Daimler Truck stellt Mercedes-Benz NextGenH2 Truck vor: Kleinserie für den Kundeneinsatz ab Ende 2026
Der Wasserstoff-Lkw markiert einen weiteren Entwicklungsschritt von Daimler Truck auf dem Weg zum nachhaltigen Transport mit wasserstoffbasierten Antrieben. Im Rahmen einer Kleinserienproduktion sollen 100 dieser weiterentwickelten Sattelzugmaschinen im Mercedes-Benz Werk Wörth gebaut und ab Ende 2026 bei verschiedenen Kunden in den Praxisbetrieb gehen.
Achim Puchert, CEO Mercedes-Benz Trucks: „Wasserstoffbasierte Antriebe sind neben batterieelektrischen Lösungen entscheidend für die nachhaltige Transformation unserer Branche. Mit dem NextGenH2 Truck gehen wir den nächsten technologischen Schritt bei Brennstoffzellen-Lkw. Gemeinsam mit unseren Kunden wollen wir ab Ende 2026 die Kleinserie mit hoher Reichweite und seriennaher Technologie in den täglichen Transporteinsatz bringen.“
Stärken übernommen
Die bewährten Stärken des Mercedes-Benz GenH2 Truck der ersten Generation wurden bei der Entwicklung des neuen Modells übernommen. So kommt weiterhin Flüssigwasserstoff zum Einsatz, der Reichweiten von deutlich über 1.000 Kilometern mit einer Tankfüllung bei voller Ausladung ermöglicht. Die Umwandlung des Wasserstoffs in elektrische Energie an Bord des Lkw übernimmt die bewährte Brennstoffzelle BZA150 von cellcentric.
Zu den wichtigsten Neuerungen zählen aktuelle Serienkomponenten aus dem batterieelektrischen Mercedes-Benz eActros 600. Dazu gehören die aerodynamisch optimierte ProCabin, die neue Generation der integrierten E-Achse, das moderne Multimedia Cockpit Interactive 2 sowie die neuesten Sicherheits- und Assistenzsystemen basierend auf der aktuellen E/E-Architektur. Wie sein Vorgänger eignet sich der Mercedes-Benz NextGenH2 Truck insbesondere für flexible und anspruchsvolle Anwendungen im schweren Fernverkehr.
Flüssigwasserstoff ermöglicht eine Reichweite von deutlich über 1.000 Kilometer
Bei der Entwicklung wasserstoffbasierter Antriebe, bevorzugt Daimler Truck den Einsatz von Flüssigwasserstoff. Der Energieträger hat in diesem Aggregatzustand bei -253 Grad Celsius im Vergleich zu gasförmigem Wasserstoff eine deutlich höhere Energiedichte. Dadurch kann mehr Wasserstoff transportiert werden, was die Reichweite deutlich erhöht und eine vergleichbare Leistungsfähigkeit wie ein konventioneller Diesel-Lkw ermöglicht. Das Volumen der beiden Flüssigwasserstofftanks wurde gegenüber der ersten Generation des Mercedes-Benz GenH2 Trucks erhöht, sodass nun beidseitig insgesamt bis zu 85 kg Wasserstoff aufgenommen werden können. Mit dem von Daimler Truck und Linde geschaffenen sLH2 Tankstandard kann der Lkw so innerhalb von 10-15 Minuten mit Flüssigwasserstoff wieder vollgetankt werden, Das soll so sicher, schnell und einfach wie bei heutigen Diesel-Lkw funktionieren.
Der Transportaufwand von Flüssigwasserstoff lässt sich zudem deutlich reduzieren und Flüssigwasserstofftanks bieten gegenüber gasförmigem Druckwasserstoff Vorteile bei Kosten und Gewicht. So ermöglicht der Einsatz von Flüssigwasserstoff unter anderem eine höhere Nutzlast, die Einsätze vergleichbar mit heutigen Diesel-Lkw ermöglicht.
Zuverlässige und effiziente Brennstoffzellentechnologie
Die Brennstoffzelle BZA 150 von cellcentric – dem Joint Venture zwischen Daimler Truck und der Volvo Group – bildet auch im NextGenH2 Truck das Herzstück des Antriebs. Hier sind zwei Brennstoffzellenaggregate als Twin-System mit in Summe 300 kW Systemleistung (zweimal je 150 kW) platzsparend im Motorraum unterhalb der Kabine in den NextGenH2 Truck integriert. Das wasserstoffbasierte Antriebskonzept überzeugte dabei in den vergangenen Jahren bereits bei intensiven Test- und Entwicklungsfahrten durch Zuverlässigkeit und Effizienz unter Realbedingungen.
