Übergang zu nachhaltigem Transportsystem vorantreiben
Harald Woitke, Geschäftsführer Scania Deutschland Österreich, spricht im KFZanzeiger über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der Transportbranche.
KFZanzeiger: Wie hat sich die Nachfrage nach Trucks in den vergangenen Jahren mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage entwickelt?
Harald Woitke: Das Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen unterliegt stets Schwankungen und gilt als guter Indikator. Wir blicken optimistisch in die Zukunft, denn die Nachfrage nach Güterverkehrsleistungen steigt kontinuierlich – von 2015 bis 2050 wird sie sich verdreifachen. Wir wissen auch, dass Nutzfahrzeuge in der EU ein Drittel aller CO₂-Emissionen im Straßenverkehr verursachen. Um die EU-Klimaziele zu erfüllen, muss der Straßengüterverkehr den CO₂-Ausstoß drastisch reduzieren. Hier kommt die Elektromobilität ins Spiel. Die Transformation zur E-Mobilität hat mit innerstädtischen und regionalen Lieferungen begonnen und umfasst mittlerweile auch Langstrecken- und Schwerlasttransporte. Die technischen Voraussetzungen für eine Transformation des Straßengüterverkehrs sind gegeben. Doch der Ausbau der Infrastruktur liegt außerhalb des Einflussbereichs der Hersteller. Hier ist die Politik gefragt, Ladenetze flächendeckend auszubauen. Denn eine effiziente Ladeinfrastruktur ist der Schlüssel zum Erfolg der E-Mobilität. Scania bestimmt das
Innovationsgeschehen maßgeblich mit und begleitet seine Kundinnen und Kunden bei dieser Transformation als Partner und Berater. Unser Ziel ist es, den Übergang zu einem nachhaltigen Transportsystem konsequent voranzutreiben.
KFZanzeiger: Welche Anforderungen stellen Ihre Kunden aktuell an moderne Nutzfahrzeuge? Wie haben sich diese Erwartungen in letzter Zeit verändert?
Harald Woitke: Vor dem Hintergrund der Diskussion um Nachhaltigkeit, Eurovignette und steigende Abgaben auf fossile Energieträger erwarten unsere Kundinnen und Kunden einen Fahrzeuganbieter, der den Spagat meistert: wirtschaftlich tragfähige und modernste Technologien zur Reduktion von Kraftstoffverbrauch und CO₂-Emissionen. Scania bietet diesen Mix seit Langem und erweitert das Portfolio neuer wirtschaftlicher Technologien stetig.
KFZanzeiger: Scania hat vor Kurzem den Super-11-Fünfzylinder-Dieselmotor präsentiert. Inwieweit setzen Sie in Zukunft weiter auf Dieselmotoren?
Harald Woitke: Verbrennungsmotoren werden weiterhin eine wichtige Säule im Technologiemix von Scania darstellen. Entsprechend investieren wir in modernste Verbrennungsmotorentechnologie, um unsere Kundinnen und Kunden mobil zu halten. Ob mit fossilen Kraftstoffen, biogenen Kraftstoffen wie Biogas, abfallbasierten Kraftstoffen wie HVO oder nachwachsenden Kraftstoffen wie FAME (Biodiesel) – Scania bietet passende Lösungen für diese Anforderungen. Der Shift zur Elektromobilität ist ein komplexer Prozess, bei dem viele Aspekte berücksichtigt und geplant werden müssen. Wir stehen unseren Kundinnen und Kunden hier zur Seite. Gemeinsam finden wir die passenden Antworten für jeden Bedarf.
KFZanzeiger: Scania bietet beim Antrieb seiner Trucks eine breite Palette. Welche Schwerpunkte setzt Scania in naher Zukunft bei der Entwicklung neuer Produkte?
Harald Woitke: Unser Ziel ist es, komplette E-Mobility-Lösungen anzubieten. Dieser ganzheitliche Ansatz erweitert unsere unternehmerischen Aktivitäten. Das Spektrum umfasst: elektrische Fahrzeuge, Beratung zur Ladeinfrastruktur, Service und Wartung, passende Finanzierungsmodelle sowie einen speziellen Versicherungsschutz für unsere batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) – um nur einige zu nennen. Zudem bieten wir im Servicebereich maßgeschneiderte Dienstleistungen und langfristige Beratung. Uns ist es wichtig, die gesetzlichen Vorgaben und wirtschaftlichen Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden zu erfüllen – mit Fahrzeugen, die entlang der Wertschöpfungskette nachhaltig sind und die Umwelt so wenig wie möglich belasten.
KFZanzeiger: Welche Innovationen haben Ihrer Meinung nach das größte Potenzial, die Branche in den kommenden Jahren zu verändern?
Harald Woitke: Die Transformation im Mobilitätsbereich ist ein Marathon und kein Sprint. Die Entwicklung des Dieselmotors dauerte von der Idee bis zu den ersten serienreifen Fahrzeugen 27 Jahre. Im Vergleich dazu vollziehen sich die technischen Sprünge bei der Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs beinahe in Lichtgeschwindigkeit. Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Es kommt auf einen durchdachten Antriebsmix an – bestehend aus Elektro-, Gas- und hocheffizienten Dieselantrieben, wobei die Elektrifizierung eine Schlüsselrolle spielt. Dieser Mix gibt unseren Kundinnen und Kunden die notwendige Flexibilität und Mobilität über die gesamte Dauer der Transformation hinweg. Im Bereich der Elektrifizierung passiert noch einiges. Batteriezellen werden leichter, kleiner und energiereicher. Zudem wird die Digitalisierung mit KI-basierten
Anwendungen Einzug halten und die Branche verändern.
KFZanzeiger: Haben Sie persönlich ein Fahrzeug, das Sie als Ihr Lieblingsprodukt des Unternehmens bezeichnen würden?
Harald Woitke: Als echter Lkw-Enthusiast war ich schon immer begeistert von unserem Scania V8-Motor. Doch seit meinem letzten winterlichen Test & Drive in Norwegen, bei dem wir erleben durften, wie ein batterieelektrischer Scania-Lkw eine Holzladung von rund 70 Tonnen souverän bewegt hat, bin ich ebenso ein überzeugter Fan unserer neuen BEV-Generation.
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Foto: Scania Deutschland/Amro Hassan







