. Beeindruckend: das intelligente Zusammenspiel von I-Shift, dem Automatik- Schaltgetriebe mit Fahrprogrammregelung, I-Roll für einen Schubbetrieb mit abgekoppeltem Motor und I-See als GPS-gestütztes Tempomat-/Bremsomat-System.


Komfortabler Arbeitsplatz
Während der Fahrzeug-Exkursion konnte das Cockpit der Globetrotter-Kabine durch eine hervorragende Ergonomie und eine klare elegante Linienführung überzeugen. wEin weiterer Pluspunkt: ein überaus einfaches Handling dank intuitiver Bedienbarkeit. Bemerkenswert beim Volvo-Fernverkehrs-Flaggschiff ist auch die offene und moderne Gestaltung der Außenspiegel. Sie ermöglichen links wie rechts und nach vorne schräg über die A-Säulen beste Sicht. Mit der integrierten Handbremsautomatik bieten die Schweden ein weiteres wichtiges Sicherheitsfeature. Beim Abstellen des Motors legt sich die Feststellbremse automatisch ein. Und, sobald der Fahrer nach dem Motorstart anfährt, löst sich die Feststellbremse automatisch. Die Gefahr des Wegrollens des Fahrzeugs durch Unachtsamkeit entfällt somit.
Als GPS-gestütztes Tempomat-/Bremsomat-System setzt Volvo Trucks bereits sei einigen Jahen auf I-See als intelligentes selbstlernendes Regelsystem. Während der Fahrt greift es auf die gespeicherten Daten aller Fahrzeuge, die zuvor auf dem jeweils aktuellen Straßenabschnitt mit I-See gefahren sind, in einer Cloud zu und kann damit die beste Fahrstrategie vorausberechnen.
Punkten konnte unser FH 460 LNG auch mit der werkseigenen Lenkung Volvo Dynamic Steering (VDS) – eine Kombination von elektronisch gesteuerten Elektromotor am Lenkgetriebe und hydraulischer Servolenkung. Bemerkenswert sind die hohe Präzision und Feinfühligkeit des Steuersystems. Seine Trümphe spielt es dabei vor allem beim Rangieren an der Rampe aus, hier arbeitet es sehr leichtgängig und überzeugt mit hohen Rückstellkräften.


Trucker-Traum für die Langstrecke
Insgesamt präsentierte sich das Testfahrzeug als attraktives und modernes Flottenmodell. Das rund 2,50 m breite Fahrerhaus lässt selbst im internationalen Fernstreckeneinsatz vor allem in der Alleinfahrerversion kaum noch Wünsche offen. Ein fast ebener Fußboden und eine Stehhöhe von etwa 1,96 m auf dem sehr niedrigen Motortunnel bieten dem LKW-Piloten eine komfortable Bewegungsfreiheit.
Das Interieur zeichnet sich durch hoch-wertige Materialen und eine geschickte Aufteilung in Arbeits-, Lebens- und Schlafbereich mit hoher Wohnkultur aus. Darüber hinaus gibt es großzügige Stauräume über der Windschutzscheibe und unter der Liege (auch von außen zugänglich).
Weitere Ablage- und Aufstellflächen für Laptop, Kaffeebecher oder Dokumententasche befinden sich praktisch angeordnet im gesamten Fahrerumfeld. Der Ruhebereich wird von der breiten Liege mit verstellbarer Rückenlehne und einem Flachbildschirm dominiert.

Philipp Bönders

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