Munich Electrification präsentiert halbleiterbasierte Batterie-Trenntechnik für E-Lkw und -Busse
Zentraler Hochvolt-Schalter vermittelt zwischen Batterie und Fahrzeug: Auf der IAA Transportation (Halle 19/20, Stand D42) stellt Munich Electrification (ME) erstmals eine halbleiterbasierte Batterie-Trenneinheit für Hochvolt-Systeme in Nutzfahrzeugen vor. Das neue Solid-State-Relay (ME SSR) fungiert als zentraler Hochvolt-Schalter zwischen Batterie und Fahrzeug. Es verbindet die Batterie im Betrieb mit dem Antriebsstrang und trennt sie beim Abstellen, in der Werkstatt und im Fehlerfall sicher vom System. Das ME SSR löst die klassische Trennung über mechanische Schütze und pyrotechnische Sicherungen durch Halbleiter-Schalten ab – ausgelegt auf die Schaltzyklen, Vibrationen und Dauerlasten des kommerziellen Fahrbetriebs.
Mit der Skalierung elektrischer Nutzfahrzeugflotten und steigenden Ladeleistungen rückt die Zuverlässigkeit des Hochvolt-Bordnetzes in den Fokus der Antriebsentwicklung. Mechanische Schütze unterliegen im hohen Duty Cycle dem Verschleiß, pyrotechnische Sicherungen sind Einweg-Bauteile, und Reaktionszeiten im Millisekundenbereich begrenzen den Schutz im HV-Fehlerfall. Für Betreiber, deren Wirtschaftlichkeit an der Fahrzeugverfügbarkeit hängt, schlägt sich das unmittelbar in Betriebskosten und Standzeiten nieder – ein Thema, das Entwicklungsteams bei OEMs und Zulieferern zunehmend früh im Systemdesign adressieren.
Das ME SSR: Solid-State-Schalten für den Antriebsstrang
Das ME SSR schaltet Hochvolt-Kreise im Mikrosekundenbereich, ohne Lichtbogen und ohne mechanischen Verschleiß. Im Vergleich zu Schmelzsicherungen bietet die SSR-Technologie softwaredefinierten Schutz. Das bedeutet, die Trenneinheiten sind konfigurierbar, selbsttestend zur Erkennung latenter Fehler und datenreich genug, um Ausfälle vorherzusagen, bevor sie eintreten. Sein Kurzschlussschutz ist resettabel: Nach einem Fehler im HV-System bleibt die Einheit betriebsbereit, statt über eine ausgelöste Einweg-Sicherung eine Standzeit zu erzwingen.
Für die Antriebsentwicklung heißt das: höhere Verfügbarkeit und Lebensdauer im Antriebsstrang, da keine Kontakte altern oder verschleißen; funktionale Sicherheit auf dem Anspruchsniveau des Nutzfahrzeugs, ausgelegt nach den einschlägigen Automotive-Standards; Robustheit gegen Stoß und Vibration ohne bewegte Teile – und geräuschloser Betrieb; schlankere Systemintegration, die Bauteile, Schnittstellen und damit Package und Validierungsaufwand reduziert.
Zwei Ausführungen für unterschiedliche Integrationstiefen
Das ME SSR ist in zwei Varianten verfügbar. Als Stand-Alone-Lösung fügt es sich als Drop-in in bestehende Battery Disconnect Units ein – für OEMs, die ihre Schaltleistung modernisieren wollen, ohne die BDU neu auszulegen. Als integriertes Modul (Munich Electrification Solid-State Relay Next) führt es Schalten und Sensorik in einer Einheit zusammen und eignet sich für neue Plattformen und BDU-Konsolidierungsprojekte, die die Systemarchitektur vereinfachen.
„Im Nutzfahrzeug entscheidet die Verfügbarkeit über die Wirtschaftlichkeit des gesamten Fahrzeugs. Mechanische Schütze verschleißen, pyrotechnische Sicherungen lösen nur einmal aus – jeder Fehler bedeutet Reparatur und Stillstand. Das ME SSR schaltet rein elektronisch: verschleißfrei, in unter fünf Mikrosekunden und nach jedem Fehler zurücksetzbar. So bleibt das Fahrzeug im Einsatz statt in der Werkstatt“, so Timo Völkl, CTO, Munich Electrification
Erweiterung des Produktportfolios
Mit dem ME SSR erweitert Munich Electrification sein Portfolio von der Batteriemanagement- und Sensorik-Kompetenz in die Hochvolt-Schalt- und Trenntechnik. Als Batterietechnik-Systempartner deckt das Unternehmen die Kette von der Zellüberwachung über die Strom- und Spannungsmessung bis zur funktionalen Sicherheit bereits durchgängig ab – mit der Trennstelle kommt nun das leistungsführende Element hinzu.
Das ME SSR baut auf der serienerprobten BMS-Plattform (Battery Management System) des Unternehmens auf – im Einsatz in mehreren OEM-Programmen, unter anderem im Schwerlast-Lkw – und ergänzt die im Mai 2026 vorgestellte Battery Management Disconnect Unit (BMDU). Damit erhalten OEMs und Zulieferer Batteriemanagement, Sensorik, Schalten und Sicherheitssoftware aus einer Systemhand. Für Entwicklungsteams bedeutet dieser durchgängige Ansatz weniger Schnittstellen, geringeren Abstimmungs- und Validierungsaufwand und ein reduziertes Integrationsrisiko – vom Steuergerät bis zur Trennstelle.
Über Munich Electrification
Battery Technology Made in Europe: Die Munich Electrification GmbH (ME) entwickelt seit 2014 Batteriemanagementsysteme (BMS) und Sensorik für die Elektromobilität sowie für stationäre Batteriespeicher (BESS). Mit Hardware und Software deckt ME das gesamte Spektrum ab – von der Zellüberwachung über die Strommessung bis hin zur funktionalen Sicherheit.
Im Automotive-Bereich sind ME-Systeme in Serienfahrzeugen führender OEMs, darunter Daimler Truck, im Einsatz. Die BMS-Plattform unterstützt Spannungen bis 1.000 V und ist auf die schnelle Adaption an unterschiedlichste Batterie-Architekturen ausgelegt. Für BESS-Anwendungen bis 1.500 V DC liefert ME die erforderliche Technologie für einen stabilen Netzbetrieb, effektives Peak Shaving und die Umstellung auf erneuerbare Energien. Hohe Messgenauigkeit und Remote-Monitoring ermöglichen es Betreibern, den Systemzustand über den gesamten Lebenszyklus hinweg zuverlässig zu überwachen.
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Foto: Munich Electrification