So lag beispielsweise der durchschnittlicher Wasserstoffverbrauch der Brennstoffzellen-Lkw bei ersten kundennahen Erprobungen mit dem Mercedes-Benz GenH2 Truck je nach Einsatz zwischen 5,6 kg/100 km und 8 kg/100 km, bei einem durchschnittlichen Gesamtzuggewicht zwischen 16 und 34 Tonnen. Bei der Funktionsweise der Brennstoffzelle entsteht durch die Reaktion zwischen Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂) elektrische Energie. Diese treibt zusammen mit einer Pufferbatterie die in die E-Achse integrierten E-Motoren an und sorgt so für einen kraftvollen Vortrieb. Einzige Emission dieses Prozesses ist reiner Wasserdampf.

Mercedes-Benz NextGenH2 Truck
Serienkomponenten sorgen für Technologiesprung
Der NextGenH2 Truck verfügt dank des sofort abrufbaren hohen Drehmoments über eine dynamische Kraftentfaltung. Das komfortable Fahrverhalten sowie der niedrige Geräuschpegel sind Vorteile, die der Brennstoffzellen-Lkw als elektrisch angetriebenes Fahrzeug mit Wasserstoff als Energiequelle ausspielen kann. Auch in anspruchsvollen Fahrsituationen am Berg oder bei hoher Zuladung kann der NextGenH2 Truck mit einer Leistung von bis zu 340 kW (im Economy Modus) beziehungsweise bis zu 370 kW (im Power Modus) punkten.
Herzstück des Energiespeichersystems ist eine von Daimler Truck eigens entwickelte Hochvoltbatterie mit einer installierten Kapazität von 101 kWh[2]. Die Batterie basiert auf der Lithium-Eisenphosphat-Zelltechnologie (LFP) und wirkt als Pufferbatterie für die Brennstoffzelle und speichert die Energie beim Rekuperieren. Der NextGenH2 Truck nutzt zudem dieselbe effiziente elektrische Antriebsachse aus hauseigener Entwicklung, wie sie auch im Mercedes-Benz eActros 600 zum Einsatz kommt. Die 4-Gang-Schaltung (inklusive zweier Rückwärtsgänge) bietet dabei stets eine optimale Kraftentfaltung.
Auch die Hochvoltkomponenten sind serienmäßig vom Mercedes-Benz eActros 600 übernommen, genauso wie die neueste E/E-Architektur. So kommen im NextGenH2 Truck nun auch die aktuellen Sicherheitssysteme wie zum Beispiel der Active Brake Assist 6, der Front Guard Assist oder Active Sideguard Assist 2 zum Einsatz. Zudem ermöglicht die E/E Architektur auch den Schutz durch aktuelle Cybersecurity-Standards.
Innovative Lösungen nach Feedback im Kundentesteinsatz
Dank einer platzsparenden Anordnung der Komponenten im Tech-Tower hinter der Kabine ist dieser nun deutlich kompakter. Dadurch konnte der Radstand des NextGenH2 Truck gegenüber dem Vorgängermodell um 150 mm auf 4,000 Millimeter verkürzt werden. Dies erhöht die Flexibilität, da nun verschiedene Anhänger-Kombinationen und eine breite Abdeckung von Standard-Aufliegern unter Anwendung der EU-Längenvorschriften möglich sind.
Im Tech-Tower befindet sich zudem ein neues Boil-Off Management System, das alle relevanten gesetzlichen Anforderungen im Umgang mit Wasserstoff erfüllt, unter anderem auch für das Abstellen des Fahrzeugs in geschlossenen Räumen. Das integrierte Kühlsystem sorgt zudem dafür, dass auch bei sehr hohen Umgebungstemperaturen oder sehr anspruchsvoller Topografie dauerhaft stabile Betriebsbedingungen gegeben sind.
Durch eine neue Sensorik, die auf den unwahrscheinlichen Fall von austretendem Wasserstoff reagiert, ermöglicht nun auch die Übernachtung in den zwei serienmäßig verbauten Betten in der Kabine. Dies steigert den Komfort und die flexible Einsatzfähigkeit des Lkw, insbesondere für Fernfahrer im mehrtägigen Einsatz.
Förderung des NextGenH2 Trucks
Die Entwicklung, Produktion und der Praxiseinsatz der NextGenH2 Trucks, die ab Ende 2026 bei Kunden eingesetzt werden sollen, werden vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit einer bereitgestellten Förderung von 226 Millionen Euro unterstützt. Die Serienproduktion von Brennstoffzellen-Lkw ist für die frühen 2030er Jahre geplant.
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Foto: Daimler Truck AG







